174  Allgemeiner  Uberbllck.

wirtschaftliche  Fragen  und  technische  Einzelfragen  anzugliedern.  Im  gegenwärtigen  Kriege
ist  neben  den  laufenden  wirtschaftlichen  Maßnahmen  schon  jetzt  eine  planmäßige  Wirtschaftspolitik
  der  ersten  Friedenswochen  vorzubereiten,  in  erster  Linie  für  schleunige  Einfuhr
von  Lebensmitteln.“

Ferner  macht  Professor  Oldenberg  darauf  aufmerksam,  daß  es  gegenwärtig  vor  allem
der  Fürsorge  für  Erhaltung  des  Milchviehbestandee  bedarf.

Professor  Dr.  Paul  Arndt  von  der  Universität  Frankfurt  schreibt:

„ODer  Vorschlag,  im  Großen  Generalstab  eine  Abteilung  für  Kriegswirtschaft  zu
schaffen,  scheint  mir  sehr  zweckmäßig  zu  sein.  ..  Ich  habe  mich  schon  mehrfach  voll  Unruhe
in  Berlin  erkundigt,  wie  cs  mit  der  Einsetzung  eines  volkewirtschaftlichen  Generalstabes
stehe.  Ich  hätte  mich  auch  gern  persönlich  an  den  erforderlichen  Arbeiten  beteiligt.
Je  länger  der  Krieg  dauert,  desto  notwendiger  wird  es,  die  nationalen  Kräfte  einheitlich
zusammenzufassen,  und  dazu  brauchen  wir  eben  einen  volkewirtschaftlichen  Generalstab
in  der  einen  oder  anderen  Form.  Hoffentlich  wird  noch  jetzt  nachgeholt,  was  versäumt
worden  ist,  und  nicht  erst  nach  dem  Kriege  neu  angefangen.“

Professor  Dr.  Ehrenberg,  Leiter  des  Staatswissenschaftlichen  Seminars
  der  Universität  Rostock,  erklärt  sich  mit  dem  Gedanken  der  Schaffung  einer
Abteilung  für  Kriegswirtschaft  im  Großen  Generalstab  als  „durchaue  einverstanden“.

Der  Rektor  der  Berliner  Handelshochschule,  Professor  Dr.  Eltzbacher,  stimmt
„dem  Gedanken  durchaus  zu,  daß  im  Großen  Generalstab  eine  Abteilung  für  Kriegewirtschoft
  errichtet  werden  sollte“.

Eingehend  dußert  sich  der  Leiter  des  Königl.  Institute  für  Seeverkehr  und  Weltwirtschaft
  an  der  Universität  Klel,  Professor  Dr.  Bernhard  Harmo,  zu  dem  Thema:

„Der  bisherige  Verlauf  des  Krieges  hat  gezeigt,  daß  die  Forderung,  in  Deutschland
eine  Zentralstelle  für  wirtschaftliche  Kriegevorbereitung  ine  Leben  zu  rufen,  berechtigt
ist.  Aue  sachlichen  Erwägungen  ist  gleichfalls  der  Auffassung  zuzustimmen,  daß  diese  Zentralstelle
  zweckmäßig  dem  Großen  Generalstab  als  besondere  kriegewirtschaftliche  Abteilung
angegliedert  wird.  Von  wirtschaftlich  wissenschaftlicher  Seite  ist  in  den  letzten  Johren
wahrhaftig  oft  genug  darauf  hingewiesen  worden,  daß  das  in  die  Weltwirtschoft  verknüpfte
Deutschland  einer  anderen  Vorbereitung  auf  den  Krieg  bedarf,  als  sie  früher  üblich  und
ausreichend  war.  Ee  ist  kaum  zu  versteben,  daß  alle  biese  Mahnungen  unbeachtet  geblieben
sind.  ..  Die  einzige  amtliche  Stelle,  von  der  aus  in  Deutschland  auf  das  Bedrohliche  unserer
wirtschaftlichen  Lage  im  Falle  eines  Krieges  immer  wieder  hingewiesen  worden  ist,  ist
das  Relchsmarineamt,  wenngleich  dieses  die  Konsequenzen  begreiflicherweise  mehr  in  der
Richtung  elnes  verstärkten  Seeschutzes  zog.  Aber  allein  schon  das  vom  Reichemarincamt
aufgebrachte  und  veröffentlichte  Material  hätte  genügen  müssen,  um  die  Notwendigkeit
entsprechender  Maßnahmen  auch  für  den  Fall  eines  Landkriegee  elnzusehen.  Zieht  man
außerdem  in  Betracht,  daß  Theoretiker  und  Praktiker  in  Hunderten  von  Publikotionen  der
spstematischen  Vorbereitung  einer  künftigen  wirtschaftlichen  Mobilmachung  eindringlich
das  Wort  geredet  haben,  so  steht  man  vor  einer  geradezu  unbegreiflichen  Unterlassungesünde.
  Ich  habe  jedes  Vertrauen,  daß  eine  andere  Stelle  als  der  Große  Generalstab  diese
Sache  mit  Erfolg  in  die  Hand  nehmen  könnte,  verloren.“

Hlerüber  folgen  in  dem  ausführlichen  Schreiben  von  Professor  Harms  weitere  Darlegungen,
  die  glelchfalls  zu  Ihrer  Verfügung  stehen.

Professor  Dr.  Thleß  von  der  Kölner  Handelsbochschule  schreibt  mir  unter
anderm:

„Ihre  Arbeiten  in  dieser  Sache  (wirtschaftlicher  Generalstab)  verfolge  ich  schon  seit
Jahren  mit  wärmstem  Interesse,  habe  daraus  für  meine  Berufsarbeit  vlel  wertvolle  Anregung
  übernommen  und  halte  Ihre  Bestrebungen  für  äußerst  wichtig.“  Im  einzelnen