278  Landwirtschaft  und  Volksernährung.

Kräfte,  Ortsvorsteher  und  freiwillige  Mitarbeiter  beschaffen  und  deren
Arbeit  im  wesentlichen  wieder  nur  durch  mit  der  Statistik  nicht  vertraute
Stellen,  die  unteren  Verwaltungebehörden,  ohne  Überweisung  von
Mitteln  für  deren  Aufwendungen  kontrollieren  zu  lassen,  hat  sich  bitter
gerächt.  Die  im  Kriege  endlich  —  wenn  auch  naturgemäß  nur  in  unvollkommener
  Weise  —  versuchte  bessere  Klarstellung  hat  ergeben,  daß  auf
jenem  Wege  eine  Überschätzung  der  landwirtschaftlichen  Bestellungefläche
  wahrscheinlich  von  §  bis  10  v.  H.  und  eine  fernere  Uberschätzung  der
Hektarerträge  in  etwa  dem  gleichen  Verhältnis  stattgefunden  hat.
Uber  die  Berwendung  der  Ackererzeugnisse  in  der  Eigenwirtschaft  und
zum  Verkauf,  über  Milch  und  Milcherzeugnisse,  über  Hausschlachtungen,
Lebend-  und  Schlachtgewicht  der  Tiere  und  andere  entscheidende  Punkte
fehlte  es  selbst  an  dem  Versuch  einer  wirklich  durchgreifenden  Statistik,
so  daß  wir  noch  jetzt  auf  diesen  entscheidenden  Gebieten  im  Dunkeln  tappen.

Daß  in  einem  in  jeder  Hinsicht  so  gründlich  durchorganisierten  Gemeinwesen
  wie  dem  deutschen  diesen  auch  für  die  Friedenswirtschaft
wichtigen  Fragen  so  wenig  Rechnung  getragen  worden  ist,  erklärt  sich
aus  einem  anderen  schweren  Mangel,  aus  dem  Fehlen  allgemeiner  volkswirtschaftlicher
  Bildung  im  Volke  und  bei  den  meisten  Beamten..  Die
volkswirtschaftliche  Wissenschaft  selbst  entbehrte  binsichtlich  der  sachlichen
Aufwendungen  für  ihre  Forschungszwecke  fast  völlig  der  staatlichen
Fürsorge,  die  anderen  Wissenschaften  in  reichem  Maße  zuteil  wurde.“

Der  Nachfolger  des  Herrn  v.  Batocki  äußerte  gelegentlich  im  Preußischen
  Abgeordnetenhaus,  daß  die  Schätzungen  der  Kartoffelernte  des
Jahres  1917  zwischen  24  Millionen  und  50  Millionen  Tonnen  geschwankt
hätten!  Am  sichersten  ist  die  statistische  Erfassung  der  verfügbaren  Mehlmengen,
  weil  sie  einwandfrei  festgestellt  werden  können  in  dem  Augenblick,
  in  dem  das  Mehl  die  Mühlen  verläßt.  Besonders  unsicher  ist  die
Schätzung  der  Kartoffelernte,  da  hier  mit  sehr  schwankenden  Verlusten
bei  der  Lagerung  zu  rechnen  ist.

Suchen  wir  uns  in  Kürze  noch  einmal  die  organisatorischen  Maßnahmen
  zur  Bewirtschaftung  der  hauptsächlichen  Mittel  der  Volksernährung
  zu  vergegenwärtigen,  wie  sie  sich  bis  zu  dem  Zeitpunkte  entwickelte,
in  dem  Deutschland  die  Waffen  niederlegte  und  die  Erschütterungen
der  Revolution  auch  in  der  Leb  irtschaftung  wenigstens
zeitweise  eine  solche  Verwirrung  brachten,  daß  von  einer  ordnungsgemäß
durchgeführten  Kriegewirtschaft  kaum  noch  die  Rede  sein  konnte  und  das
Soystem  der  deutschen  Kriegsernährungepolitik  nahe  an  den  Rand  des
Abgrundes  geführt  wurde.

Abgesehen  von  den  früher  besprochenen  Verordnungen  über  Höchstpreise
  und  dergleichen  hatte  die  Regierung  ursprünglich  geglaubt,  bei