Sett  Sha  und  Futter  miitelversorgung  263

wurde  in  Dänemark  und  Holland  ein  großer  Teil  der  Fischerflotte  stillgelegt,
  und  von  Norwegen  durften  nur  höchstene  15%  seiner  Fischausfuhr
nach  Deutschland  geliefert  werden.  Die  englische  Regierung  ging  hier
so  weit,  darüber  zu  wachen,  daß  beispielsweise  kein  Fisch  nach  Deutschland
kommen  durfte,  der  in  einem  mit  englischem  Garn  geflickten  Netz  gefangen
oder  mit  englischem  Salz  eingesalzen  war.

Der  Umfang  des  Mangels  an  Futtermitteln  für  die  Biehwirtschaft
  ergibt  sich  aus  der  Tatsache,  daß  wir  in  den  letzten  Jahren  durchschnittlich
  etwa  150  Millionen  Zentner  Futtermittel  eingeführt  hatten.
Die  Deutsche  Landwirtschaftsgesellschaft  ließ  sich  angelegen  sein,  durch
die  Berbreitung  von  Merkblättern  auf  die  bestmögliche  Verwendung  der
vorhandenen  Futterstoffe  und  auf  alle  sich  bictenden  Ersatzmöglichkeiten
binzuweisen.

Große  Schwierigkeiten  machte  insbesondere  die  Pferdefütterung
infolge  der  sehr  schwachen  Haferbestände.  Unterm  5.  November  1914
wurden  Höchstpreise  für  Hafer  festgesetzt,  die  später  wiederholt  eine  Herabsetzung
  erfahren  mußten.  Durch  Verordnung  vom  S1.  März  1915  erfolgte
durchgreifende  Zentralisierung  des  Verkehrs  mit  Futtermitteln  durch  die
Bezugsvereinigung  der  deutschen  Landwirte  mit  amtlichen  Befugnissen.

Dieser  Zentralisierung  des  Futtermittelhandels  unterlagen  Körner--futter,
  Abfälle  der  Müllerei,  Abfälle  der  Zucker-  und  Stärkefabrikation,
sowie  der  Gärungogewerbe,  Olkuchen,  Ol,  tierische  Produkte  und  Abfälle,
sowie  Hilfestoffe.  Unter  letzteren  waren  insbesondere  aufgeführt:  Torfstreu,
  Torfmull  und  Futterkalk.

Die  Aufzählung  der  einzelnen  Futtermittel  und  Hilfestoffe  in  jener

hung  gibt  ein  interessantes  Bild  davon,  wie  man
sich  einigermaßen  über  den  Futtermangel  hinwegzuhelfen  suchte.  Hilfsstoffe,
  wie  Torfstreu  und  Torfmull,  waren  nicht  eigentlich  als  Nahrungsmittel
  gedacht,  sondern  nur  als  eine  Auffüllung  der  Futtermengen  —  zu
dem  Zweck,  besonders  nahrhafte  Futterersatzstoffe,  wie  Zucker,  durch  diese
Beigabe  zu  einem  hinreichenden  Quantum  an  Pferdefutter  aufzufüllen
und  die  Verdauungstätigkeit  in  normalen  Bahnen  zu  halten.

Der  Zucker  mußte  eben,  da  er  uns  nach  allen  normalen  Berechnungen
während  des  Krieges  im  Uberfluß  zur  Berfügung  zu  stehen  schien,  und
seine  sonst  übliche  Ausfuhr  zu  unterbleiben  hatte,  anfänglich  an  allen  Ecken
und  Enden  der  menschlichen  und  tierischen  Ernährung  ale  Ersatzmittel
eingreifen.

Von  Anbeginn  war  mit  Recht  ein  Verbot  der  Zuckerausfuhr  erlassen
worden.  Auf  Drängen  nicht  nur  der  Produzenten,  sondern  auch  des
neutralen  Auslandes  wurde  später  diesee  Ausfuhrverbot  eingeschränkt,
jedoch  nur  vorübergehend,  da  man  sich  schnell  bewußt  wurde,  hiermit