248  Landwirtschaft  und  Volkeernährung.

„Wenn  der  Gegner  oder  eine  große  Dereinigung  von  SGegnern  darauf  ausgeht,
die  deutsche  Bolkswirtschaft  lahmzulegen,  uns  wirtschaftlich  auszuhungern,  so  würde  dleses
Ziel  theoretisch  auf  zweierlei  Weise  erreichbar  sein;  einmal  wäre  das  Aushungern  im  wörtlichen
  Sinne  zu  verstehen  —  unter  der  Voraussetzung  nämlich,  daß  das  Abschneiden  der
Naprungemittelzufuhr  une  in  Hungerenot  versetzt;  dann  im  übertragenen  Sinne  —  insofern
als  das  Abschneiden  der  Rohstoffzufuhr  und  Fabrikateausfuhr  unsere  Volkewirtschaft  über
den  Haufen  stoßen  und  eine  unerträgliche  Arbeitelosigkeit  verursachen  könnte.

Ziffernmäßig  erscheint  in  der  Einfuhrstatistik  unsere  Nahrungemitteleinfuhr  allerdinge
so  groß,  dah  ihr  Aufhören  eine  ernste,  unsere  Fähigkeit  zum  Kriegführen  rasch  erschöpfende
Zungerenot  wahrscheinlich  werden  läßt;  aber  wer  auch  vom  Auslande  die  Ziffern  näher
prüft,  wird  doch  zu  dem  Schlusse  kommen  müssen,  daß  eine  Spekulation  auf  die  Aushungerung
  Deutschlande  im  wörtlichen  Sinne  auf  Sand  baut.  Geht  es  hart  auf  hart,
dann  wird  unsere  heimische  Produktion  für  den  Bedarf  an  Nahrungemitteln  auereichen.
Was  wir  darüber  binaus  gegenwärtig  vom  Auslande  beziehen,  ist  zum  ganz  wesentlichen
Teil,  genau  betrachtet,  Luxuskonsum.  '

Geben  wir  doch  einfach  die  Zablen  der  Konsumstatistik  durch,  so  werden  wir  im  Laufe
des  letzten  Menschenaltere  eine  Konsumsteigerung  finden,  die  in  ernsten  Zeiten  vorübergehend
  zweifellos  wieder  rückgängig  gemacht  werden  kann,  ohne  daß  wir  deehalb  tatsächlich
  Not  leiden:  Stockt  die  Weizeneinfuhr,  so  können  wir  nach  alter  Gewohnbeit  vom
Weißbrot  mehr  auf  das  Schwarzbrot  zurückgehen,  vom  Brot  überhaupt  auf  die  Kartoffel.
Und  das  in  bezug  auf  die  Kartoffelproduktion  auf  der  ganzen  Welt  an  erster  Stelle  stehende
Land  wird  denn  doch  wohl  nicht  so  leicht  auszuhungern  sein.  Selbstverständlich  müßte
die  Spiritueproduktion  aufs  äußerste  eingeschränkt  werden;  dann  aber  ist  es  für  unseren
Kartoffelbau  eine  Kleinigkeit,  den  Ausfoll  an  Weizeneinfuhr  zu  decken.  —  Den  Fleischbedarf
  decken  wir  ganz  überwiegend  durch  die  inländische  Produktion,  was  allerdings  bei
länger  währendem  Kriege  durch  den  Mangel  an  Futtermitteleinfuhr  erschwert  werden
würde;  aber  gerade  bezüglich  des  Fleischkonsume  gilt  doch  ganz  besondere  die  Tatsache,
daß  wir  im  Vergleich  mit  noch  gar  nicht  lange  zurückllegenden  Zeiten  hier  eine  Konsumsteigerung
  zu  verzeichnen  haben,  die  im  Kriegefalle  durchaus  unter  dem  Gesichtopunkte
des  entbehrlichen  Luxuskonsums  betrachtet  werden  kann.

In  der  Statistik  der  Nahrungemltteleinfuhr  finden  sich  weiter  Hunderte  von  Millionen
für  allerlel  entbehrliche  Genußmittel,  wie  feine  Gemüse,  Kakao,  Tec,  Obst,  Wein,  Tabak,
Gewürze  usw.  Kurzum:  Die  hohen  statistischen  Ziffern  dürfen  das  Aueland  nicht  darüber
täuschen,  daß  wir  im  Ernstfalle  sehr  wohl  in  der  Lage  sind,  auf  die  Hauptteile  der
Nahrungemitteleinfuhr  zu  verzichten  und  une  von  der  eigenen  Produktion  unseres  Bodens
zu  nähren.“

Freilich  standen  neben  diesen  Außerungen  der  Zuversicht  auch  immer
die  Mahnungen,  wirtschaftliche  Kriegevorsorge  zu  treffen:

„In  jeder  Bezlehung  werden  wir  um  so  besser  befählgt  seln,  ouch  einen  langwierigen
und  schwierigen  Krieg  durchzuhalten,  se  intakter  wir  unsere  Volkswirtschaft  während  des
Krieges  zu  halten  vermögen.  Demgemäß  ist  die  Heeresleitung  in  hohem  Grade  daran
interessiert,  daß  schon  in  Friedenszeiten  Vorsorge  getroffen  wird  für  die  möglichst  ausgedehnte
  Aufrechterhaltung  der  Blutzufuhr  für  unsere  Volkswirtschaft  in  Zeiten  des  Waffenganges.
  Ze  stärker  unser  Bolkstum  anwächst,  se  mehr  die  sich  so  rapide  ausdehnende  Industrie
  auf  den  Rohstoffbezug  von  fremden  Böden  angewiesen  ist,  um  so  wichtiger,  aber
auch  um  so  schwieriger  erschelnen  diese  Aufgaben.  Ibnen  vorsorgend  gerecht  zu  werden,
gehört  mit  zur  Vollständigkeit  der  Rüstung,  ganz  ebenso  wie  die  vorsorgliche  Ordnung
des  Finanzwesene.“