Die  Zuaerversorguns  265

Inlandsverbrauch  eines  Jahres  einschließlich  Reseroo  1500  000
Auefuhr  nach  neutralen  Ländern  200  000

Zusammen  1  700  000
verbleibt  Bestndd  1250  000

Es  erschien  geboten,  einen  Teil  dieses  Bestandee  zurückzuhalten,  um  im  Falle  einer
Knappheit  an  menschlichen  Nahrungemitteln  in  den  der  Ernte  des  Jahres  1915  vorausgebenden
  Monaten  einen  Rückhalt  zu  besitzen;  etwa  die  Hälfte  der  verfügbaren  Menge,
also  rund  600000  Tonnen,  werden  aber  unbedenklich  verfüttert  werden  können.

In  etwas  können  diese  Zahlen  dadurch  eine  Anderung  erfahren,  daß  ein  Teil  der
in  diesem  Jahre  verwendeten  Zuckerrüben  direkt  verfüttert  wird,  eine  wesentliche  Verschiebung
  der  Zahlen  wird  aber  dadurch  kaum  berbeigeführt  werden.

Eine  weitere  willkommene  Vermehrung  erfabren  die  einheimischen  Futterbestände
durch  die  in  den  besetzten  Gebieten  verfügbaren  Zuckerrüben  und  ihre  Produkte.  Die
Zuckerrüben  Nordfrankreichs  werden  zum  Teil  von  den  rheinischen  Zuckerfabriken  ohne
vorherige  Entzuckerung  auf  Schnitzel  verarbeitet  und  durch  Bermittlung  der  Bezugevereinlgung
  der  deutschen  Landwirte  den  landwirtschaftlichen  Betrieben  des  Deutschen  Relches
zugeführt.  Ein  weiterer  Teil  dieser  Rüben  wird  den  süddeutschen  Brennereien  zum  Zwecke
der  Kartoffelersparnis  überwiesen.  Außerdem  aber  wird  in  den  besetzten  Gebieten  vom
Beginn  des  neuen  Jahres  ab  Rohzucker  erzeugt,  der  ebenfalle  der  einheimlschen  Landwirtschaft
  ale  Futter  zur  Verfügung  gestellt  werden  soll,  und  schließlich  wird  möglicherweise
nicht  die  gesamte  vorhandene  Menge  in  der  erwähnten  Weise  verarbeitet  werden  können,
so  daß  gegen  das  Frühjahr  hin  ein  Teil  der  Rüben  zur  direkten  Verfütterung  verfügbar  wird.“

Unter  Ermäßigung  der  Zuckersteuer  wurde  fernerhin  auch  zur  Branntweinerzeugung
  Rohzucker  abgegeben,  um  an  Berwendung  von  Getreide
und  Kartoffeln  für  diese  Zwecke  zu  sparen.  Zm  Februar  lols  wurde  eine
Verteilungsstelle  für  Rohzucker  eingerichtet,  die  zu  bestimmen  hatte,
welche  Mengen  von  den  einzelnen  Rohzuckerfabriken  an  die  einzelnen

brauchszuckerfabriken  zu  liefern  sind.  Dadurch  sollte  eine  Regelung
der  Fuckerfabrikation  und  des  Verbrauches  von  Rohzucker  usw.  berbeigeführt
  werden.

Zu  den  größten  kriegswirtschaftlichen  Überraschungen  gehörte
  nun  aber  späterbin  die  Ablösung  dee  Zuckerüberflussee
durch  drückenden  Zuckermangel.  Teils  durch  den  ursprünglichen
Zuckerüberfluß  veranlaßt,  teils  aber  auch  infolge  des  Mangels  an  Arbeitskräften
  wurde  der  Zuckerrübenanbau  wesentlich  eingeschränkt.  Das  war
unter  den  obwaltenden  Umständen  zunächst  eine  kriegewirtschaftlich
durchaue  richtige  Maßnahme.  Von  19135—14  bie  1917—18  ging  die
Menge  der  von  den  Zuckerfabrikanten  verarbeiteten  Rüben  von  17  auf
9  Millionen  Tonnen  zurück.  Für  die  Schwierigkeiten,  mit  denen  die
Landwirtschaft  zu  kämpfen  hatte,  zeugt  es,  daß  der  Hektarertrag  von
Zuckerrüben  in  der  gleichen  Zeit  von  318  auf  240  Doppelzentner  sank.
Die  Zuckerknappheit,  die  sich  ganz  unerwartet  einstellte  und  zur  Rationierung
  auch  des  Zuckers  führte,  ist  aus  diesem  Rückgang  der  Produktion
nicht  entfernt  zu  erklären,  da  dieser  Produktionsrückgang  noch  lange  nicht