Die  Arbeitslosigkeit.  193

der  infolge  des  Kriegee  arbeitslos  gewordenen  Personen  eingriff,  während
das  Reichsamt  des  Innern  eine  Reiche-Arbeitezentrale  einrichtete.

Zu  der  Hauptsache  blieben  die  Aufgaben  der  Arbeitevermittlung  den
bestehenden  Landesorganisationen,  zu  deren  verschiedenen  Arbeitegebieten
aber  ein  vermehrter  und  verbesserter  Ausgleich  durch  das  ganze  Land
angebahnt  wurde.

Während  der  Dauer  dee  Krieges  haben  wir  sehr  verschiedene  Stadien
der  Entwicklung  auf  dem  Arbeitemarkt  zu  beobachten,  deren  Wechsel
fortdauernd  eine  rege  Beweglichkeit  der  Arbeitevermittelungen  und
immer  wieder  neue  Richtlinien  für  die  Umgruppierung  der  Arbeiterheere
forderte:

Daeerste  Stadium  war  —  wie  bei  den  unumgänglichen  Stockungen
des  Wirtschaftelebenes  in  der  Mobilmachungezeit  zu  erwarten  —  das
weit  um  sich  greifender  Arbeitslosigkeit.  Dann  aber  setzte  in  den
Kriegeindustrien  ein  gewaltiger  Arbciterbedarf  ein,  der  sich  um  so  stärker
steigerte,  alo  der  Berbrauch  an  Kriegematerial,  zumal  an  Artilleriemunition,
  weit  hinausging  über  alle  früheren  Berechnungen  und  Schätzungen.
  Die  französische  Artillerie  tricb  von  Anbeginn  eine  ungeheuerliche
Munitioneverschwendung.  Wollte  man  sich  deutscherseite  zunächst  auch
nicht  verleiten  lassen,  dieses  Beispiel  nachzuahmen,  so  überstieg  in  den
Kämpfen  an  Fronten  von  nie  dagewesener  Auedehnung  der  Munitionsbedarf
  doch  immerhin  schon  während  der  ersten  Monate  ganz  außerordentlich
  die  gehegten  Erwartungen.  Als  Frankreich  selbst  durchaus
nicht  mehr  in  der  Lage  war,  in  brauchbarer  Qualität  Munitionsersatz
für  seinen  so  verschwenderischen  Verbrauch  zu  schaffen  und  der  Prozentsatz
der  Blindgänger  von  Tag  zu  Tag  zusehends  stieg,  setzten  plötzlich  die
amerikanischen  Lieferungen  in  nur  zu  guter  Qualität  und  allzu  reichlicher
Quantität  ein,  so  daß  an  eine  Entlastung  des  deutschen  Nachschubes
nicht  zu  denken  war.  Dadurch  nahm  die  Munitionsfabrikation  in
Deutschland  einen  Umfang  an,  der  auf  den  Arbeitsmarkt  außerordentlich
stark  einwirkte.

Auch  die  sonstigen  Kriegeindustrien  beschäftigten  so  viele  Arbeiter,
daß  die  Sorgen  wegen  Arbeitslosigkeit  völlig  versiummten  und  sich  im
Gegenteil  ein  Mangel  an  männlichen  Arbeitekräften  fühlbar  machte,  der
mit  fortschreitender  Einberufung  des  Landsturmes  zu  den  Waffen  stieg
und  auf  dem  Arbeitemarkt  eine  für  die  Arbeiter  so  günstige  Konjunktur
eintreten  ließ,  wic  sie  in  Friedenszeiten  niemals  dagewesen  ist.  Dann
wieder  drohte  —  allerdinge  erst  nach  einer  Kriegszeit  von  reichlich  neun
Aonaten  —,  auf  verschiedenen  Au-rüstungegebieten  infolge  Zurückhaltung
  der  Heeresleitung  ein  Überangebot.  Insbesondere  fanden  die
Aufträge  der  Heeresverwaltung  für  die  Bekleidungeindustrie  vorüber--Dix,

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