274  Landwirtschaft  und  Volksernäbrung.

gelegenheiten  der  Kriegsorganisation,  insbesondere  Aufsicht  über  Kriegsstellen  und  Kriegegesellschaften;
  Beziehungen  zur  Reichefinanzverwaltung  (Zuschüsse  usw.),  Überleitung  in
den  Frieden,  wissenschaftliche  und  geschichtliche  Bearbeltung  der  Kriegeernährungefragen,
reiche-  und  staaterechtliche  Angelegenheiten  und  Angelegenheiten  dee  Beirats,  Verkehr  mit
dem  Reichstag  und  den  anderen  Parlamenten,  Handel  und  Verbrauch,  Fleisch,  Relchefleischstelle,
  Wild,  Geflügel,  Speisefette,  Milch,  Käfe,  Olfrüchte,  Fische  und  Muscheln.

Abteilung  B  bearbeitet:  Brotgetreide  und  Mehl,  Backwaren,  Futtermittel  (einschl.
Heu  und  Stroh),  Eier  und  Nährmittel,  Sondermaßnahmen  für  Kur-  und  Badcorte,  Krankenanstalten
  und  anderes,  Hüngemittel,  Förderung  der  landwirtschaftlichen  Erzeugung,
inebesondere  Sicherung  von  Anbau  und  Ernte,  Beschaffung  von  Arbeitern,  Gefangenen,
Gespannen,  Maschinen,  Wirtschafteplan  für  das  Erntejahr  1917/18,  Autzbarmachung  der
Forsten  für  Ernährungszwecke  (Waldfrüchte,  Pilze),  Ernte  und  Vorratserhebungen,  Herstellung
  von  Grieß,  Grünkern  und  Teigwaren,  Gerste,  90pfen,  Malz,  Bierbereitung,
Gerstennährmittel,  Hafernährmittel,  Hülsenfrüchte,  Buchweizen,  Mais  und  Hirse.

Abtellung  C  umfaßt  folgende  Referate:  Ansammlung  von  Rücklagen  an  Nahrungemitteln,
  Bebebung  augenbllcklicher  vorübergebender  Notstände  allgemeiner  Art,  Verkehreangelegenbeiten,
  Sondermahnahmen  für  Binnenschiffer,  Seeschiffer  und  Bedienstete  im
Verkehr,  Verkehr  mit  Heer  und  Marine  (Kriegeministerium,  Kriegsamt  und  den  übrigen
militärischen  Dienststellen),  Sonderversorgung  der  Schwer-  und  Schwerstarbeiter,  Verkehr
mit  Verbündeten,  Neutralen  und  den  besetzten  Gebieten.

Abteilung  D  endlich  befaßt  sich  mit:  Gemüse  und  Obst  (Kriegemue,  Aufstrichmittel),
Kartoffeln,  Kolonialwaren  (Insbesondere  Kaffee,  Tee  und  deren  Ersatzmittel),  Zucker
(Rübenbau,  Roh-  und  Verbrauchezucker),  Süßigkeiten  (Schokolade,  Honig,  Kunsthonig,
Saßstoff),  Wein,  Spiritus  und  Branntwein.

Außerdem  ist  für  das  Kriegsernährungsamt  ein  besonderer  Nachrichtendienst  (Abteilung
  N)  zur  Bearbeltung  der  Presseangelegenbeiten  und  der  Aufklärungstätigkeit  und
die  volkewirtschaftliche  Abteilung  eingerichtet,  die  auch  die  Geschäfte  der  Reichepreieprüfungestelle
  übernommen  hat.

Ale  grundlegende  Gesichtspunkte  für  die  Arbeit  des  Kriegsernährungsamtes
  wurden  die  folgenden  bezeichnet:

die  Erzeugungshöhe  von  Nahrungemitteln,  soweit  es  die  Knappheit
an  Alrbeitekräften  und  Betriebemitteln  zuläßt,  möglichst  zu  erhalten;

die  im  Inland  erzeugten  und  die  wenigen  noch  vom  Aluslande  hereinkommenden
  Lebenemittelmengen  so  einzuteilen,  daß  sie  bis  zur  neuen
Ernte  reichen;

die  Preise  so  zugestalten,  daß  Erzeuger  und  Verbraucher  bestehen  können;

aus  den  Mirtschaften  der  Erzeuger  alles,  was  diese  nicht  unbedingt
für  sich  und  ihren  Betrieb  gebrauchen,  für  die  nicht  landwirtschaftliche

Bevölkerung  herauszuholen,  und  endlich

die  erfaßten  Lebenemittel  gerecht  zu  verteilen.

Das  Kriegeernährungeamt  seinerseits  konnte  nur  einen  allgemeinen
Ernährungeplan  aufstellen,  dessen  Durchführung  im  einzelnen  Sache  der
Landeszentralbehörden  war,  d.  h.  der  Ministerien  in  den  einzelnen  Bundesstaaten.
  Die  praktische  Ausführung  des  Ernährungeplanes  für  das  ganze
Reich  mußte  naturgemäß  veränderlich  gehalten  sein,  je  nach  dem  Auefall
  der  Ernten.