Die  Besteuerung  der  Kriegsgewinne.

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Die  unzulängliche  steuerliche  Heranziehung  der  Kriegsgewinne,  die
starke  Ausdehnung  der  schwebenden  Schuld  und  die  Politik  der  Deckung
des  Kriegsbedarfs  aus  der  eigenen  Industrie  um  jeden  Preis  führte
zu  einer  Uberschwemmung  mit  Zahlungsmitteln,  die  notwendigerweise
eine  verhängnisvolle  Entwertung  des  Geldes  mit  sich  bringen
mußte.  Während  des  Krieges  wurde  öffentlich  stete  der  Standpunkt
vertreten,  daß  es  von  wesentlichem  Vorteil  für  Deutschland  sei,  wenn
bei  allen  Kriegaeausgaben  „das  Geld  im  Lande“  bliebe.  Man  machte
dabei  aus  der  Not  eine  Tugend.  Ob  diese  vielgepriesene  Geld-im-Lande-Politik
  tatsächlich  nur  reine  Vorteile  für  uns  bot,  muß  aber  jetzt,  wo  über
diese  Dinge  offen  gesprochen  werden  kann,  füglich  bezweifelt  werden.
Die  Frage  ist  einer  wissenschaftlichen  Prüfung  unterzogen  worden  durch
ein  Preisausschreiben  der  rechte-  und  staatswissenschaftlichen  Fakultät  der
Breslauer  Universität  für  die  beste  Bearbeitung  des  Themas:  „Wahree
und  Falsches  in  der  zur  Zeit  häufig  gebrauchten  Redewendung:  das  Geld
bleibt  im  Lande.“  Die  preiegekrönte  Arbeit,  die  den  Bonner  Nationalökonomen
  Heinrich  Dietzel  zum  Verfasser  hat,  sieht  in  jener  Redewendung
„viel  Zrrtum  und  ein  Fünkchen  Wahrheit“.  Wir  befanden  uns  in  einer
Zwangslage,  in  der  das  Geld  im  Lande  bleiben  mußte,  weil  England
uns  die  Aus-  und  Einfuhr  sperrte.  Von  der  Zufuhr  fremder  Kriegematerialien
  abgesperrt,  mußten  wir  das  gesamte  Kriegesmaterial  im  eigenen
Lande  erzeugen  und  mußten  zu  diesem  Zweck  alle  produktive  Arbeit  aufs
dußerste  beschränken.  Unter  Umständen  wäre  cs  sehr  viel  wirtschaftlicher
gewesen,  die  Produktion  unserer  Industrie  teilweise  für  den  Ausfuhrbedarf
  aufrechtzuerhalten,  mindestens  auch  weiter  auf  rationelle  Betriebsweise
  im  Bergbau  bedacht  zu  sein  und  Kriegsmaterial  zu  billigeren  Preisen,
als  wir  es  selbst  während  des  Krieges  herzustellen  vermochten,  aus  dem
Auslande  heranzuziehen.

Bei  restloser  Wirksamkeit  der  englischen  Blockade  war  für  uns  dieser
Weg  natürlich  nicht  mehr  gangbar;  wohl  aber  hätte  gleich  zu  Beginn  des
Krieges  versucht  werden  können,  ihn  zu  beschreiten,  wodurch  wir  das
damals  noch  neutrale  Amerika  an  der  Offenhaltung  des  deutschen  Marktes
zu  interessieren  vermocht  hätten.  Insbesondere  ließ  die  Geld-im-Lande-Politik
  außer  Acht,  daß  durch  die  Begebung  von  Kriegsanleihen  im  Auslande
  der  Gläubigerstaat  zu  zarten  Rücksichten  nicht  nur  wirtschaftlicher,
sondern  auch  politischer  Art  auf  den  Schuldnerstaat  veranlaßt  werden
kann.  Ob  es  in  großem  Maße  möglich  gewesen  wäre,  auf  diesem  Wege
namentlich  die  Bereinigten  Staaten  von  Nordamerika  von  Anbeginn  zu
einer  ernsthafteren  Neutralität  zu  bringen,  muß  allerdings  zweifelhaft
erscheinen,  da  Anzeichen  genug  vorliegen,  daß  Präsident  Wilson  schon
bei  Kriegeausbruch  an  die  Entente  gebunden  war.  Diesee  Band  aber  ist

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