188  Allgemeiner  Uberblick.

lich  zweimaligen  Verkauf  deutscher  Kohlrüben  an.  Auf  industriellem
Gebiet  war  die  österreichische  Eisen-  und  Stahlindustrie  nur  durchzuhalten
  gewesen  mit  Hilfe  starker  Belieferung  durch  deutsches  Roh--eisen.


In  den  letzten  fünf  Monaten  des  Jahres  1914  hatten  wir  an  Roheisen
nach  Osterreich  nur  6800  t  ausgeführt,  im  Zahre  1915  20600  t,  im  Zahre
1916  dagegen  bereits  100  000  t  Robeisen,  ferner  75  000  t  Kernschrot  und
6000  t  Gußbruch,  im  Jahre  1917  167  500  t  Roheisen,  58  000  t  Kernschrot
  und  213  000  t  Gußbruch,  vom  Januar  bis  Juli  1918  92  000  t
Roheisen,  4000  t  Kernschrot  und  23.000  t  Gußbruch.

Was  unsere  Kriegehilfe  für  die  Türkei  anbetrifft,  so  hatten  wir  dieser
bis  zum  Eintritt  Rumäniens  in  den  Krieg  über  die  Donau  90  000  Getreide
  geliefert.  Nach  dem  Siege  über  Rumänien  entnahm  die  Türkei
den  Beständen  dieses  Landes  154  000  t  Getreide  und  Hülsenfrüchte.
Deutschland  selbst  bezog  aus  der  Türkei  während  des  Krieges  insgesamt
nur  etliche  tausend  Tonnen,  lieferte  ihr  aber  im  Zeitraum  von  2¾  Zahren
gegen  100  000  Waggons  Kohle,  Betriebsstoffe  und  Heeresgerät,  letzteree
im  Werte  von  etwa  600  Millionen  Mark.

Heutschland  und  ÖOsterreich--Ungarn  zusammen  erhielten  aus  Bulgarien
  in  drei  Kriegejahren  nur  für  knapp  42  Millionen  Leva  Nahrungeund
  Futtermittel.  Dagegen  wurde  Bulgarien  mit  100  000  t  an  den
Erträgnissen  der  rumänischen  Ernte  beteiligt.  An  Bekleidung  und  Heeresgerät
  lieferten  wir  Bulgarien  für  mehr  als  1  Milliarde  Leva.  Die  nötigen
Rohstoffe  an  Wolle,  Häuten,  Kupfer  usw.  wurden  von  Bulgarien  aus
nur  in  ganz  geringem  Umfange  gestellt.

Kriegewirtschaftlich  war  Deutschland  im  Vierbund  weitaus  überwiegend
  der  gebende  Teil.  Es  hatte  bei  seiner  eigenen  kriegewirtschaftlichen
  Beengung  selbst  an  Nahrungemitteln  Zuschuß  zu  leisten  für  Verbündete,
  die  normalerweise  weniger  bedürftig  oder  sogar  Ausfuhrländer
für  Agrarprodukte  waren.  Auerüstung  und  Bewaffnung  der  schwächeren
Verbündeten  im  Südosten  fielen  großenteils  zu  Lasten  der  deutschen  Kriegeindustrie
  und  Kriegerohstoffe.  Den  Hank  dafür  erntete  Deutschland,
speziell  in  Bulgarien,  durch  die  im  Volke  immer  weiter  um  sich  greifende
Verdächtigung,  daß  die  bulgarischen  Ernäh  schwierigkeiten  massenhafter
  Ausfuhr  nach  Deutschland  zuzuschreiben  seien.  Anderseito  erreichten
  die  für  die  bulgarische  Front  bestimmten  Auerüstungegegenstände
deutscher  Herkunft  infolge  schlechter  Organisation  und  Unredlichkeit  nur
zum  Teil  wirklich  ihr  Ziel,  so  daß  hier  ein  irrigerweise  auf  mangelnde
Erfüllung  deutscherseite  übernommener  Verpflichtungen  zurückgeführter
Mißmut  entstand,  der  zur  schließlichen  Auflösung  dieser  Front  in  nicht
geringem  Grade  beigetragen  hat.