Das  Kriegeamt.  183

Schon  im  November  1914  aber  machten  sich  die  amerikanischen  Riesenlieferungen
  drückend  und  drohend  bemerkbar,  und  von  diesem  Zeitpunkt
an  wurde  der  Krieg  in  immer  stärkerem  Maße  zum  Materialkrieg.
Die  Engländer  ergriffen  im  Jahre  1915  die  Initiative  mit  der  Einsetzung
eines  Munitions-Ministeriums,  und  Frankreich  folgte  diesem  Beispiel.

In  Deutschland  wurde  man  der  Bedeutung  dieses  Vorgehens  zunächst
durchaue  nicht  gerecht.  Die  Sommeschlachten  des  Jahres  191n6  belehrten
uns  eines  Besseren.  Nichtsdestoweniger  wurde  das  Sostem  der  Munitions--belieferung
  in  Deutschland  erst  geändert,  als  Hindenburg  und  Ludendorff
nicht  nur  die  volle  militärische  Leitung  in  die  Hand  genommen  hatten,
sondern  auch  den  kriegewirtschaftlichen  Fragen  ihre  große  Energie
widmeten.

Im  Zahre  l915/16,  dem  ersten  Tätigkeitsjahre  des  englischen
Munitions-Ministeriums,  war  die  Herstellung  von  Munition  in  England
vervielfacht.  Für  mittlere  Artillerie  beispielsweise  stieg  sic  im  Laufe
jenes  Jahres  auf  das  7½  fache.  Anfang  Zuli  1916  war  sie  sogar  34  mal
so  groß  wie  Ende  Juni  1915.  Der  Bericht  des  britischen  Munitions--Ministeriums
  vom  Zuli  1916  besagte,  daß  zu  jener  Zeit  in  einem  Monat
beinahe  zweimal  so  viel  schwere  Geschütze  für  die  Armee  bergestellt  würden,
wie  zu  der  Zeit  vorhanden  waren,  als  jene  Behörde  gegründet  wurde.
Vor  dem  Kriege  bestanden  in  England  drei  staatliche  Waffen-  und
Munitionsfabriken,  die  für  das  Heer  arbeiteten,  nach  einjähriger  Tätigkeit
des  Munitions-Ministeriums  95.  Sie  alle  waren  bestellt,  gezeichnet,  gebaut
und  in  Betrieb  gesetzt  binnen  zwölf  Monaten.

Dieses  Vorgehen  in  England,  das  entsprechende  in  Frankreich  und  die
Unterstützung  der  Westmächte  durch  die  unabsehbare  Munitionsbelieferung
seitene  der  Vereinigten  Staaten  von  Amerika  hatten  uns  kriegstechnisch
an  der  Westfront  weit  ins  Hintertreffen  gebracht.  Unter  diesen  Umständen
konnte  das  Hindenburg-Programm  der  verrvielfachten  deutschen
Heereobelieferung  mit  Munitions-  und  technischem  Material,  dessen
Durchführung  in  erster  Linie  dem  „Wumba“  (Waffen-  und  Munitions--beschaffungsamt)
  des  Kriegsamtes  oblag,  nur  durchgeführt  werden
unter  Zuhilfenahme  des  Vaterländischen  Hilfodienstes.  Das  Gesetz
über  seine  Einführung  wurde  im  Entwurf  dem  Reichstag  am  22.  November
  1916  vorgelegt.  Auf  das  Gesetz  im  einzelnen  wird  späterhin
einzugehen  sein  in  dem  Abschnitt  über  Arbeitsmarkt  und  Sozialpolitik.
Seine  Begründung  mag  aber  schon  hier  in  diesem  Zusammenhang  eine
Stelle  finden:

„Mit  unerbörter  Zählgkeit  und  beispiellosem  Kräfteeinsatz  wird  der  Krieg  von
unseren  Gegnern  weitergeführt  zu  dem  immer  wieder  verkündeten  Zwecke,  die  staatlichen
und  wirtschaftlichen  Lebeno?-  und  Entwlcklungebedingungen  des  deutschen  Volkes  zu  ver-