Das  Notgeld.  219

münzen  dem  Verkehr  zuführte,  trat  zuerst  in  den  unmittelbar  vom  Feinde
bedrohten  Landesteilen,  den  östlichen  Grenzprovinzen  und  in  Elsaß--Lothringen,
  dann  in  den  Industriegebieten  eine  solche  Knappheit  an  kleinen
Zahlungemitteln  ein,  daß  Gemeinden  und  große  Betriebe  sich  zur  Auegabe
  eigener  Geldzeichen  gezwungen  sahen.

Diese  Notgeldauegabe  der  ersten  Kriegszeit  erfolgte,  wie  aus  den
den  meisten  Scheinen  aufgedruckten  Daten  hervorgeht,  zum  weitaus
größten  Teil  in  der  ersten  Hälfte  des  August  und  auch  vereinzelt  noch
Ende  August  und  in  den  ersten  Septembertagen  1914.  Nach  den  noch
nicht  völlig  abgeschlossenen  Erhebungen  haben  damale  341  Ausgabestellen
ungefähr  11  Millionen  Mark  an  Notgeld  in  Umlauf  gesetzt.  Im  wesentlichen
  erstreckte  sich  die  Ausgabe  auf  Abschnitte  von  20  Mark  bie
zu  50  Pfennig  herunter;  der  Wert  an  25-Pfeunig-,  20-Pfennig-,  10-Pfennigund
  5—-Pfennig-Scheinen  belief  sich  insgesamt  auf  den  geringen  Betrag
von  etwa  22  400  Mark.  Ausgabestellen  waren  in  erster  Linie  Stadt-  und
Landgemeinden,  dann  einige  Kreise,  Spar-  und  Vorschußvereine  und
eine  größere  Anzahl  Privatbetriebe,  meist  industrielle  Werke,  Hütten,
auch  einige  Gutsverwaltungen,  die  das  Notgeld  zu  Lohnzahlungen,
Kriegsunterstützungen  und  als  Wechselgeld  bei  Lebenemittelverkäufen
brauchten.  Infolge  der  bei  der  Dringlichkeit  des  Zahlungemittelbedarfe
erforderlichen  raschen  Herstellung  zeigen  diese  Geldzeichen  eine  ziemlich
mangelhafte  Ausführung  und  ein  äußerst  buntes  Bild.  Mit  der  Zurückziehung
  diesee  ersten  Notgeldes  aue  dem  Verkehr  konnte  bereits  Anfang
September  1914  begonnen  werden,  als  die  Darlehnskassenscheine  zu
2  und  1  Mark  zur  Ausgabe  gelangten.  Bie  auf  einen  geringfügigen  Umlauf
  in  dem  in  der  Kriegezone  gelegenen  Ober-Elsaß  kam  bereits  Anfang
des  Jahres  1915  das  in  den  Verkehr  gesetzte  Notgeld  fast  ganz  zur  Rückzahlung.


Ein  gewisser  Mangel  an  kleinen  Zablungemitteln  machte  sich  jedoch
auch  weiterhin  bemerkbar,  besonders  seit  Ende  des  Jahres  1916,  und  hat
bie  zum  Kriegsauegang  keine  völlige  Abstellung  erfahren.

Zn  der  Epoche  der  deutschen  Kriegswirtschaft,  in  der  sich  einerseits
die  Abgeschlossenheit  Deutschlande  vom  ausländischen  Rohstoffmarkt
immer  drückender  fühlbar  machte,  anderseite  das  Heer  bedeutend  gesteigerte
Munitionebelieferung  verlangte,  ergab  sich  die  Notwendigkeit,  nicht  nur
das  Gold  aus  dem  Berkehr  zu  ziehen,  sondern  nunmehr  auch  das  übrige
Metallgeld,  soweit  sein  Rohstoff  für  die  Zwecke  der  Munitionsherstellung
und  sonstigen  Kriegsindustrie  dringend  erforderlich  war.  Die  Nickelmünzen
wurden  aus  dem  Verkehr  gezogen  und  durch  Eisen-,  Zink-  und  Aluminium--münzen
  ersetzt.  Trot  der  großen  staatlichen  Ausprägungen  von  Kleingeld
  —  ½  Mark-Stücke  sind  vom  1.  Januar  1915  bie  31.  Juli  1918  für