194  Arbeltsmarkt  und  Sozlalpolltik.

gebend  eine  wesentliche  Einschränkung,  so  daß  der  Arbeitomarkt  sich  teilweise
  normaleren  Zuständen  näherte,  teilweise  auch  wieder  zunehmende
Arbeitslosigkeit  erscheinen  ließ.

Während  man  auf  feindlicher  Seite  die  Rüstungen  auf  allen  Gebieten
unausgesetzt  mit  äußerster  Kraft  steigerte,  glaubte  man  deutscherselts
während  der  Ara  Falkenhayn  zu  verschiedenen  Zeitpunkten  mit  einem
baldigen  Abschluß  des  Kriegcs  rechnen  zu  können  und  bezüglich  der  weiteren
Bestellung  von  Heereslieferungen  fiskalischen  Sparsamkeitsbedenken
Rechnung  tragen  zu  dürfen.  So  kam  es  zeitweilig  dazu,  daß  sowohl  die
Aufträge  für  die  Munitionsindustrie  ins  Stocken  gerieten,  wie  namentlich
auch  die  Kriege-Bekleidungeindustrie  ihren  Beschäftigungegrad  einschränken
mußte.  Auf  solche  kurzen  Perioden  eines  durch  nichts  begründeten  Optimiemus
  folgte  aber  binnen  kurzem  wieder  die  Erkenntnis  der  Notwendigkeit
  wesentlich  gesteigerter  Rüstungearbeit.

In  den  verschiedenen  Stadien  war  naturgemäß  eine  sehr  verschiedene
Regelung  der  Mobilisierung  des  Arbeltsmarktes  notwendig.  Oie  erste
Sorge  war  neben  auereichender  Heranschaffung  der  für  die  Landwirtschaft
und  die  Kriegeindustrie  erforderlichen  Arbeiter  doch  zugleich  ein  umfassender
  Kampf  gegen  die  Arbeitelosigkeit.  Es  galt  nach  Kräften  zu  verhüten,
  daß  es  Arbeitslose  gäbe,  einmal  weil  in  dem  ungeheuren  Völkerringen
  alle  Mittel  notwendig  waren  für  das  Ourchhalten  des  unter  günstigen
Zeichen  begonnenen  Krieges  und  es  daher  dringend  erwünscht  scheinen
mußte,  die  Kassen  des  Staates,  der  Gemeinden  und  der  Privatorg
von  Arbeit  t  gen  zu  entlasten,  wo  nur  immer  Arbeits
losigkeit  verhütet  werden  konnte.  Auch  aus  sozialen  und  etdbischen
Gründen  mußte  der  Kampf  gegen  die  Arbeitelosigkeit  ausgenommen
werden.

Als  gut  gemeinte,  aber  falsche  Maßregel  wurde  es  demnach  erkannt,
wenn  in  der  ersten  Kriegszeit  freiwillige  Hilfskräfte  sich  unentgeltlich
in  großer  Zahl  zu  Arbeitsleistungen  zur  Verfügung  stellten,  wodurch  Bedürftigen
  das  Brot  genommen  zu  werden  drohte.  Ebenso  auch,  wenn  einzelne
Stadt-  oder  Staatsverwaltungen  aus  GEründen  der  Sparsamkeit  die
öffentlichen  Arbeiten  ruhen  ließen.  Besonders  weit  ging  in  dieser  Beziehung
  zu  Beginn  des  Krieges  ein  allgemeiner  „Sparerlaß“"  der  königlich
baperischen  Staateregierung,  der  im  Interesse  der  Staats-  und  Gemeinde--finanzen
  die  öffentlichen  Arbeiten  auf  das  durchaus  unerläßliche  Maß
zurückgeführt  sehen  wollte.  Sehr  schnell  reifte  die  Einsicht,  daß  diese  vermeintliche
  Sparsamkeit  nur  zu  einer  schweren  Belastung  der  öffentlichen
Kassen  mit  Arbeitelos  terstützung  führen  und  das  wirtschaftliche  Leben
empfindlich  schädigen  müsse.  Demgemäß  wurde  der  umgekehrte  Weg
eingeschlagen,  indem  die  staatlichen  und  kommunalen  Behörden  sich  an-