Ole  Zentral-Einkaufegesellschaft.  281

für  sich  den  Ruhm  in  Anspruch,  uns  in  jener  Zeit  mit  rumänischem  Getreide
  versorgt  zu  haben,  was  dem  privaten  Handel  nicht  gelungen
wäre.  Die  Ansichten  über  ihre  Erfolge  gehen  indessen  weit  auseinander.  Es
wurde  ihr  zum  Vorwurf  gemacht,  daß  sie  außerordentlich  bureaukratisch
und  teuer  wirtschafte  und  durch  ihr  Einfuhrmonopol  den  freien  Handel
bindere,  an  der  Versorgung  Deutschlands  mitzuarbeiten,  worin  er  mit
billigeren  Mitteln  größere  Erfolge  hätte  erzielen  können  ale  die  Zentral-Einkaufegesellschaft.
  Eines  näheren  Eingehens  auf  diese  Streitfragen
möchte  ich  mich  enthalten  und  nach  eigenen  Beobachtungen  lediglich  anführen,
  daß  die  Zentral-Einkaufsgesellschaft  im  damals  verbündeten
Bulgarien  allerdings  nur  äußerst  geringe  Erfolge  hat  verzeichnen  können.
Sie  arbeitete  dort  ebenso  teuer  wie  schwerfällig,  mit  offensichtlichen  Mißgriffen
  bei  der  Auswahl  der  ständig  wechselnden  Personen,  mit  einer
höchst  nachteiligen  Ausschaltung  der  vorhandenen  bulgarischen  Aufkäufer
und  letzten  Endes  mit  einem  äußerst  geringen  Erfolge.  Durch  die
Tätigkeit  der  Zentral-Einkaufegesellschaft  ist  jedenfalle  vielfach  der  Beweis
  erbracht  worden,  daß  der  Kaufmann,  wenn  man  ihn  zum
Bureaukraten  macht,  allen  Mängeln  des  bureaukratischen  Sosteme
verfällt  und  die  Vorzüge  jener  wirtschaftlichen  Fähigkeiten  ablegt,  die  bei
ihm  als  Kaufmann  gesucht  und  vorauegesetzt  werden.  Die  Erfahrungen,
die  auf  diesem  Gebiete  mit  der  monopolistischen  Zwangsbewirtschaftung
gemacht  worden  sind,  haben  in  weitesten  Kreisen  wesentlich  dazu  beigetragen,
  die  Sehnsucht  nach  Wiederbelebung  der  freien  Wirtschaft
  zu  fördern  und  die  Abneigung  gegen  die  Weiterführung  ähnlicher
  Wirtschaftespsteime  auf  sozialistischer  Grundlage  auch  in  der  Friedens--zeit
  entschieden  anwachsen  zu  lassen.

Bei  allen  Fehlern  des  Systeme,  die  begangen  sein  mögen,  zumal  man
an  den  entscheidenden  Stellen  in  Deutschland  viel  zu  spät  die  Notwendigkeit
  einer  wirklichen  Kriegswirtschaft  und  den  ganzen  Ernst  des
englischen  Wirtschaftekrieges  erkannte,  ist  es  in  Deutschland  doch  schließlich
  gelungen,  die  Brotversorgung,  wenn  in  mancher  Periode  auch  nur
außerordentlich  knapp,  doch  immer  so  weit  sicherzustellen,  daß  wenigsteno
für  alle  Teile  der  Bevölkerung  zu  jeder  Zeit  ein  gewisses  Mindestquantum
zu  für  Kriegsverhältnisse  billigen  Preisen  verfügbar  gemacht  werden
konnte.  Vor  Auoebruch  des  Krieges,  im  Zuli  1914,  hatte  1  kg  Roggenbrot
in  Berlin  29,65  Pfennig  gekostet.  Der  Preis  war  im  Dezember  1914
erst  auf  34,53  Pfennig  gestiegen.  Im  Durchschnitt  des  Jahres  1916
belief  er  sich  auf  39,59,  im  Durchschnitt  des  Jahres  1917  auf  40,07  Pfennig,
um  im  Durchschnitt  des  Jahres  1918  auf  49,03  zu  steigen.  Gegen  Ende
des  Kriegee  stellte  sich  der  durchschnittliche  Getreidepreis  für  die  Tonne
in  Deutschland  auf  290  Mark,  in  England  auf  329,  in  Frankreich  auf