222  Finanzwirtschaft.

wöchentliche  Zustrom  an  Gold  bisher  noch  nichts  wenlger  als  abgenommen  hat,  dürfen
wir  die  Hoffnung  hegen,  daß  diese  Stärkung  sich  auch  noch  weiter  fortsetzen  wird.  —  Die
Inanspruchnahme  der  Reichsbank  durch  den[Verkehrauf  Wechsel-  und  Lombardkonto  ist
nicht  böher  und,  wenn  man  die  privaten  Gelder  davon  abrechnet,  sogar  niedriger,  als
wir  sie  in  manchem  der  letzten  zehn  Jahre  gesehen  haben.  Oiese  ganze  Gestaltung  der
Verhältnisse  läßt,  zumal  die  Börse  geschlossen  ist,  erwarten,  daß  auch  die  Ansprüche  zum
Ultimo  sich  innerhalb  erträglicher  Grenzen  halten  werden.  Wir  glauben  deehalb,  trotz  des
ungewöhnlichen  Zeitpunktes,  der  deutschen  Wirtschaftsarbeit  nunmehr  eine  Erleichterung
und  eine  weitere  Hilfe  für  die  Uberwindung  der  aus  dem  Kriege  erwachsenen  Schwierlgkeiten
  bleten  zu  dürfen,  vertrauen  aber,  da  die  Dauer  des  Krieges  nicht  zu  übersehen
und  eine  besonnene  und  zielbewußte  Schonung  und  Zusammenhaltung  unserer  Kräfte
vielleicht  noch  lange  nötig  sein  wird,  auch  darauf,  daß  diese  Maßnahme  nur  in  diesem
Sinne  verstanden  und  nicht  zum  Anlaß  werden  wird,  irgendwie  eine  spekulative  Ausnützung
  der  Mittel  und  des  Kredits  der  Reichsbank  zu  versuchen.  Für  Geschäfte  und  Bestrebungen,
  die  nicht  der  wirtschaftlichen  Arbeit  dee  deutschen  Bolkes  und  dem  Ziel  dienen,
alle  Kraft  für  die  rückhaltlose  Durchführung  des  Krieges  zusammenzufassen,  ist  heute  und
noch  für  lange  Zeit  kein  Raum,  und  ihnen  würde  die  Relchsbank  sich  unwelgerlich  versagen
und  mit  allen  Kräften  entgegentreten.  Aus  diesen  Erwägungen  heraus  hat  das  Reichebankdirektorium
  beschlossen,  den  Banksatz  um  1%  auf  5%  herabzusetzen.“

Im  Jahre  1916  erreichte  der  Gesamtumsatz  der  Reichsbank
erstmals  die  gewaltige  Höhe  von  einer  Billion  Mark.  Im  Jahre  1915
hatte  er  sich  auf  972,5  Milliarden  belaufen.  Im  Zahre  1916  waren  es
1257  Milliarden,  1917  wurde  die  Ziffer  sogar  noch  um  772  Milliarden
Mark  überschritten  und  damit  die  zweite  Billion  erreicht.  Der  Notenumlauf
  war  Ende  1917  auf  11½/  Milliarden  gestiegen,  wozu  sich  noch
ein  Umlauf  von  Darlehnskassenscheinen  in  Höhe  von  6¼  Milliarden
gesellte.  Der  Gesamtgewinn  der  Reichsbank  stieg  im  Jahre  1917  auf  die
noch  nie  dagewesene  Höbe  von  364,5  Millionen  Mark,  wovon  130  Millionen
unmittelbar  als  Abgabe  für  entgangene  Notensteuer  an  das  Reich  flossen.
Der  Reingewinn  wurde  auf  97,5  Millionen  Mark  beziffert,  wovon  das
Reich  als  Anteil  52,8  Millionen  und  als  Kriegsabgabe  44,1  Millionen,
insgesamt  also  206,9  Millionen  bezog.

Außerordentlich  günstig  beeinflußt  wurde  der  Stand  der  Reichs--bank
  naturgemäß  durch  die  alle  Erwartungen  weit  binter  sich  zurücklassenden
  glänzenden  Ergebnisse  der  Kriegsanleihen.

Die  erste  Kriegsanleihe  wurde  zur  Zeichnung  in  den  Tagen  bis  zum
19.  September  1914  aufgelegt.  Es  wurden  Schatzanweisungen  in  Höhe
von  einer  Milliarde  zum  Zinofuß  von  5%  und  Auslosung  bis  zum  1.  Oktober
  1920  aufgelegt,  sowie  eine  5  %  ige  deutsche  Reichsanleihe  zum
Zeichnungspreise  von  97,  30  in  unbegrenzter  Höhe.  Das  Zeichnungsergebnis
geben  wir  weiter  unten  im  Zusammenhang  mit  den  späteren  Anleihen.

Bei  späteren  Anleihen  wurde  zu  einem  neuen  Typ  —  41%  ige
Schatzanweisungen  —  übergegangen,  deren  Reiz  in  der  Auslosung  zu
einem  Kurse  über  pari,  und  zwar  zu  110  bis  120  innerhalb  bestimmter