196  Arbeitsmartt  und  Sozlalpolitit.

„Zur  Erfüllung  dieser  Aufgabe  ist,  sowelt  nicht  bereito  vorhanden,  dle  Schaffung
geeigneter  Organisationen,  welche  die  gemeinsamen  Interessen  der  Werke  eines  seden
Industriezweiges  vertreten,  erforderlich.  Ihre  Aufgabe  wäre  es,  bel  der  Ubernahme  von
Lieferungen  für  dle  Bebörden  ale  Zentralstelle  zu  wirken,  durch  die  die  Welterverteilung
der  Aufträge  an  dle  einzelnen  Werke  nach  Maßgabe  der  Leistungsfähigkelt  stattfindet.
Eine  solche  Organisation  kommt  auch  den  Wünschen  der  Behörden  entgegen.  Ihnen  ist
es  schon  mit  Rücksicht  auf  den  Umfang  der  Mehrarbest  nahezu  unmögllch,  bel  etwalgen
Vergebungen  einer  größeren  Anzahl  von  Firmen  Tellaufträge  zu  sichern.  Sle  würden
es  beshalb  vorziehen,  die  elinschlägigen  Fragen  mit  lokalen  und  allgemeinen  Fachorganisationen
  zu  bearbelten.

„Der  Keiegsausschuß  der  deutschen  Industrie  vermag  diese  Aufgabe  nur  mit  Hilfe
der  bestehenden  Fachverbände  zu  lösen,  in  deren  Hand  es  llegen  wücde,  solche  lokalen
Organisatlonen  zu  schaoffen,  welche  auf  eine  rationelle  DVertellung  der  Aufträge  hinzuwirken
  vermögen.  In  dieser  Hinsicht  ist  die  Tabakindustrie  durch  Gründung  einer  „Heutschen
  Zentrale  für  Lieferungen  von  Tabakfabrlkaten“  mit  nachahmenswertem  Beisplel
vorangegangen.  Sämtliche  Vergebungen  der  AMllitärverwaltungen  von  Tabakfabrlkaten
finden  durch  sie  statt.“

Zn  der  umfangreichen  öffentlichen  Erörterung  über  die  Fragen
wirksamer  Verhütung  der  Arbeitelosigkeit  wurde  u.  a.  Ersatz  der  bieher
beschäftigten  Ausländer  durch  deutsche  Arbeitekräfte  gefordert,  ferner
beschleunigte  Inangriffnahme  aller  Arbeiten  im  Bereich  der  Staatebahnverwaltung,
  für  die  spruchreife  Pläne  vorlagen,  Kanalbauten  und
Wegebauten  aller  Art.  Für  Berlin  und  die  Mark  Brandenburg  erließen
Anfang  September  1914  der  Verband  märkischer  Arbeitenachweise,  die
Berliner  Handelskammer,  die  Altesten  der  Kaufmannschaft,  die  Vereinigung
  der  deutschen  Arbeitgeberverbände,  der  Zentralverband  deutscher
Industrieller,  der  Verband  der  Baugeschäfte,  der  Verband  Berllner  Metall--industrieller,
  der  Verband  der  deutschen  Gewerkvereine,  die  Berliner
Gewerkschoftskommission,  die  christlichen  und  katholischen  Arbeitervereine
und  die  städtischen  Arbeitenachweise  einen  gemeinsamen  Aufruf.  Oiese
sämtlichen  Korporationen  und  Berbände  beschlossen  einmütig  die
Empfehlung  folgender  Maßnahmen  zur  Milderung  der  Arbeitelosigkeit:

„1.  Sowelt  irgend  möglich,  soll  die  Arbeiteschicht  in  zwel  Teile  zerlegt  werden,
damit  die  doppelte  Anzahl  von  Arbeitern  beschäftigt  werden  kann.  Auch  deschränkter
Verdlenst  schützt  vor  der  dringendsten  Not.  Überstunden  dürfen  nur  dann  verlangt  werden,
wenn  aus  technischen  Gründen  eine  Teilung  der  Schlcht  unmöglich  ist.  Die  Arbeitgeber
werden  dringendst  gebeten,  die  etwaigen  Unbequemllchkeilten,  welche  mit  einer  Tellung
der  Schlcht  verbunden  sind,  auf  sich  zu  nehmen,  well  nur  durch  dlese  Mahnahme  elne  erhebliche
  Bermehrung  der  Arbeitsgelegenheit  geschaffen  werden  kann.  Hlerdurch  wird  glelchzeitig
  die  Gesundheit  der  Arbeiter  geschont  und  ihre  Leistungefählgkelt  gehoben.

2.  Alle  Arbeitgeber  werden  dringendst  gebeten,  dle  bel  ihnen  beschäftigten  Arbeltekräfte
  sämtlich  moglichst  lange  weiter  zu  beschäftigen,  wenn  auch  bel  beschränkter  Arbeitezelt
  und  geringerem  Arbeitsderdienst.  Arbeitekrafte  find  nur  im  zußersten  Notfall  zu
entlassen.

Z.  Alle  Behoͤrden,  öffentliche  Körperschaften  und  sonstige  Verbände,  wie  Privatpersonen
  werden  dringendst  gebeten,  die  bereite  geplanten  Bauten  und  sonstigen  Arbeiten,