176  Allgemeiner  Überblic.

mieden  werden  können.  Daß  in  der  vorgeschlagenen  Abteilung  auch  die  richtige  Stätte
wäre,  um  für  einen  nächsten  Krieg  die  noch  glattere  Überwindung  der  vielerlel  kommunalpolitischen
  Probleme  im  Kriegsfall  zu  ermöglichen,  ist  selbstverständlich“

Gebelmrat  Hugenberg,  Vorsitzender  des  Aufsichtsrats  der  Firmo  Krupp,
verkennt  die  Wichtigkeit  des  Gegenstandes  nicht,  möchte  aus  naheliegenden  Gründen  aber
davon  abstehen,  sich  während  dee  Krieges  an  Erörterungen  und  Bestrebungen  zu  betelligen,
die  auf  diesem  Gebiete  eine  Bessecung  herbeiführen  wollen.

Mündlich  haben  sich  mir  gegenüber  dee  weiteren  der  Leiter  dee  Zentralverbandes
Deutscher  Industrleller  und  des  Bundes  der  Industriellen  in  durchaus  zustimmendem
  Sinne  auegesprochen.

Von  den  großen  Wirtschaftsverbänden  äußerte  sich  nachträglich  noch  einer  der  beiden
Vorsitzenden  des  Bundes  der  Landwirte  wie  folgt:

„Indem  ich  wünsche,  daß  Ihre  Anregungen  einen  für  unsere  deutschen  Verhältnisse
erwünschten  Erfolg  bringen  mögen,  gebe  ich  mich  der  Hoffnung  hin,  daß  es  gellugt,  schon
jetzt  für  die  weiteren  Zeiten  des  Kriegee  solche  Einrichtungen  zu  treffen,  die  dringend
erwünscht  und  notwendig  sind.  Mancherlei  mit  der  Praxis  nicht  vereinbare  Bestimmungen
der  Behörde  und  des  Bundeerate  bestärken  den  dringenden  Wunsch,  daß  eine  Stelle  gegründet
  wird,  die  unabbhängig  und  einheitlich  die  notwendigen  Maßnahmen  prüfen  und
ihre  Durchführung  herbeiführen  kann.  Oie  in  den  Zuschriften  angebeuteten  Schwierigkeiten,
  die  ihre  Veranlassung  in  den  Gegenwirkungen  der  verschledenen  Ressorte  und  amtlichen
  Stellen  haben,  sind  höchst  unerwünscht  und  nachteilig  gewesen.  Sie  würden  es  auch
für  die  Zukunft  sein.  Ich  glaube  sehr  wohl,  daß  die  beste  Stelle,  an  die  eine  solche  Organisation,
  wle  sie  vorgeschlagen  und  notwendig  ist,  angegliedert  werden  kann,  der  Große
Generalstab  ist,  da  er,  losgelöst  von  den  amtlichen  Verwaltungestellen,  eine  unabhängige
Beurteilung  und  Arbeitemöglichkelt  verspricht  und,  ausgestattet  mit  den  notwendigen
Vollmachten,  eine  feste  und  bestimmte  Durchführung  zu  sichern  berufen  erscheint.“

Unter  Vorbehalt  weiteren  Eingehens  äußerte  sich  ferner  einer  der  Geschäfteführer
des  Krlegeausschusses  der  deutschen  Industrie  dahin,  „daß  ich  die  Einrichtung  einer  derartigen
  „Kriegswirtschaftlichen  Abtellung“  im  Großen  Generalstab  für  die  Schlagfertigkeit
  unserer  Wehrmacht  für  unbedingt  notwendig  erachte,  zumal  dae  Ergebnie  moderner
Kriege  immer  mehr  von  der  wilrtschaftlichen  Bereitschaft  eines  Lanbes  abhängen  wird.
Dem  Großen  Generalstab  bei  der  Einrichtung  dieser  Abtellung  für  Kriegewirtschaft  tatkräftig
  zur  Selte  zu  stehen  und  deren  Arbeiten  in  weitestgehendem  Maße  zu  unterstützen,
erachte  ich  für  die  Zukunft  ale  eine  der  wichtigsten  Aufgaben  der  großen  induftriellen  wirtschaftlichen
  Verbände  und  persönlich  werde  ich  für  dieses  Programm  stete  gern  in  den  mir
nahestehenden  Industriekreisen  eintreten.  Allerdinge  dürfte  es  eine  der  ersten  Voraussetzungen
  für  eine  erfolgresche  Lätigkelt  dieser  Abtellung  sein,  daß  sie  im  engsten  Zusammenhang
  mit  dem  Großen  Generalstab  arbeitet.  Denn  die  milltärischen  und  wirtschaftlichen
Krlegevorbereitungen  sind  und  dürfen  nicht  mehr  getrennt  werden;  das  lehrt  une  vor  allem
der  augenblickliche  Krieg“.  «

Die  Antwort  auf  die  Ubermittlung  der  kriegewirtschaftlichen  Anregungen
  ins  Große  Hauptquartier  von  seiten  der  zuständigen  Stelle
des  Großen  Generalstabes  lautete  am  2.  April  1915  leider  dahin:

„Zbre  Zuschriften  habe  ich  mit  Dank  erhalten.  Sie  enthalten  sehr  wertvolle  Anregungen,
  auf  die  jetzt  Folge  zu  geben  indessen  ganz  unmöglich  ist.  Wir  haben  jetzt
Krleg  zu  führen.“

Daß  zum  Kriegführen  auch  die  wirtschaftliche  Kriegführung  gehörte,
war  dem  Großen  Generalstab  also  wohl  immer  noch  nicht  hinlänglich