276  Landwirtschaft  und  Volksernähtung.

den  Schleichhandel  belebten,  und  ganz  besonders  beim  Obst,  wo  die  Zwangswirtschaft
  mit  ihren  unsachgemäßen  Transporten  zum  massenhaften  Verderben
  der  eingelieferten  Ware  führte.  6

Ee  währte  monatelang,  bis  das  Kriegsernährungsamt  von  der  Politik
der  Erfassung  und  BVerteilung  der  Nahrungemittel  den  Übergang
suchte  zu  einer  Politik  der  Förderung  landwirtschaftlicher  Gütererzeugung.
  Die  im  Februar  1917  angekündigte  Schaffung  einer  besonderen
  Abteilung  des  Kriegsernährungsamtee  für  Produktionsförderung
vollzog  sich  wiederum  nur  stockend,  und  die  hohen  Erwartungen,  mit  denen
die  öffentliche  Meinung  ursprünglich  den  „Nahrungemitteldiktator“  begrüßt
  hatte,  machten  lebhafter  Enttäuschung  Platz.  Herr  von  Batocki,
der  erste  Präsident  des  Kriegeernährungeamtee,  schied  im  August  1917
aus  dieser  Stellung.  Sein  Nachfolger,  der  frühere  Oberpräsident  von
Pommern,  Herr  v.  Waldow,  vereinigte  in  seiner  Person  den  Posten
eines  Staatesekretäre  im  Reich  und  eines  preußischen  Staateministers.
Dadurch  war  wenigstens  die  Zwiespältigkeit  beseitigt,  die  zu  der  Zeit
bestand,  als  Herr  v.  Batocki  das  Reichsernährungsamt,  Dr.  Michaelis
das  preußische  Ernährungeamt  leitete.

Unter  dem  neuen  Reichekanzler  Dr.  Michaelis  war  somit  jene  Vereinheitlichung
  der  Volkeversorgungepolitik  durchgeführt,  die  von  Anbeginn
  des  Krieges  eine  schier  unerläßliche  Notwendigkeit  gewesen  wäre.
Wir  waren  nunmehr  aber  bereits  in  das  dritte  Kriegejahr  eingetreten,
und  die  Schwierigkeiten  der  Volksernährung  vom  eigenen  Boden  waren
mit  der  Dauer  des  Krieges  automatisch  angestiegen.  In  welchem  Grade
die  Landwirtschaft  während  des  Krieges  unter  dessen  Wirkungen  gelitten
  hat,  geht  am  klarsten  hervor  aus  den  Zahlen  der  Produktionestatistik,
  aus  denen  die  nachstehenden  Daten  der  Erntestatistik  für  das
gesamte  Reich  bervorgehoben  seien.

Erntemenge  in  Tonnen:

Jahr  Welzen  Roggen  Gerste  Hafer

1918  2458  418  8  oos  oso  2258  255  4680  753
1917  2226  005  6977  191  1957  038  3628253
1916  2999  385  8  902  843  —  6928  293
1915  3705  936  9094339  241  672  5  890  129
1914  3789  662  10  349  481  3049616  3346  987
1913  4417  908  12  129  505  3564  576  9  504  002
Jahr  Kartoffeln  Zuckerrüben  Klee  Wiesenheu
1918  29  469  718  9883  800  6585  316  21  414969
1917  34  410  982  9937  321  7299  451  21646  289
1916  24  691  170  10  137  975  10  os2  047  27  707  899
1915  52  885  181  10  955  563  7  519  719  23  174  120
1914  44696  408  16  876  982  10  660  249  28000  119
1915  32854683  —  10  929  926  28047208