Der  Schleichhandel.  187

und  doch  darf  er  zur  Erklärung  dessen,  was  uns  betroffen,  nicht  unausgesprochen
  bleiben:  der  Vergleich  zwischen  dem  deutschen  Etappenleben
in  Belgien  und  Hannibals  Winterquartieren  in  Capua.

Es  ist  kein  Zweifel,  daß  das  jahrelange  Wohlleben  der  Etappe  in
Belgien  dem  Geist  des  Heeres  viel  Schaden  zugefügt  hat.  Auch  die  eiserne
Energie  eines  Ludendorff  vermochte  hier  nicht  durchzugreifen.  Die
Gegensätze  zwischen  Offizieren  und  Mannschaften,  die  in  und  nach  der
Revolution  sich  in  so  mancherlei  häßlichen  Erscheinungen  gezeigt  haben,
stammen  nicht  von  der  Front,  sie  stammen  vorwiegend  aus  der  belgischen,
vielleicht  auch  aus  der  rumänischen  und  polnischen  Etappec.  Hier  sah
der  Soldat  das  Genußleben  des  Offiziers,  hier  ging  die  Fühlung  zwischen
dem  Offizierkorps  und  dem  Geist  der  Mannschaften  verloren.  Hier  drang
der  Geist  heimatlichen  Kriegsgewinnlertums  tief  in  alle  Schichten  hinein.
Hier  wurde  gehandelt,  geschoben  und  geschlemmt,  gejeut  und  in  unglaublicher
  Arglosigkeit  holden  Belgierinnen  ausgeplaudert,  was  ängstlich  als
militärisches  Geheimnis  zu  hüten  gewesen  wäre.  Es  wird  noch  einmal  die
Zeit  kommen,  in  der  wir  staunend  und  schaudernd  erfahren,  wie  zersetzend
  und  demoralisierend  der  Schiebergeist  des  Kriegsgewinnlertums
an  den  verschiedensten  Stellen  gewirkt  hat,  an  denen  man  es  bisher  für
völlig  unmöglich  gehalten  hätte.  —

Eine  Periode  relativer  kriegewirtschaftlicher  Erleichterung
trat  ein  mit  dem  Eroberungszug  in  Rumänien  und  setzte  sich  fort  mit
der  Herbeiführung  der  einzelnen  Friedensschlüsse  im  Osten  zu  Brest-Litowsk
  und  Bukarest.  Der  Siegeszug  durch  Rumänien  gab  uns  in  erster
Linie  die  Möglichkeit,  unsere  U-Boote  und  Flugzeuge  wieder  besser  mit
Betriebestoff  zu  versehen.  Er  stellte  ferner  die  Berpflegung  eines  großen
Teiles  unseres  Ostheeres  von  fremdem  Boden  sicher,  und  er  gab  darüber
hinaus  verfügbare  Überschüsse  an  landwirtschaftlichen  Erzeugnissen,  die
zwar  nur  zum  kleineren  Teil  Deutschland  selbst  zugute  kamen,  aber  durch
die  größere  Beanteiligung  Osterreich-Ungarns  doch  wenigstens  den  schon
stark  gefährdeten  Zusammenhalt  mit  diesem  Bundesgenossen  noch  einigermaßen
  sicherstellten.  Der  Friede  mit  der  Ukraine  wurde  wegen  der  darin
vorgesehenen  Belieferung  mit  ukrainischem  Getreide  von  österreichischer
Seite  aus  sogar  ausdrücklich  als  „Brotfriede“  bezeichnet  und  als  solcher
mit  etwas  überschwenglichen  Erwartungen  gefeiert.

Auf  der  anderen  Seite  war  unsere  Kriegswirtschaft  mit  wachsender
Dauer  des  Krieges  in  zunehmendem  Maße  belastet  durch  Materiallieferungen
  für  unsere  Verbündeten.  Selbst  bei  dem  Tiefstand,
den  unsere  Volksernährung  im  Winter  1916/17  erreichte,  als  wir  großen--teile
  auf  Kohlrüben  als  Ersatz  für  Brotgetreide  und  Kartoffeln  angewiesen
  waren,  zeigten  die  Blätter  der  österreichischen  Hauptstadt  wöchent-