164  Allgemeiner  AUberdlick.

Durchhalten  des  Feldzuges  zu  ermöglichen,  um  den  Olplomaten  zu  gestatten,  die  Frledensverhandlungen
  in  ruhiger  Sicherhelt  die  zum  günstigen  Ende  durchzuführen,  anstatt  Hals
über  Kopf  in  einen  vielleicht  trotz  großer  Waffenerfolge  verhältniemäßlg  ungünstigen
Frieden  einwilligen  zu  massen,  weil  volkewlrtschaftlicher  Zusammenbruch  daheim  alles
drunter  und  drüber  geben  läßt  und  ihnen  den  Rückhalt  raubt.

In  dieser  letzteren  Bezlehung  ist  vlellelcht  ale  wichtigstes  Glled  wirtschaftlicher  Mobilmachung
  die  wohlvorbereitete  Mobilmachung  des  Arbeitsmarktes  zu  betrachten

Welche  Produktione-  und  Arbeitszwelge  werden  durch  den  Krieg  notwendigerweise
mehr  oder  weniger  stark  eingeschränkt  oder  ganz  lahm  gelegt?  Welche  lassen  sich  aufrecht
erhalten?  Welche  müssen  aufrecht  erhalten  werden?  Und  wie  vieler  Arbeltekräfte  werden
dlese  letzteren  bedürfen?  Das  sind  Fragen,  die  in  Friedenszeiten  sorgsam  vorgeprüft  werden
wollen.  Es  ist  das  Auge  darauf  zu  richten,  welche  Teile  unseres  Außenhondels  im  Krlegsfalle
  entbehrlich,  welche  schlechtweg  unentbehrlich  sind.  Bezüglich  der  unentbehrlichen
ist  nachzuprüfen,  inwieweit  milltärisch-maritime  Strategie  darauf  eingerichtet  werden
muß  und  kann,  wenigstens  diese  Telle  des  Handels  zu  erzwingen,  inwlewelt  zur  Entlastung
dee  Heeres  und  der  Flotte  von  Aufgaben  dieser  Art  Vorsorge  zu  treffen  ist  durch  Stapelung
der  notwendlgsten  Nahrungemittel  und  Rohstoffe.

Angedeutet  wurde  bereits,  daß  die  Aufrechterhaltung  auch  nur  eines  Restes  unseres
Außenhandele  in  Kriegozeiten  verbunden  sein  wird  mit  allerlei  Umwegen,  Traneportverteuerungen
  und  Transportschwlerlgkeiten.  Olese  Frage  ist  um  so  bebenklicher,  als  ja
doch  die  Mobilmachung  des  Heeres  zunächst  die  ganzen  Transportmittel  für  sich  im  Anspruch
  nimmt.  Auch  die  Mobilmachung  der  Verkehremittel  muß  in  solcher  Weise  vorbereitet
sein,  daß  so  bald  wie  irgend  möglich  nach  dem  ersten  Tage  der  milltärischen  Mobilmachung
die  volkewirtschaftlichen  Bedürfnisse  wleder  ihre  Rechnung  finden.  Der  bestmögliche  Ausbau
unserer  Verkehrestraßen,  insbesondere  auch  weiteste  Nutzung  der  Binnenschiffahrtewege,
der  Ausbau  künstlicher  Verbindungen  zwischen  den  natürlichen  Schlffahrtsstraßen  und
Fürsorge  für  ein  reichliches  Maß  rollenden  Materlals  auf  unseren  Eisenbahnen  wird  unserer
Volkswirtschaft  schwere  Sorgen  leichter  tragen  helfen.

So  viel  erörtert  das  Problem  der  finanziellen  Mobllmachung  und  auch  das  Problem
deutscher  Nahrungemittelversorgung  während  des  Krieges  ist,  so  wenig  Positives  ist  bieber
doch  geleistet  mit  Bezug  auf  die  volkewirtschoftliche  Mobilmachung  im  ganzen,  inebesondere
auch  mit  Bezug  auf  die  Mobilmachung  dee  Arbeitemarktes.  Oie  Schwierigkeiten  der  gestellten
  Aufgabe  sind  wohl  schwerlich  zu  überschätzen;  aber  dle  Notwendlgkelt  ihrer  Lösung
ist  so  unbestreltbar,  die  Art  ihrer  Lösung  von  solcher  Bedeutung  für  die  Möglichkeit,  elnen
großen  Krieg  erfolgreich  durchzuhalten,  daß  es  unbedingt  einer  wirksamen  Zusammenfassung
  der  besten  Kräfte  bedarf,  um  an  dleser  Lösung  zu  arbeiten.  Ein  der  Aufgabe  gewachsener
  wlrtschaftlicher  Kriegerat  zu  ständiger  Vorbereltung  der  wirtschaftlichen  Mobllmachung
  ist  eine  brennende  Forderung  des  Tagee,  für  die  es  in  militärisch-maritlmen
Kreisen  an  Verständnie  zweifellos  nicht  feblt,  die  aber  bie  zur  Stunde  unerfüllt  geblieben
  ist  und  angesichte  der  Feinde  ringsum  nun  dringlich  nach  ihrer  Erfüllung  ruft  —“.

Eine  spstematisch  wissenschaftliche  Zusammenfassung  aller  im  Hinblick
auf  die  wirtschaftliche  Mobilmachung  zu  studierenden  Fragen  lieferte
sodann  Dr.  Arthur  Blaustein  in  Nr.  278  der  „Volkswirtschaftlichen  Zeitfragen“
  (Berlin  1914,  Verlag  Leonhard  Simion)  mit  der  Arbeit  „Deutschlands
  wirtschaftliche  Kriegebereitschaft".

Zu  einer  entsprechend  spstematisch  zusammengefaßten  Vorbereitung
der  wirtschaftlichen  Kriegsbereitschaft  Deutschlande  war  es  indessen  in