198  Arbeltomarkt  und  Sozlalpolitik.

mußte  une  auf  diese  Weise  die  Arbeitekräfte  liefern  für  neue,  wertvolle
Kaulturarbeiten.

Über  die  Förderung  der  staatlichen  Bautätigkeit  zur  Schaffung
weiterer  Arbeitsgelegenheit  gab  der  preußische  Eisenbahnminister  auf
eine  vom  Berein  zur  Wahrung  der  gemeinsamen  wirtschaftlichen  Interessen
  in  Rheinland  und  Westfalen  an  den  Reichskanzler  gerichtete
Eingabe  vom  2.  September  1914  die  Auskunft,  daß  die  ihm  unterstellten
  Behörden  bereits  Anweisung  erhalten  hätten,  die  Bautätigkeit
nach  Möglichkeit  zu  fördern  und  zur  Linderung  des  Arbeitebedürfnissee
der  Industrie  und  des  Gewerbes  zu  verstärken.  Dementsprechend  wurden
angefangene  Bauten  überall  da,  wo  es  sich  ermöglichen  ließ,  weitergeführt
und  auch  neue  Bauausführungen  in  Angriff  genommen.  „Ich  habe  auch
Anweisung  gegeben,  daß  alle  für  den  Betrieb  und  den  Bau  erforderlichen
Materialbeschaffungen  schleunigst  vorgenommen  werden.  Insbesondere
sind  die  Bestellungen  an  Oberbau-  und  Werkstättenmaterial  in  vollem
Gange,  und  auch  der  Bedarf  an  Lokomotiven  und  Eisenbahnwagen  aller
Art  wird  jetzt  schon  in  der  Absicht,  der  beteiligten  Industrie  dauernde
Arbeit  zu  sichern,  zu  einem  Teil  für  das  Jahr  1915  in  Bestellung  gegeben.
Ich  habe  endlich  angeordnet,  daß  eine  pünktliche  Zahlbarmachung  aller
für  Lieferungen  und  Leistungen  fälligen  Forderungen  erfolgt  und  daß
weitgehende  Erleichterungen  den  Werken  im  Lief
gewährt  werden.“

Noch  Anfang  November  1914  erging  von  seiten  des  Reichskanzlers
selbst  an  den  Vorsitzenden  der  Gesellschaft  für  soziale  Reform,  Staateminister
  Freiherrn  von  Berlepsch,  auf  eine  Eingabe  wegen  Bekämpfung
der  Arbeitslosigkeit  eine  Antwort,  in  der  in  erster  Linie  auf  die  Fürsorge
der  Gemeinden  verwiesen  wurde,  denen  die  Bundesstaaten,  soweilt  die
Geldbeschaffung  Schwierigkeiten  mache,  mit  ihrem  Kredit  beispringen
sollten.

Zu  jener  Zeit  aber  hatte  sich  das  Bild  auf  dem  Arbeitemarkt  bereits
ganz  wesentlich  verändert:  Stark  zunehmender  Beschäftigungsgrad
  führte  durch  die  Lage  des  Arbeitomarktee  nach  den  statistischen
Ausweisen  ale  gut  normal  erscheinende  Zeit  hindurch  in  die  zweite  Periode:
die  Periode  dee  Mangels  an  männlichen  Arbeitekräften.

Übrigens  darf  nicht  unerwähnt  bleiben,  daß  bereits  von  Anbeginn
gegen  einen  gewissen  Mangel  an  Kräften  in  IZndustrie  und  Landwirtschaft
anzukämpfen  war,  nämlich  gegen  den  Mangel  an  Betriebsleitern,  Werkfübrern
  und  Personen  auf  ähnlichen  Posten.  Bereits  bei  der  Gründung
dee  Kriegeausschusses  der  deutschen  Industrie,  die  am  8.  August  1914  erfolgte,
  wurde  auf  die  Notwendigkeit  hingewiesen,  für  die  in  industriellen
Werken  an  leitenden  Stellen  stehenden  Persönlichkeiten  Befreiung  vom

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