290  Landwirtschaft  und  Volkserndhrung.

für  alle  eintretenden  Auefälle,  etwa  23%  h  vorgesehen  werden  müßte,  als  ee  in  den  Verbesscrungevorschlägen
  vorgesehen  ist.  Außerdem  läßt  sich  die  Höhe  der  Landumlagen  beim  Begiun
  der  Ernte  praktisch  kaum  errechnen,  weil  der  wohre  Ernteertrag  auch  nur  annähernd
richtig  erst  erheblich  später  geschätzt  werden  kann.  Praktisch  würde  der  Sicherungszuschlag
zur  Landumloage  fast  die  gesamte  Ernte  erfassen.  Die  Landumlage  enthält  unerwünschte
Härten  für  die  Erzeuger,  da  die  Umlage  nicht  individuell  nach  dem  wirklichen  Ertrag  der
Einzelbesitzung,  sondern  nur  summarisch  verteilt  werden  kann.  Es  würde  unter  Hinzurechnung
des  notwendigen  Sicherungezuschlages  der  eine  oder  andere  sehr  viel  behalten,  während
dle  Mehrzahl  der  Erzeuger  nicht  einmal  den  dürftigsten  Lebensunterhalt  behlelte,  der
ihnen  doch  bei  dem  jetzigen  Sostem  unbedingt  gewährleistet  ist.“

Daß  die  öffentliche  Bewirtschaftung  der  Lebenemittel  tatsächlich
nicht  gehalten,  was  man  sich  von  ihr  versprochen,  ist  u.  a.  offen  zugegeben
worden  auch  von  einem  Bertreter  der  Arbeiterinteressen  und  der  sozialdemokratischen
  Auffassungöweise,  von  Dr.  August  Müller  in  seiner  Eigenschaft
  als  Borstandomitglied  des  Kriegsernährungsamt  Daß  wir  ohne
Rationierung  der  wichtigsten  Volksnahrungemittel  in  unserer  kriegewirtschaftlichen
  Lage  nicht  auskommen  konnten,  wird  füglich  von  keiner  Seite
bezweifelt  werden.  Ebensowenig  aber  wird  behauptet  werden  können,  daß
wir  die  uns  durch  den  Krieg  gestellten  Probleme  in  befriedigender  Weise
zu  lösen  vermocht  hätten.  Die  Kritik  dürfte  sich  am  einfachsten  dahin
zusammenfassen  lassen,  daß  wir  mit  der  kriegsmäßigen  Bewirtschaftung
der  Volkenabrungemittel  zu  spät,  dann  zunächst  zu  zagbaft  und  planlos
eingesetzt,  schließlich  aber  das  für  Hauptzweige  der  Volksernährung  richtige
Spstem  zu  allgemein  schematisch  angewandt  und  die  Herstellung  planmäßiger
  Beziehungen  zu  der  Bewirtschaftung  der  verschiedenen  Zweige
des  Ernährungewesens  zu  wenig  beachtet  haben.

Ein  beweglicheres  Sostem  ist  im  Laufe  des  Krieges  durch  das
General-Gouvernement  in  Belgien  durchgeführt  worden  und  hat
mit  seiner  Verbindung  von  Kommunallieferungepflicht  und  Freigabe
der  verbleibenden  Überschüsse  für  den  Handel  günstige  Folgen  für  die
Produktionsentwicklung  gehabt.  «

Schließlich  mag  daran  erinnert  werden,  daß  eine  der  treffendsten
Kritiken  an  jener  Zwangswirtschaft,  zu  der  wir  im  Kriege  gelangt  waren,
lange  Zeit  vor  diesen  unseren  Erfahrungen  geliefert  worden  ist  durch
Taines  Geschichte  vom  Ursprung  des  modernen  Frankreich  im  Hinblick
auf  die  Jakobinerzeit  der  französischen  Revolution:

„Nichts  ist  anscheinend  einfacher  und  nichte  in  Wirklichkelt  verwickelter  ale  der  phosiologische
  Hergang,  durch  den  im  organischen  Körper  die  geelgnete  und  kräftigende  Nahrung
sich  den  unzähligen,  so  verschieden  und  so  weit  voneinander  entfernten  Zellen  gerade  dann
und  da  darbietet,  wo  cs  nottut.  Demgemä  ist  auf  den  ersten  Anblick  nichts  einfacher  und
in  Wirklichkeit  verwickelter  als  der  wirtschaftliche  Vorgang,  durch  den  im  sozlalen  Körper
die  Ledenomittel  und  die  andern  unentbehrlichen  Dinge  von  selbst  auf  allen  Punkten
eines  Landes  den  Berbrauchern  zur  Verfügung  gestellt  werden.