Die  Fleischversorgung.  259

kanzler  ernennt  den  Reichskommissar  und  die  Mitglieder  der  Reichsstelle
und  des  Beirates;  er  erläßt  die  näheren  Bestimmungen.

Die  Reichsstelle  für  Kartoffelversorgung  hat  für  die  Verteilung  von
Kartoffelvorräten  zur  Ernährung  der  Bevölkerung  im  Reichsgcbiete  zu
sorgen.  Sie  hat  sich  dabei  der  Hilfe  der  Kommunalverbände  zu  bedienen.
In  erster  Linie  ist  der  Bedarf  der  minderbemittelten  Bevölkerung  zu  berücksichtigen.


Znsoweit  die  zur  Ernährung  der  Bevölkerung  erforderlichen  Kartoffeln
nicht  innerhalb  des  Bezirkes  vorhanden  find,  melden  die  Kommunalverbände
  den  Fehlbetrag,  der  durch  freihändigen  Ankauf  nicht  gedeckt
werden  kann,  unter  eingehender  Begründung  seiner  Höhe  bei  der  Reichsstelle
  für  Kartoffelversorgung  an.

Damit  war  auch  in  bezug  auf  die  Kartoffelversorgung  eine  ähnlich
einschneidende  Kriegemaßnahme  getroffen  wie  mit  Bezug  auf  die  Getreideversorgung,
  allerdings  erst  8½  Monate  nach  Beginn  des  Krieges.

Die  besondere  Bedeutung  der  Kartoffelfrage  war,  wie  bereits  angedeutet,
  namentlich  darin  begründet,  daß  die  Kartoffel  in  so  ausgedebntem
Maße  sowohl  für  menschliche  Nahrungszwecke  wie  als  Futtermittel  verwandt
  wird.  Sie  führt  uns  also  hinüber  zu  den  Kriegsfragen  der  landwirtschaftlichen
  Tierzucht:

Für  die  Fleischversorgung  der  Bevölkerung  war  zunächst  durch
Kaiserliche  Verordnung  vom  31.  Zuli  1914  ein  allgemeines  Ausfuhrverbot
für  Tiere  und  tierische  Erzeugnisse  erlassen,  die  anderseits  bei  der  Einfuhr
Follfreiheit  genossen.

Die  Fragen  der  Fleischversorgung  sind  insofern  etwas  übersichtlicher
als  die  der  Versorgung  mit  pflanzlichen  Nährstoffen,  als  die  Biehzählungen
einen  regelmäßigen  und  sicheren  Maßstab  zur  Beurteilung  der  vorhandenen
Bestände  bilden,  wogegen  über  den  tatsächlichen  Umfang  der  Bestände  an
pflanzlichen  Nahrungemitteln  eine  beträchtliche  Unklarheit  herrscht.  Man
darf  nicht  im  Zweifel  darüber  sein,  daß  wir  es  bei  den  Erntestatistiken  doch
nur  mit  recht  unsicheren  Schätzungen  zu  tun  haben.  Gerade  die  Ermittelungen
  der  Kartoffelbestände  während  des  Krieges  führen  in  dieser
Beziehung  eine  deutliche  Sprache;  denn  die  erste,  bei  Einbringung  der
Ernte  leider  verabsäumte  Ermittelung  erfolgte  mitten  in  winterlichem
Frost-  und  Schneewetter  durch  ganz  oberflächliche  Schätzung  der  Vorräte
in  den  Mieten,  von  denen  man  nicht  wissen  konnte,  wicviel  von  ihrem
Inhalt  gut  durch  den  Winter  käme,  wieviel  bereits  verdorben  sei.  Für
die  Zukunft  liegt  hierin  ein  deutlicher  Fingerzeig  auf  die  Notwendigkeit,
regelmäßig  in  unmittelbarem  Zusammenhang  mit  der  Einbringung  der
Ernte  statistische  Ermittelungen  auf  sicherer  Grundlage  aufzunehmen  und
nicht  nur  mehr  oder  weniger  willkürliche  Schätzungen  zu  gewinnen,

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