Oie  wirtschaftliche  Mobllmachung.  16«

der  Praxis  im  Sommer  1914  noch  nicht  gekommen.  Wohl  hatten  Generalstab
  und  Verwaltung  des  Berkehrewesens,  Reichsbank  und  Reichsschatzamt
  für  wesentliche  Einzelgebiete  umfassende  Vorbereitungen  getroffen;
  ein  wirtschaftlicher  Kriegerat  für  die  Gesamtmobilisierung  der
Volkswirtschaft  und  des  Arbeitemarktes  aber  war  nicht  nur  nicht  ins
Leben  gerufen,  sondern  noch  im  Mai  1914  vom  Reichsamt  des  Innern
aueèdrücklich  abgelehnt  worden!  Darüber  hatte  eine  von  W.  T.  B.
verbreitete  offiziöse  Notiz  folgendee  besagt:

„Berlin,  26.  Mal.  Der  Wirtschaftliche  Aueschuß  zur  Begutachtung  und  Vorbereitung
bandelspolitischer  Maßnahmen  ist  beute  unter  dem  Vorsitz  des  Staatssekretärs  des  Innern,
Staateminister  Dr.  Delbrück,  zu  einer  Sitzung  unter  Zuzlehung  einer  größeren  Anzahl
von  Sachverständigen  aus  Handel,  Industrie  und  Landwirtschaft  zusommengetreten.
Zweck  der  Tagung  ist,  eine  Aussprache  herbeizuführen  über  die  verschiedenen  in  der  Presse
und  der  Literatur  im  Laufe  der  letzten  Jahre  hervorgetretenen  mehr  oder  weniger  sachkundigen
  Erörterungen  über  die  Einrichtung  eines  sogenannten  Wirtschaftlichen  Generalstabs
  umnd  die  damit  im  Zusammenhange  stebenden  Fragen.  Wie  wir  hören,  soll  von  der
Bildung  eines  besonderen  Aus:schusses  für  Fragen  der  wirtschaftlichen  Mobilmachung
Abstand  genommen,  die  einschläglgen  Fragen  sollen  vielmehr  für  den  Bedürfniefall  in
dem  für  die  Begutachtung  wirtschaftlicher  und  handelepolitischer  Fragen  bereits  seit  1897
bestehenden  Wirtschaftlichen  Aueschuß  erSrtert  werden.  Wie  alle  Verhandlungen  diesee
Ausschusses,  so  werden  auch  die  gegenwärtigen  vertraulich  geführt.“

Aun  lag  aber  auf  der  Hand,  daß  der  Wirtschaftliche  Ausschuß  auf
lange  Zeit  mit  den  Fragen  der  Fortführung  der  deutschen  Handelspolitik
  nach  Ablauf  der  den  Handelsverträgen  einstweilen  gesetzten  Frist
viel  zu  stark  in  Anspruch  genommen  sein  würde,  ale  daß  er  im  „Bedürfnie--falle“
  nebenher  auch  die  Fragen  der  wirtschaftlichen  Mobilmachung
zu  erledigen  vermöchte.  Diese  aber  wurden  mit  großer  Beschleunigung
brennend;  mußte  doch  schon  einen  Monat  nach  Verkündigung  des  eben
erwähnten  Beschlusses  durch  die  Bluttat  von  Serajewo  mit  ihren  Folgen
der  Welt  klar  vor  Augen  gerückt  werden,  wie  schnell  der  Bedürfniefall
für  die  wirtschaftliche  Mobilmachung  eintreten  könnte!

Die  ersten  Augusttage  jenes  schicksalsschweren  Zahres  fegten  dann
alle  Zweifel  über  die  etwa  noch  gegebene  Frist  hinweg.  Die  militärische
Mobilmachung  setzte  ein,  und  die  Notwendigkeit  umfassender  Organisation
  der  wirtschaftlichen  Mobilmachung  Deutschlande  wurde  vollende
klar,  als  England  seine  Kriegeerklärung  ergehen  und  ihr  die  schärfsten
Maßnahmen  wirtschaftlicher  Mobilmachung  gegen  Oeutschland  auf  dem
Fuße  folgen  ließ.

Dieser  Tatbestand  aber  machte  es  für  Deutschland  zur  doppelten
Notwendigkeit,  unverzüglich  die  wirtschaftliche  Mobilmachung  zu
organisieren,  die  wirtschaftlichen  Kriegeschläge  durch  Gegenschläge  zu
erwidern  und  auch  seinerseite  nach  Kräften  die  mannigfachen  Nittel
wirtschaftlicher  Kriegführung  zu  nutzen.  Allerdings  sah  sich  Deutschland