Die  Feldzeichnungen.  225

Von  Anleihe  zu  Anleihe  entwickelte  sich  das  Einzahlungsgeschäft
günstiger.  Von  den  insgesamt  gezeichneten  Beträgen  waren  jeweils
an  dem  auf  den  ersten  Pflichtzahlungstermin  folgenden  Ausweistage  der
Reichsbank  dem  Nennwert  nach  bezahlt:

bei  der  1.  Anleihe  2  568,0  Millionen  Mark  oder  57,3%

.  2.  6088,0  ..  ....66,8"-»
,Z  8732,5  ..  ....7I,8«-q
»4  8270,5  ..  ....76,8"-»
»5  8422,7  ..  .,.78,7"--6

  10429,5  »  ....79,5«-p

,,.7...10470,o  ..  ....84,0"-»

8.  12  710,0  86,1%

Durch  die  Feldzeichnungen  erhöhte  sich  der  Gesamtertrag  der  achten
Kriegsanleihe  auf  über  15  Milliarden.

Blicken  wir  von  dem  100  Milliarden-Betrag  der  neun  deutschen
Kriegsanleihen  zurück  auf  die  früheren  Schätzungen  des  finanziellen  Kriegsbedarfs,
  so  können  wir  nicht  genug  staunen  über  den  Unterschied  zwischen
dem  Maße  tatsächlich  bewiesener  Leistungsfähigkeit  der  deutschen  Kriegewirtschaft
  und  den  vorausberechneten  Möglichkeiten.  In  seiner  Schrift
„Finanzielle  Kriegebereitschaft  und  Kriegführung“,  die  für  die  finanzielle
Mobilmachung  wertvolle  Fingerzeige  gegeben,  errechnete  Dr.  Nießer
im  Jahre  1909  an  eigentlichen  Kriegskosten  einen  Jahresbedarf  von  rund
61/,  Milliarden!  Er  meinte,  daß  etwa  ein  Drittel  der  Kriegskosten  durch
Steuern  aufgebracht  werden  könne,  zwei  DOrittel  aber  gedeckt  werden
müßten  durch  Znanspruchnahme  des  Staateskredits.  Die  Bedürfnisse
der  ersten  sechs  Kriegswochen  mit  rund  2½  Milliarden  sollten  nach  ihm
durch  Banknoten  gedeckt  werden.  Für  das  ganze  erste  Kriegsjahr  bielt  er
bei  teilweiser  Deckung  der  Kriegskosten  durch  Steuern  2½  Milliarden
als  Kriegsanleihe  für  ausreichend.  Schon  die  erste  deutsche  Kriegeanleihe
hat  diesen  Betrag  wesentlich  überstiegen,  und  die  tatsächlichen  Kriegekosten
  beliefen  sich  auf  Summen,  denen  gegenüber  Rießers  Voranschlag
unendlich  winzig  erschien.

Die  Gesamtkosten  des  Weltkrieges  bis  zum  Ende  des  vierten
Kriegejahres  wurden  von  neutraler  Seite,  und  zwar  im  Monatebericht
dee  Schweizer  Bankvereins  für  August  1918,  auf  850  bis  900  Milliarden
Francs  veranschlagt.  Dieser  Betrag  verteilte  sich  auf  die  einzelnen  Kriegsjahre
  ungefähr  in  der  Weise,  daß  auf  1914  50  Milliarden,  1915  130,
1916  190  und  1917  300  Milliarden  Francs  entfielen.

Zu  ähnlichen  Ergebnissen  kam  eine  um  dieselbe  Zeit  in  deutschen
Blättern  veröffentlichte  Schätzung,  die  mit  650  bis  700  Milliarden  Mark
gesamter  Weltkriegskosten  bis  Ende  Juli  1918  rechnete,  wovon  weniger
ale  ein  Drittel  auf  die  Mittelmächte  entfiel.

Dir.  Witscheftskrieg  und  Kmegswlrtschaft.  15