Abteilung  für  „Kriegswirtschaft“  im  Großen  Generalstab.  175

äußert  er  Bedenken,  ob  bei  Ubernahme  der  einschlägigen  Arbeiten  durch  den  Großen
Generalstab  die  Zioilisten  genügend  zum  Wort  kommen  würden.  „Ole  Auefübrung  ist
sa  belm  Generalstab  gut  aufgehoben,  dann  bekommt  man  einheitliche  Verordnungen  und
stramme  zeitliche  Durchführung  für  das  gaonze  Reichegebiet.  Aber  für  die  Feststellung  der
Grundzüge  und  des  Programme  könnte  ich  mir  eine  Reichskommission  unter  Vorsitz  etwa
des  preußischen  Eisenbahnministers  und  des  Reichepostpräsldenten  ale  besser  vorstellen,
in  der  das  zivile  Element  führt,  die  Militärs  mitarbeiten,  aber  nicht  dirigieren.  Aber  das
soll  nur  zur  Erwägung  gestellt  sein.  Sie  haben  in  dieser  Hinsicht  sicher  viel  größere  Erfahrungen
  ale  ich.“

Ich  will  auch  diese  gelegentlichen  Bedenken  nicht  unerwähnt  lassen,  aber  natürlich
binzufügen,  daß  ich  sie  keineswege  teile  und  mir  von  der  hier  vorgeschlagenen  Kommission
bei  weitem  nicht  die  ersprießliche  Lösung  versprechen  könnte.

Geheimer  Finanzrat  Dr.  Losch,  Stuttgart  (Universität  Tübingen),  stimmt
mit  dem  Bemerken  zu,  er  könne  angesichte  der  Anregung  „nur  bedauern,  daß  sie  so  spät
erst  kommt,  ich  habe  mich  schon  lange  darüber  gewundert,  wie  sehr  manche  Dinge  vernachlassigt
  erscheinen“.

Der  Kaiserliche  Präsident  a.  D.  van  der  Borght  tritt  den  dargelegten  Gedanken
  „durchaus  bei  und  bin  überzeugt,  daß  eine  energische  Betätigung  unserer  nationalökonomischen
  Kräfte  auf  diesem  Gebiet  jedenfalle  eine  für  die  Nation  praktische  Arbeit
bedeuten  würde.  .  Ich  zweifle  nicht  daran,  daß  wir  den  Wirtschaftekrieg  auch  dann  erfolgreich
  bestehen  können,  wenn  er  noch  Jahre  bindurch  dauern  sollte,  allerdinge  unter  der  einen
Vorauosetzung,  daß  der  Bundeerat  in  seinen  Mahnahmen  weniger  Unbeständigkeit  zeigt
ale  bisher  und  daß  er  sie  nach  gründlicher  Klärung  der  Dinge  mit  den  Vertretern  des
praktischen  Lebens  und  der  Wissenschaft  von  vornherein  gleich  in  die  wirksamste  Form  kleidet“.

Otto  IJshlinger,  Dozent  am  Orientalischen  Seminar  der  Berliner  Unlversität
und  Handelsredakteur  am  „Berliner  Tageblatt“  hält  die  Unterredung  für  „sehr  beachtenewert.
  Ich  würde  mich  freuen,  wenn  Zbre  dieebezüglichen  Bemühungen  Erfolg  haben.
Der  jetzige  Krleg  hat  zur  Genüge  gezeigt,  wie  recht  Sie  mit  Ihren  Angaben  in  Ihren  bieherigen
  Publikatlonen  gehabt  haben.  Einer  unserer  führenden  Nationalskonomen  äußerte
sich  kürzlich  mir  gegenüber:  Die  jetzige  Art  der  wirtschaftlichen  Kriegführung  ist  schlimmer
als  das  laisser  faire.  .  ..  Die  Vorbereitung  eines  Wirtschaftekrieges  im  Frieden  kann
nicht  in  der  Weise  geführt  werden,  daß  man  irgendeinen  Geheimen  Kommerzienrat  zum
Ratgeber  der  Regierung  ernennt,  denn  mit  dieser  Art  von  Fachleuten  hat  die  Regierung
gerade  jetzt  während  des  Kriegee  sehr  schlechte  Erfahrungen  gemacht“.

Herr  Jöhlinger  fordert  in  seinen  weiteren  Aueführungen  füc  die  unmittelbare  Gegenwart
  Höchstpreise  für  Mehl,  die  Beschlagnahme  der  vorhandenen  Bestände  an  Reis  und
Hülsenfrüchten  und  besonders  unverzügliche  Regelung  der  Futterfrage.

Gehelmrat  Witting,  Borsitzender  des  Aufsichterats  der  Nationalbank,  kann  sich
mit  den  ausgesprochenen  Anregungen  „nur  einverstanden  erklären;  es  scheint  in  der  Organisation
  doch  überall  sehr  stark  gehaopert  zu  haben“.

Dr.  Most,  Beigeordneter  der  Stadt  Düsseldorf  und  Leiter  ihree  statistischen
  Amte,  betont:

„Die  Erfahrung,  die  ich  insbesondere  in  meiner  nebenamtlichen  Eigenschaft  ale
Geschäfteführer  des  ersten,  für  die  Mehloersorgung  eines  größeren  Bezirke  ins  Leben
getretenen  Zweckverbandes  In  den  beiden  letzten  Monaten  gemacht  habe,  bestimmen  mich,
dem  Grundgedanken  durchaue  beizustimmen.  Zch  bin  der  Ansicht,  daß  es  noch  heute  eine
schwere  Gefahr  für  das  Durchhalten  dee  Krieges  bedbeutet,  daß  die  Brot-  und  Mehlversorgung
  der  Bevölkerung  so  spät  in  die  Hand  genommen  ist  und  dabei  Fehler  begangen
worden  sind,  die  irreparabel  sind,  die  ober  bei  rechtzeltiger  Vorbereitung  wohl  bätten  ver-