Der  Wirtschaftliche  Generalstab.  163

der  älteren  Gelehrtengeneration  den  füngst  wegen  seiner  Verdienste  als  langsährlges
Mitglied  des  Landeesökonomie-Kollegiume  zum  Geheimrat  ernannten  Professor  Max
Sering,  und  in  der  füngeren  Generation  den  im  Industrieleben  und  Berkehrewesen
ausgezeichnet  bewanderten  Bonner  Professor  Hermann  Schumacher,  den  unwidersprochenen
  Verlautbarungen  zufolge  die  philosophische  Fakultät  der  Berliner  Universität
an  erster  Stelle  vorgeschlogen,  ale  es  sich  um  die  Neubesetzung  des  Schmollerschen  Lehrstuhle
  handelte.“

Am  10.  Januar  1914  machte  ich  in  der  „Nationalliberalen  Korrcspondenz
  für  die  Abeinprovinz“  den  nationalliberalen  Abgeordneten
den  Vorschlag,  bei  der  Etateberatung  für  die  Schaffung  eines  Wirtschaftlichen
  Kriegerates  einzutreten.  Dr.  Stresemann,  der  damalige  Führer
der  nationalliberalen  Fraktion,  hat  auf  diese  Anregungen,  wie  auf  die
von  Rießer,  Possehl,  Leonhardt  und  anderen  im  Reichstag  wiederholt
hingewiesen.  Den  letzten  Mahnruf  für  wirtschaftliche  Mobilmachung,
den  ich  in  der  „Deutschen  Welt“  vom  3.  Mai  1914  veröffentlichte,  möchte
ich  auch  hier  in  der  Hauptsache  auszugsweise  noch  einmal  wiedergeben:

„Wenn  wir  die  Dinge  von  der  Seite  der  wirtschaftlichen  Kriegsfolgen  aus  betrachten,
werden  wir  stete  gut  tun,  nicht  lediglich  zu  rechnen  mit  einem  Zukunftekriege,  der  schon
nach  kurzer  Zeit  durch  einige  ganz  große  Schläge  entschieden  wird,  sondern  auch  mit  der
Moͤglichkeit  eines  langwierigen  Ringens  um  Sein  oder  Nichtsein  eines  von  allen  Seiten
eingekreisten  Siebzigmillionenvolkes.  Auch  mit  Bezug  auf  den  Seekrieg  ist  der  Fall  im
Auge  zu  behalten,  daß  angesichte  einee  überlegenen  Gegners  eine  noch  so  tapfer  sich  schlagende
Flotte  zu  Erholunge-  und  Auffrischungspausen,  zum  Abwarten  günstiger  Momente  gezwungen
  sein  kann,  während  in  der  Zwischenzeit  eine  längere  wirksame  Blockade  durchgeführt
  wird.  Die  heimische  Dolkswirtschaft  muß  sich  bereithalten,  eine  solche  Blockade
ertragen  zu  können,  bie  vielleicht  eine  durch  die  ersten  Seeschlachten  geschwächte  deutsche
Flotte  sich  vorteilhaft  ergänzen  kann  durch  zur  Zeit  des  Kriegsauebruchs  noch  nicht  ganz
fertiggestellte  Großkampfschiffe.

Die  Wirkungen  einer  Blockade  werden  nun  aber  selbstverständlich  um  so  empfind--licher,
  je  olelseitiger  zugleich  auch  der  Warenverkehr  über  die  Landgrenzen  unterbunden
ist.  Was  wir  im  Kriege  zur  Erhaltung  unserer  Volkewirtschaft,  in  erster  Linie  zur  Ernährung
unseres  Volkes  unbedingt  brauchen,  das  können  und  müssen  wir,  so  lange  ee  gebt,  schließlich
auch  auf  weiten  Umwegen,  einführen,  ungeachtet  der  beträchtlichen  Verteuerung  durch  die
erhöhten  Frachten.  Aber  auch  viele  Umwege  über  die  Landeegrenzen  können  une  abgeschultten
  werden,  ja,  die  Gefahr  einer  allseitigen  Einkreisung  ist  selbst  bei  voller  Wirksamkeit
  des  Dreibundes  im  Kriegefalle  nicht  von  der  Hand  zu  weisen,  wenn  auch  die  Mittelmeerhäfen
  unserer  Verbündeten  von  feindlichen  Seestreitkräften  blockiert  werden  und
wenn  die  gegen  Osterreich  gerichteten  Balkanländer  den  Donauweg  versperren  sollten.

Ee  liegt  ja  auf  der  Hand,  daß  die  Interessen  der  Heeresverwaltung  und  des  volkewirtschaftlichen
  Ganzen  unter  den  mannigfachsten  Erwägungen  hinsichtlich  der  wirtschaftlichen
  Mobilmachung  durchaus  parallel  gehen.  Die  Volkswirtschaft  braucht  ein  starkes
Heer  und  eine  starke  Flotte,  damit  beide  in  der  Lage  seien,  den  Krieg  womöglich  nicht  auf
deutschen  Boden  und  unmittelbar  an  die  deutsche  Küste  hinübergreifen  zu  lassen,  sondern
einen  möglichst  großen  Teil  des  Verkehrs  mit  der  Außenwelt  aufrecht  zu  erhalten  und  die
volkewirtschaftliche  Fortarbelt  daheim  zu  ermöglichen.  Das  Heer  aber  bedarf  einer  für  den
Krlieg,  auch  für  einen  nicht  gleich  durch  große  Erfolge  entschiedenen  Krieg  wohlvorbereiteten.
Volkewirtschaft,  die  genug  orlentiert  und  gesichert  ist,  um  dem  Heer  auch  ein  längeres

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