220  Finanzwirtschaft.

45  403000  Mark,  10-Pfennig-Stücke  aus  Eisen  und  Zink  für  41996000  Mark,
5-Pfennig-Stücke  aue  Eisen  für  24  993  000  Mark  geprägt  worden  —  konnte
an  einzelnen  Orten  die  große  Nachfrage  nach  Kleingeldzeichen  nicht  voll
befriedigt  werden,  so  daß  es  sich  als  unumgänglich  erwies,  erneut  Notgeld
in  den  Verkehr  zu  setzen.  Oie  hauptsächlichste  Ursache  der  zweiten  Kleingeldkrisis
  war  in  der  Erweiterung  des  Umlaufgebietes  deutschen  Geldes
zu  erblicken.  Das  von  den  deutschen  Truppen  besetzte  Gebiet  überstieg
bei  weitem  den  Flächeninhalt  des  Deutschen  Reiches.  Dazu  kam,  daß
infolge  der  Beschlagnahme  von  Nickel  und  Kupfer  in  steigendem  Maße
Münzen  zu  gewerblichen  Zwecken  verarbeitet  wurden,  und  daß  dem
Umlauf  beträchtliche  Mengen  von  Kleingeld  durch  die  weitverbreitete
Sammelwut  von  Kriegemünzen,  sowie  durch  das  eine  Anstauung  von
kleinen  Münzen  begünstigende  Büchsensammeln  entzogen  wurden.  Da
dieses  Mal  sich  auch  ein  Mangel  in  Gegenden  zeigte,  die  im  Zahre  1914
ohne  Notgeld  ausgekommen  waren,  vermehrten  sich  die  Ausgabestellen
auf  weit  über  1000.

Erklärte  sich  die  zweite  Periode  der  Knappheit  an  Umlaufemitteln
in  der  großen  Erweiterung  des  deutschen  Wirtschaftsbereiches,  so  setzte
eine  dritte  Periode  ein,  als  diesem  eine  Einengung  zu  drohen  begann.
In  den  ersten  Oktobertagen  1918  machte  sich  urplötzlich  wieder  eine  große
Notenknappheit  bemerkbar,  die  diesmal  auf  NRotenhamsterei  zurückgeführt
  wurde.  Uber  die  wirklichen  Gründe  dieser  letzteren  schwieg  man
sich  in  der  Offentlichkeit  aus.  Das  plötzliche  Notensammeln  hatte  nämlich
seinen  Ausgang  aus  den  linkerheinischen  Gebieten.  Die  militärische  und
politische  Lage  hatte  sich  zu  jener  Zeit  dermaßen  verändert,  daß  mit  einer
alebaldigen  Aufgabe  Belgiens  gerechnet  werden  mußte.  Oiese  aber  drohte
das  linkerheinische  Deutschland  zum  Kriegegebiet  zu  machen,  und  tatsächlich
batten  die  linkeorheinischen  Banken  mit  der  Räumung  begonnen.  Als
von  der  dortigen  Bevölkerung  die  Lage  erkannt  wurde  —  gegen  deren
Erkenntnis  man  sich  im  übrigen  Deutschland  noch  lebhaft  sträubte  —,
setzte  in  Anbetracht  der  Wegführung  der  Bankbestände  eine  sehr  erklärliche
  Notenhamsterei  ein,  die  auf  das  übrige  deutsche  Publikum  ansteckend
wirkte,  gerade  weil  es  die  eigentlichen  Zusammenhänge  nicht  kannte.
Man  legte  der  Reichesbank  zur  Last,  daß  sie  dem  ständig  steigenden  Bedarf
an  Noten  nicht  durch  genügende  Notenauegabe  Rechnung  getragen  habe.
Tatsächlich  war  die  Reichsbank  nunmehr  gezwungen,  in  fieberhafter
Eile  Tag  und  Nacht  zu  arbeiten  und  erstmale  auch  Privatdruckereien  die
Herstellung  von  Noten  zu  übertragen.  Der  Mangel  an  Umlaufemitteln
war  so  drückend,  daß  die  am  2.  Januar  lolg  fälligen  Kriegeanleihe-Kupons
  im  Oktober  1918  ale  gesetzliches  Zahlungemittel  erklärt  werden
mußten.  In  welchem  Grade  der  Notenumlauf  sich  gesteigert  hat,  mag