Abtellung  für  „Kriegewirtschaft“  im  Großen  Generalstab.  173

Schon  in  Friedenozeiten  hätte  man  militärischerselte  verlangen  müssen,  daß  für  den
Kriegefall  vor  allem  die  Ernährung  des  Volkes  —  unabhängig  vom  Ausland  —  sichergestellt
  würde,  da  andernfalls  schon  durch  einen  Rückgang  der  Felddienstfählgkeit  des
Ersatzee  die  Kriegführung  außerordentlich  erschwert  werden  muß.

Die  meisten  bieher  getroffenen  und  noch  zu  treffenden  wirtschaftlichen  Maßnahmen
bätten  sogleich  mit  der  Mobilmachung  in  Kraft  treten  müssen;  in  diesem  Zeitpunkt  würden
sie  einmal  dem  Volke  selbst,  dann  aber  auch  seinen  Gegnern  den  Ernst  der  Lage  vollkommen
klar  gemacht  haben,  während  sie  jetzt  im  In-  wie  im  Auolande  irreführend  wirken.  So
bat  insbesondere  die  Brotverordnung  in  weiten  Kreisen  der  Bevölkerung  einen  unbegründeten
  Pessimiemus  erzeugt,  während  sie  gleichzeitig  unsern  Gegnern  neuen  Mut  verleiht
und  auf  diese  Weise  unsern  im  Felde  stehenden  Truppen  den  Kampf  unnötig  erschwert.
Mit  allen  noch  notwendig  werdenden  Maßnahmen  wird  das  gleiche  Ergebnie  in  noch  gesteigertem
  Maße  erzlelt  werden.

Um  dieser  unnstigen  Erschwerung  der  Kriegführung  für  die  Zukunft  vorzubeugen,
wird  eine  besondere  Abteilung  für  „Krlegewirtschaft“  im  Eroßen  Generalstab  geschaffen
werden  müssen,  welche  den  verschiedenen  Behörden  bel  den  „Mobi
behilflich  sein  und  nach  alljährlicher  Prüfung  derselben  eine  Gewähr  dafür  Übernehmen
kann,  daß  alle  zur  Kriegführung  erforderlichen  Maßnahmen  auch  tatsächlich  getroffen  sind.

Berlin,  den  11.  Februar  1915.  Unterschrift.

Aus  den  auf  das  Rundschreiben  bei  mir  eingegangenen  Antworten
konnte  ich  bereits  am  24.  März  an  den  Verfasser  der  Denkschrift  folgende
auszugeweise  Mitteilung  darüber  gelangen  lassen,  in  welcher  Weise  sich
eine  Anzahl  angesehener  Nationalökonomen  und  Persönlichkeiten  aue
dem  öffentlichen  Leben  mir  gegenüber  zu  der  Frage  geäußert  haben,
ob  nach  den  Erfahrungen  diesee  Kriegee  nicht  die  Übernahme  wirtschaftlicher
  Kriegevorsorge  auf  der  Grundlage  wissenschaftlicher  Studien  durch
den  Großen  Generalstab  als  letzter  und  sicherster  Ausweg  aus  den  jetzt
durchlebten  Schwierigkeiten  erscheinen  würde:

„Herzog  Johann  Albrecht  zu  Mecklenburg,  Präsident  der  Deutschen
Kolonlalgesellschaft,  schreibt  mir  im  Verfolg  eines  längeren  Brlefwechsele  über  Krlegslel
  und  wirtschaftliche  Kriegsfragen:

„Nach  den  trüben  Erfahrungen,  die  alle  weiterblickenden  Stellen  gemacht  haben
bezüglich  der  mangelhaften  wirtschaftlichen  Bereitschaft  und  der  allzu  langsamen  Maßnahmen,
  zu  denen  Berlin  nur  Schritt  für  Schritt  vermocht  werden  konnte,  stimme  ich  —
wennmöglich  noch  mehr  wie  früher  —  Ibrer  Ansicht  bei,  daß  eine  wirklich  planmäßige
Ordnung  auf  wirtschaftlichem  Gebiet  nur  dann  zu  erreichen  sein  wird,  wenn  auch  dieser
wichtige  Teil  der  Mobilmachung  und  bee  Kampfee  dem  Großen  Generalstab  unterstellt  wird.“

Geheimrat  Prof.  Dr.  Gustar  v.  Schmoller  möchte  „zum  Auedruck  bringen,
daß  nach  meiner  Uberzeugung  die  während  dee  jetzigen  Krieges  gemachten  Erfahrungen
es  allerdinge  als  eine  unabwelsbare  Notwendigkeit  erkennen  lassen,  wennmögllch  soglelch
oder  wenigstene  für  die  Zukunft  für  Schaffung  eines  obersten  mit  der  Heeresleitung  in
nächster  Verbindung  stehenden  Organs  Sorge  zu  tragen,  das  die  im  Frleden  den  partitularen
  Interessen  überlassenen  Wirtschaftebedingungen  mit  Klugheit  und  Erfolg  in  den
Dienst  der  Gesamtinteressen  zu  stellen  vermag.“

Prof.  Dr.  Oldenberg  von  der  Universität  Göttingen  äußert:

„Ich  telle  die  Meinung,  daß  für  krlegewirtschaftliche  Fragen  künftig  eine  zentrale
Beratungestelle  geschaffen  werden  muß.  Ihr  wären  Studlengesellschaften  für  einschläglge