Wirtschoftlicer  siegsvorsorge..  249

Wie  schon  in  einem  früheren  Albschnitt  dargelegt,  brachte  auch  der
Große  Generalstab  diesen  Fragen  wirtschaftlicher  Kriegevorsorge
wenigstenes  theoretisches  Interesse  entgegen.  Eine  beachtenswerte  Untersuchung
  in  seinen  „Bierteljahrsbeften  für  Truppenfübhrung  und  Heeres--kunde“
  vom  Zuli  1912  aus  der  Feder  des  Gießener  Professors  Gisevius
behandelte  die  Sicherstellung  der  Verpflegung  des  deutschen  Volkees  und
seiner  Armee  im  Mobilmachungsfalle.  Er  forderte  im  Interesse  dieser
Sicherstellung  tatkräftige  Förderung  der  landwirtschaftlichen  Produktion
nach  allen  Richtungen  hin  und  schloß  mit  der  Mahnung  „Schwert  und
Pflug  —  beide  blank  und  beide  gleich  tüchtig  zu  erhalten“.

Daß  wir  der  Möglichkeit  nicht  ermangelten,  im  Kriegefalle  unsere
Volkeernährung  auch  bei  weitgehender  Einkreisung  und  Abschneidung
vom  Weltmarkt  im  eigenen  Lande  sicherzustellen,  dafür  sprachen  die
aus  früheren  Veröffentlichungen  bereits  angeführten  und  noch  mancherlei
weitere  Anzeichen;  jedoch  war  mindestene  ebenso  klar,  daß  es  weitgehender
Abweichungen  von  unseren  Lebensgewohnheiten,  namentlich  aus  den
letzten  Zeiten  hochentwickelten  deutschen  Bolkswohlstandes,  und  weiser
Einschränkung  bedürfen  würde,  wenn  dieses  Ziel  mit  einiger  Sicherheit
erreicht  werden  sollte.

Wie  ich  im  Jahre  1910  in  meiner  Abhandlung  in  Conrads  „Jahr--büchern“
  die  Möglichkeiten  der  planmäßigen  Umordnung  unseres  Ernährungswesens
  angedeutet,  so  forderte  ich  im  Zabre  1915  in  meiner
weiter  oben  erwähnten  Abhandlung  in  den  „Vierteljahrsheften  des  Großen
Generalstabes“  planmäßige  Vorarbeit  für  diese  Umordnung,  insbesondere
in  der  Weise,  daß  aufklärende  Merkblätter  für  die  Zwecke  der  wirtschaftlichen
  Mobilmachung  überall  bei  den  zuständigen  Behörden,  Landräten
und  Bürgermeistern  bereit  liegen  sollten,  durch  deren  Verbreitung  vom
Augenblicke  der  militärischen  Mobilmachung  an  Klarheit  zu  schaffen  wäre
über  die  während  der  Kriegszeit  zweckmäßige  und  notwendige  Verwendung
  der  vorhandenen  Nahrungemittelbestände  und  entsprechende  Vorbereitung
  der  nächsten  Ernte.

Darüber  hinaus  sollten  auch  die  notwendigen  Formulare  bereit
liegen,  um  unverzüglich  eine  Bestandaufnahme  aller  im  Lande  vorhandenen
landwirtschaftlichen  Produkte  und  für  die  landwirtschaftliche  Produktion
notwendigen  Artikel,  wie  Düngemittel,  Saatgut,  Futtermittel,  durchfübren
  zu  können.  Auf  Grund  dieser  Bestandaufnahme  hätte  man  dann
ein  Bild  davon  zu  gewinnen  vermocht,  bie  zu  welchem  Grade  der  normale
Bedarf  an  Nahrungemitteln  gedeckt,  in  welchem  Umfange  entweder  für
Ersatz  oder  aber  für  hauohälterische  Veschränkung  unter  Festsetzung
gewisser  Höchstquoten  der  jeweiligen  Nahrung  endung  zu
sorgen  war.