Arbeltsmarkt  und  Sozlalpolltik.  189

So  wurde  der  Zusammenbruch  des  Vierbundes  schließlich
weniger  begünstigt  durch  die  sich  für  die  deutsche  Kriegswirtschaft  ergebende
  Unmöglichkeit,  bei  eigener  schwerster  Einengung  fortgesetzt  den
Bundeegenossen  zu  Hilfe  zu  kommen,  als  durch  die  trotz  allen  deutschen
Beistandes  unzulängliche  kriegewirtschaftliche  Organisation  bei  eben
diesen  Berbündeten.

Arbeitsmarkt  und  Sozialpolitik.

„Die  Vorsorge  für  die  zweckmäßige  Verteilung  der  Arbeitskräfte
im  Kriegefalle  ist  nicht  nur  von  entscheidender  Bedeutung  für  die  Nahrungsmittel-Bersorgung
  von  Heer  und  Zivilbevölkerung  während  des  Feldzuges,
  sondern  für  den  ganzen  Fortgang  der  Volkswirtschaft  überhaupt.
Aber  auch  die  bestmögliche  Fortsetzung  der  wirtschaftlichen  Produktion
ist  ja  selbstverständlich  keineswegs  etwa  nur  Selbstzweck,  sondern  vielmehr
Nittel  zu  dem  Zweck,  den  bestmöglichen  Unterhalt  der  Produzenten  und
des  Volköganzen  nach  Kräften  zu  gewährleisten.  Mit  der  Bereitstellung
der  unentbehrlichen  Nahrungemittel  und  Hineinführung  der  notwendigen
Ersatzkräfte  in  die  landwirtschaftlichen  Betriebe  ist  es  nicht  getan;  auch
jene  ganzen  großen  Wolketeile,  die  keine  Unterkunft  in  der  Landwirtschaft
finden,  müssen  in  der  Lage  bleiben,  sich  versorgen  zu  können,  und  zwar
so  weit,  wie  es  sich  irgend  herbeiführen  läßt,  aus  eigener  Kraft,  durch
produktive  Berwendung  ihrer  Arbeitsfähigkeit,  ohne  dem  ohnehin  durch
den  Krieg  so  stark  beanspruchten  Reiche-  und  Staatesäckel  zur  Last  zu  fallen.

Stebt  auch  an  erster  Stelle  die  Aufgabe,  nach  der  Mobilmachung
der  Landwirtschaft  das  notwendige,  übrigens  je  nach  der  Jahreszeit  ja
sehr  stark  schwankende  Maß  von  Arbeitskräften  zuzuführen,  so  wird  doch
auch  innerhalb  der  Industrie  in  großem  Umfang  ein  Wechsel  in  der  Verteilung
  der  verbleibenden  Arbeitskräfte  geboten  sein.  Hier  setzt  eine  gewaltige
  Arbeit  ein  für  die  gemeinnützigen  Arbeitenachweise,  deren  planmäßiger
  Ausbau  schon  für  die  dauernden  Zwecke  der  wirtschaftlichen
und  sozialen  Entwicklung  in  Friedenszeiten  höchst  erstrebenswert  ist,
nach  der  Mobilmachung  aber  eine  noch  größere  Tragweite  erlangen  kann.
Wir  würden  uns  auf  diesem  so  ungemein  wichtigen  Gebiet  einem  Zdealzustand
  nähern,  wenn  der  Mobilmachung  des  Heeres  eine  Art  Mobil--machung
  der  allüberall  verzweigten  Arbeitenachweise  dergestalt  nebenher
ginge,  daß  nach  wohlvorbereiteten  Plänen  sowohl  der  Landwirtschaft
wie  den  Industriezweigen  die  unentbehrlichen  Hände  alsbald  zugeführt
werden  könnten.

Vergessen  wir  eben  nicht,  daß  es  industrielle  Betriebe  gibt,  deren
nicht  nur  unvermindertes,  sondern  sogar  noch  gesteigertes  Fortarbeiten