244  Landwirtschaft  und  Volksernährung.

zweifellos  im  weiteren  Verlauf  noch  wesentlich  befestigt  worden  dadurch,
daß  die  Entente  mit  ungeheuren  Bestellungen  an  die  amerikanische  Kriegsindustrie
  herantrat  und  mit  vielen  Milliarden  Amerikas  Schuldner  wurde,
was  dem  Gläubiger  die  oben  angedeuteten  politischen  Rücksichten  nahelegte
  —  Gesichtspunkte,  denen  die  deutsche  Politik  für  ihr  Teil  von  Anbeginn
  wohl  zu  wenig  Rechnung  getragen  hat.  Weder  die  selbstgenügsame
Finanzpolitik  im  allgemeinen,  noch  die  Politik  der  Finanzierung  des  Krieges
durch  Kriegeanleihen  und  schwebende  Schulden  hat  Deutschland  letzten
Endes  zum  Vorteil  gereicht.

Landwirtschaft  und  Volksernährung.

Den  Fragen  der  Volksernährung  im  Kriegsfalle  hat  es  an  Behandlung
in  der  natio  nalökono  mischen  Literatur  wohl  zu  keiner  Zeit  gefehlt;  insbesondere
  in  solchen  Ländern,  die  in  Friedenszeiten  zur  Ernährung  ihrer
Bevölkerung  landwirtschaftliche  Erzeugnisse  in  größerem  Umfange  einzuführen
  pflegten.  Nachdem  England  seine  Landwirtschaft  unbedenklich
geopfert,  war  es  in  der  englischen  Literatur  ein  stets  wiederkehrendes
Thema:  Wie  sichern  wir  unsere  Ernährung  im  Kriegsfall?  Oie  ernstesten
Befürchtungen  wegen  einer  angesichts  der  knappen  Getreidebestände  im
Lande  nach  wenigen  Kriegswochen  ausbrechenden  Hungerenot  machten
sich  geltend,  und  der  gewaltige  maritime  Rüstungeeifer  Englands  diente
nicht  an  letzter  Stelle  dem  Bestreben,  unter  allen  Umständen  die  Weizeneinfuhr
  nach  dem  Inselreich  sicherzustellen.

Erst  kurze  Zeit  vor  tatsächlichem  Ausbruch  des  Weltkrieges  hatte  der
als  Spezialist  auf  anderen  literarischen  Gebieten  sehr  bekannte  englische
Schriftsteller  Conan  Ooyle  einen  warnenden  Zukunftkriege-Roman  veröffentlicht,
  in  dem  er  das  drohende  Bild  eines  U-Boot-Krieges  gegen
England  mit  der  Wirkung  enormer  Steigerung  der  englischen  Weizenpreise
  zeichnete  und  die  große  britische  Seemacht  wegen  der  Hungersnot
im  Lande  vor  einer  ungleich  kleineren  Seemacht  kapitulieren  ließ.

Das  in  England  schon  seit  langen  Zeiten  so  geläufige  Thema  gewann
auch  für  Deutschland  zusehende  an  Bedeutung,  je  mehr  mit  stark  wachsendem
  deutschen  Volkstum  dieses  Land  aus  einem  Ausfuhrland  landwirtschaftlicher
  Erzeugnisse  zu  einem  Einfuhrland  von  Agrarprodukten  wurde.
In  Flammenschrift  standen  über  den  deutschen  Erörterungen  des  Ernährungöproblems
  im  Kriegsfalle  die  Außerungen  des  alten  Moltke:
„In  dem  Augenblick,  wo  für  den  Kriegsfall  die  deutsche  Landwirtschaft
nicht  mehr  in  der  Lage  wäre,  Heer  und  Volk  unabhängig  vom  Auslande
zu  ernähren,  —  in  dem  Augenblick  hätten  wir  jeden  Feldzug  schon  verloren,
  bevor  noch  der  erste  Kanonenschuß  gefallen  wäre.“