Die  Bekämpfung  der  Arbeitelosigkeit.  195

gelegen  sein  ließen,  den  Arbeitemarkt  durch  energische,  beschleunigte
Fortführung  der  öffentlichen  Arbeiten  zu  entlasten  und  der  Industrie
womöglich  in  vermehrtem  Umfange  Aufträge  zuzuführen.

Oie  bierdurch  erzielten  Wirkungen  auf  die  Belebung  der  Volkswirtschaft
  waren  durchaus  günstig.  Es  kam  hinzu,  daß  der  erste  schnelle  Siegeslauf
  unserer  Westheere  die  ganze  Volksstimmung  aufs  beste  beeinflußte
und  die  gewaltigen  Schläge  der  Ostarmee,  die  das  von  Russen  überflutete
und  zerstörte  Ostpreußen  wieder  befreiten,  in  dieser  Richtung  weiter
belebend  wirkten,  so  daß  mit  der  militärisch-politischen  Zuversicht  auch
eine  starke  und  feste  wirtschaftliche  Zuversicht  durch  Deutschland  zog  und
auf  Produktion  und  Absatz  die  günstigsten  Wirkungen  ausübte.

Noch  ein  weiterer  Faktor  war  in  dieser  Richtung  von  weittragender
  Bedeutung:  Das  deutsche  Volk  brachte  bei  Auflegung  der  Kriegeanleiben
  steigende  Milliardenbeträge  auf,  die  immer  wieder  frisch  in  die
Kriegeindustrie  hineinrollten,  durch  die  Hände  der  Soldatenfamilien
flossen  und  ständig  befruchtend  in  die  deutsche  Volkswirtschaft  zurückkehrten.
  Abgeseben  von  verhältniemäßig  geringen  Mengen  an  NRohstoffen,
deren  Zufuhr  uns  ja  mehr  und  mehr  abgeschnitten  wurde,  bezogen  wir
für  Kriegezwecke  keine  Lieferungen  aus  dem  Auslande,  behielten  also
die  ganzen  Milliarden  im  eigenen  Lande  und  setzten  sie  zum  wesentlichen
Teil  beständig  in  Arbeitelöhne  um.

Zeitlich  erstreckte  sich  die  erste  Periode,  die  der  weitverbrelteten
Arbeitslosigkeit,  knapp  über  das  erste  Vierteljahr  des  Krieges.  Unter  den
Anstrengungen,  die  gemacht  wurden,  um  der  A#rbeitslosigkeit  zu  begegnen,
sei  ein  Rundschreiben  erwähnt,  das  der  Kriegsaueschuß  der  deutschen
Zndustrie  unterm  25.  August  1914  an  die  deutschen  Industriellen  versandte,
  um  sie  zu  möglichst  weitgehendem  Ausgleich  im  Beschäftigungsgrade
  der  einzelnen  Zndustrien  aufzufordern.  Er  bezeichnete  es  darin
als  „besonders  dringendes  Bedürfnis,  daß  in  den  einzelnen  Industriezweigen
  ein  Ausgleich  im  Beschäftigungsgrade  in  der  Weise  geschaffen
wird,  daß  von  den  durch  Staatelieferungen  über  das  normale  Maß  hinaus
in  Anspruch  genommenen  Betrieben,  soweit  dies  irgendwie  technisch
möglich  ist,  an  weniger  beschäftigte  Werke  Aufträge  von  Teillieferungen
oder  Zubehör-  oder  vorgearbeiteten  Teilen  überwiesen  werden.  Ein
solches  Verfahren  ist  einerseits  dazu  angetan,  die  zuverlässige  Einhaltung
der  vereinbarten  Lieferfristen  zu  sichern,  und  beugt  anderseite  der  Stilllegung
  zahlreicher  Betriebe  vor,  mit  der  infolge  der  wachsenden  Beschäftigungelojigkeit
  sonst  gerechnet  werden  müßte.  Die  Aufrechterbaltung
der  Betriebe  in  möglichst  großem  Umfange  ist  aber  gegenwärtig  eine  der
allerdringendsten  Forderungen,  um  die  Entlassung  größerer  Arbeiter--massen
  zu  verhüten.

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