238  Finanzwirtschaft.

zember  auf  3%  berabgehen  und  zahlten  seit  dem  1.  Januar  1915  nur
noch  2  %.

Dic  weiterhin  noch  zu  besprechende  Schließung  der  Börse  schon
vor  Kriegebeginn  machte  das  Privatkapital  in  einer  besonders  für  die
spätere  Unterbringung  der  Kriegsanleihen  erwünschten  Weise  frei  von
spekulativer  Neuanlage  und  dem  Erwerb  neu  in  den  Börsenverkehr  eingefübrter
  Aktienpapiere.

Mit  lebhaftem  Eifer  wurde  nunmehr  durch  Aufklärungearbeit  dahin
gewirkt,  daß  die  freien  Gelder  nach  Möglichkeit  den  Sparkassen  zuflössen,
  anstatt  ihnen  in  kopfloser  Kriegspanik  entzogen  zu  werden.  Tatsächlich
  hatten  wir  früher  bei  drohender  Kriegögefahr  wiederholentlich
einen  Ansturm  auf  die  öffentlichen  Sparkassen  erlebt,  bei  denen  das  Geld
ja  doch  in  weitestgehender  Sicherheit  liegt.  Bald  nach  Kriegsausbruch
aber  hatte  das  Publikum  sich  belehren  lassen,  daß  die  Anlage  bei  den
Sparkassen  eine  durchaus  sichere  sei,  und  die  Folge  war  gerade  während
des  Krieges  ein  bedeutender  Aufschwung  des  deutschen  Sparkassenwesens-Der

  die  Monatesstatistik  des  deutschen  Sparkassenverbandes  bearbeitende
Landesbankrat  Reusch  konnte  über  den  Stand  der  deutschen  Sparkassen
im  Januar  1915  folgenden  bemerkenswerten  Bericht  erstatten:

„Eine  solche  Zunahme,  wic  im  verflossenen  Januar,  haben  die  Sparkassen  noch
niemols  erlebt.  Bei  den  an  der  Statistik  beteiligten  Sparkassen,  die  mit  ihren  6,1  Milllarden
Mark  fast  ein  Drittel  des  gesamten  deutschen  Spareinlagenbeftandes  vertreten,  haben
die  Einzahlungen  die  Rückzahlungen  um  131  Mlllionen  Mark  überstiegen,  gegen  nur
59  Millionen  Mark  im  gleichen  Monat  des  Vorjahres!  Dieemal  sind  es  die  großen  Sparkassen,
  die  die  größte  Zunahme  aufzuweisen  haben  (2,47%  des  Einlagenbestandes).  Die
mittleren  hatten  1,86%  ,  die  kleinen  1,68%.  Da  wir  davon  auegehen  können,  daß  die  großen
Sparkassen  4,2,  dic  mittleren  8,3,  die  kleinen  11,4  Milliarden  Mark  an  Spareinlagen  besitzen,
  so  können  wir  den  gesamten  Zuwachs  der  deutschen  Sparkassen  im  Januar  1913
auf  390  Millionen  Mark  berechnen.  Die  durchschnittliche  Einzahlung  betrug  diesmal
236  Mark  gegen  195  Mark  im  Januar  1914.  Dies  deutet  ulcht  ohne  weiteres  auf  eine
verhältniomäßig  stärkere  Zahl  höherer  Einzahlungsbeträge  hin,  denn  es  ist  bierbel  zu  berücksichtigen,
  daß  der  höhere  Onurchschnitt  vorzugsweise  dadurch  erzielt  worden  ist,  daß  die
Zahl  der  kleinen  Posten  (bie  90  Mark)  auf  vier  für  je  100  Sparkassenbücher  zurückgcgangen
ist,  während  diese  Zahl  im  Januar  1914  noch  seche  betragen  hatte.  Aus  diesem  Umstande
und  besondere  auch  aus  der  Tatsache,  daß  die  Erhöhung  des  Durchschnittsbetrages  der
Einzahlung  überhaupt  nur-eine  mäßige  war,  können  wir  schließen,  daß  im  allgemeinen
die  den  Sparkassen  im  Januar  zugeströmten  Riesensummen  aus  denselben  Kreisen  stammen,
aus  denen  die  Spareinlagen  in  Friedenszeiten  zu  stammen  pflegen.  Überhaupt  ist  zu
beachten,  daß  die  Einzahlungen  sich  gegenüber  denen  im  Januar  1914  gar  nicht  erböht
bhaben.  Dle  Riesenzunahme  rührt  nur  davon  her,  daß  die  Rückzahlungen  abgenommen
haben.  Auf  je  100  Mark  Einzahlungen  entfielen  an  Rückzahlungen:  im  Januar  diesee
Jahres  32  Mark,  des  Vorjahres  81  Mark  und  im  Januar  1913  82  Mark.“

Außerordentlich  bemerkenswert  ist  auch  der  Aufschluß,  den  die  Sparkassenstatistik
  über  die  Kapitalbewegung  in  Deutschland  während  des
Krieges  gibt.