Die  wirtschaftliche  Defensive.  167

Zuckerproduktion  frei  werdenden  Mengen  von  Gerste  und  Rüben.  Ganz
besonders  war  dann  aber  auch  noch  hingewiesen  auf  die  Vorsorge  für
die  zweckmäßige  Verteilung  der  Arbeitskräfte  im  Kriegsfalle  und  gefordert,
daß  der  Mobilmachung  des  Heeres  eine  Art  Mobilmachung  der  allüberall
verzweigten  Arbeitsnachweise  nebenher  gehe,  so  daß  nach  wohl  vorbereitetem
  Plan  sowohl  der  Landwirtschaft  wie  den  während  des  Feldzuges
  ihrer  Bedeutung  für  den  Kriegebedarf  gemäß  wichtigsten  Industriezweigen
  die  unentbehrlichen  Hände  alsbald  zugeführt  werden  könnten.

Wo  immer  die  Vorbereitung  einer  wirtschaftlichen  Mobilmachung
unterlassen  war,  mußte,  als  es  wirklich  zum  Ausbruch  des  Krieges  kam,
eine  unvorbereitete  wirtschaftliche  Mobilmachung  durchgeführt
werden.  Da  die  staatlichen  Organisationen  zunächst  nicht  oder  nur  in
ungenügendem  Umfange  auf  dem  Posten  erschienen,  so  traten  alsbald
nach  Kriegserklärung  zahlreiche  private  Verbände  auf  den  Plan.  Es
ergab  sich  dabei  zunächst  ein  etwas  zielloser  Wettbewerb  gut  gemeinter,
aber  sostematisch  nicht  hinlänglich  durchdachter  Bemühungen.  Die  einzelnen
  Privatorganisationen  mußten  zur  zweckmäßigen  Durchführung
ihrer  Arbeit  naturgemäß  Fühlung  mit  den  staatlichen  Instanzen  nehmen,
die  sich  gern  der  ihnen  dargebotenen  Hilfe  bedienten.

In  dem  Zusammenarbeiten  zwischen  privaten  und  staatlichen  Helfern
der  wirtschaftlichen  Mobilmachung  entwickelten  sich  eigenartige  Zwischenstufen
  zwischen  amtlichen,  halbamtlichen  und  nichtamtlichen  Arbeitsstellen.
  Rein  privaten  Vereinigungen  wurden  durch  den  Staat  erhebliche
Machtbefugnisse  amtlicher  Art  eingeräumt;  von  jeder  bureaukratischen
Laufbahn  weit  entfernte  Privatpersonen  wurden  mit  neugeschaffenen
Beamtenposten  von  außerordentlich  wichtigem  Wirkungsbereich  betraut.
Zur  Einstellung  der  verschiedenen  Erwerbszweige  und  Gewerbegruppen
für  die  Kriegsbedürfnisse  und  Kriegszwecke  wurde  in  weitgehendem  Maße
die  Selbstverwaltung  berangezogen.  Im  einzelnen  wird  auf  die  verschieden--artigen
  Organisationen  in  den  Abschnitten  über  Landwirtschaft,  Industrie
  usw.  einzugehen  sein.  Hier  soll  zunächst  nur  das  außerordentlich
mannigfaltige  Gesamtbild  angedeutet  werden.  Erwähnt  sei  in  diesem
Rahmen  auch  bereits,  daß  unter  den  vielerlei  Gesellschaften  für  die  Zwecke
der  wirtschaftlichen  Kriegführung,  die  in  Deutschland  ins  Leben  traten,
sich  in  Gestalt  der  Kriege-Getreidegesellschaft  die  größte  Handelsgesellschaft
entwickelte,  die  man  bisher  in  der  ganzen  Weltwirtschaft  je  gesehen  hat.
Die  üblichste  Form  dieser  Kriegswirtschaft  war  die  einer
satzungsgemäß  nicht  auf  Gewinn  binzielenden  Wtiengesellschaft,  an  der
in  weitem  Umfange  die  Vertreter  des  betreffenden  Gewerbes  sich  ohne
Zwang  beteiligen  konnten  und  die  staatlicherseits  mit  mehr  oder  weniger
monopolistischen  Befugnissen  ausgestattet  waren.