Die  Darlehnskassen.  217

gegeben  zu  werden,  sondern  konnten  auch  in  den  Lagerspeichern  von
Speditionsfirmen  gegen  Bescheinigung  verbleiben.

War  den  Oarlehnskass  ltungen  in  der  ersten  Zeit  ihrer  Tätigkeit
im  praktischen  Wirtschaftsleben  auch  verschiedentlich  bürokratische  Engherzigkeit
  nachgesagt  worden,  so  wird  man  ihnen  im  großen  und  ganzen
doch  das  Zeugnie  ausstellen,  daß  sie  Fehler  dieser  Art  zu  vermeiden  bestrebt
waren  und  für  die  Sicherung  der  deutschen  Volkewirtschaft  namentlich
während  der  ersten  Kriegszeit  sehr  Ersprießliches  geleistet  haben.

Nach  und  nach  wurde  dase  deutsche  Wirtschaftsleben  dann  gerade  durch
die  Kriegebedürfnisse  in  so  ungeahntem  Maße  belebt,  daß  die  Darlehneskassen
  nicht  zu  einem  solchen  Umfang  ihrer  Tätigkeit  zu  kommen  brauchten,
wie  man  wohl  ursprünglich  erwartet  haben  mochte.

Oas  letzte  volle  Geschäftejahr,  über  das  die  Darlehnskassenverwaltung
Bericht  erstattet  hat,  war  das  Zahr  1917.  Die  Gesamtumsätze  der  Darlehnskassen
  waren  in  jenem  Jahr  auf  68½/8  Milliarden  Mark  gestiegen  und
beliefen  sich  seit  der  Eröffnung  der  Darlehnskassen  auf  129  NMilliarden.

Am  Abschluß  des  Jahres  war  ein  Darlehnebestand  von  7,7  Milliarden
zu  verzeichnen.  Hiervon  entfielen  7,6  Milliarden  auf  Wertpapiere  und
Schuldbuchforderungen  und  nur  ein  Rest  von  89  Millionen  auf  Waren.
Dies  erklärt  sich  ja  zum  Teil  gewiß  daraus,  daß  die  Lager  der  beleihungefähigen
  Rohstoffe  mit  der  Dauer  des  Krieges  immer  mehr  erschöpft
worden  waren;  immerhin  aber  zeigt  sich  doch,  daß  die  Darlehen  für  die
Warenbeleihung  im  allgemeinen  viel  weniger  in  Anspruch  genommen
zu  werden  brauchten,  als  bei  ihrer  Vorbereitung  wohl  angenommen
worden  war.  Dagegen  hatten  sie  große  Dienste  zu  leisten  durch  die  Bereitstellung
  von  Darlehnskassenscheinen  für  Deckung  des  starken  Bedarfs
an  Umlaufemitteln  durch  entsprechende  Entlastung  der  Reichsbank  und
durch  Erleichterung  des  Zeichnens  von  Kriegsanleihen.  Auch  in  dieser
letzteren  Beziehung  wurden  sie  mit  fortschreitender  Kriegsdauer  verhältniemäßig
  immer  weniger  in  Anspruch  genommen.  Dank  der  günstigen
Gestaltung  des  Wirtschaftslebens  konnten  die  Zeichner  von  Kriegsanleihen
die  zum  Zwecke  der  Bezahlung  bei  den  Darlehnskassen  ausgenommenen
Darlehen  in  kurzer  Frist  zurückzahlen.  Sehr  stark  in  Anspruch  genommen
wurden  die  Darlehnskassen  durch  die  Regierungen  und  ihre  Banken,
sowie  durch  die  verschiedenen  Kommunalverbände.

Neben  den  staatlichen  Darlehnskassen  wurden  aue  privater  Initiative
Krieges-Kreditbanken  geschaffen,  deren  Aufgabe  insbesondere  die
Stillung  des  Kreditbedürfnisses  im  Mittelstande  war.

Die  Ausgabe  der  Darlehnskassenscheine  bedeutete  nicht  die  einzige
Anderung  im  deutschen  Geldwesen,  die  der  Krieg  mit  sich  brachte.  In
dieser  Beziehung  standen  neben  dem  Darlehnekassengesetz  die  gleichfalle,