Kritlk  an  der  Zwangswirtschaft.  291

Man  verbietet  den  Landwirten,  anderswo  als  auf  dem  Markte  zu  verkaufen.  Zeber
von  ihnen  soll  gezwungen  sein,  einen  bestimmten  Anteil,  soundso  viel  Sack  in  der  Woche,
auf  die  Märkte  zu  bringen.  Es  werden  militärische  Streifzüge  veranstaltet,  um  sie  zur
Lieferung  ihres  Anteils  zu  nötigen.  Die  Kramladenbesitzer  erhalten  den  Befehl,  die  zum
Leben  erforderlichen  Waren  und  Genußmittel,  welche  in  ihrem  Besitz  sind,  täglich  und
öffentlich  zu  verkaufen,  ein  Höchstpreie  wird  festgesetzt,  über  den  hinaus  die  folgenden
Gegenstände  nicht  verkauft  werden  dürfen:  Milch,  Brot,  Mehl  und  Korn,  Gemüse  und
Früchte,  Wein,  Essig,  Apfelwein,  Bier  und  Branntwein,  frisches  und  gesalzenee  Fleisch,
Speck,  Vieh,  getrocknete,  gesalzene,  geräucherte  oder  marinierte  Fische,  Butter,  Honig,
Zucker  und  Speiseöl,  Brennsl,  Kerzen,  Brennholz,  Holzkohle  und  Steinkohle;  Salz,  Seife,
Soda  und  Pottasche,  Leder,  Eisenwaren  und  Stabl,  Gußeisen,  Blei  und  Kupfer,  Hanf,
Flachs,  Wollwaren,  Leinenwaren  und  Stoffe,  Holzschuhe,  Schuhe  und  Tabak;  wer  mehr
ale  das  für  seinen  eigenen  Bedarf  Erforderliche  für  sich  behält,  begeht  das  Verbrechen
des  Lebensmittelwuchere  und  wird  mit  Todesstrafe  bedroht;  schärfste  Strafen,  Gefängnie,
Pranger  treffen  den,  der  zu  höhern  als  zu  den  festgesetzten  Preisen  verkauft.

Wie  der  Krämer,  weigert  sich  der  Bauer,  nach  der  Proklamation  der  Hoöchstpreise
seine  Erzeugnisse  auf  den  Markt  zu  bringen,  und  dae  Heer  der  Revolution  ist  nicht  überall
zur  Stelle,  um  sie  ihm  mit  Gewalt  abzunehmen.  Er  läßt  seine  Ernte  so  lange  wie  möglich
  in  den  Garben  und  klagt,  daß  er  keine  Drescher  findet,  nötigenfallo  gräbt  er  seine
Körnerfrüchte  ein  oder  füttert  sein  Vieh  damit.  Oft  gibt  er  sie  im  Tauschhandel  gegen
Holz,  gegen  einen  Schinken  oder  gegen  eine  Tagesarbeit  hin.  Bei  Nacht  macht  er  aber
Meilen,  um  sie  nach  einem  benachbarten  Bezirk  hinzuführen,  wo  der  Höchstprels  etwas
besser  steht.  Er  weiß,  welche  Privatleute  in  seiner  Umgebung  noch  klingende  Taler  haben
und  verproviantiert  sie  unter  der  Hand.  Vor  allen  Dingen  verheimlicht  er  seinen  Überfluß
und  spielt  den  Notleidenden  wie  früher.  Er  ist  im  Einverständnie  mit  den  Oorfbehörden,
mit  dem  Bürgermeister  oder  den  nationalen  Agenten,  die  ebensoviel  Interesse  daran
haben,  das  Gesetz  zu  umgehen,  wie  er  selbst.  Er  schmlert  da,  wo  es  am  Platze  ist.  Schließlich
  läßt  er  sich  sogar  verfolgen  und  einstecken,  durch  seine  Hartnäckigkeit  ermüdet  er  die
Bemühungen  der  Verwaltung,  und  so  kommt  von  Woche  zu  Woche  weniger  Mehl,  weniger
Korn,  weniger  Bieh  auf  den  Markt,  und  das  Fleisch  beim  Metzger,  sowie  das  Brot  belm
Bäcker  wird  immer  seltner.

Man  hört  Leute  sagen,  daß  sie  ihr  Korn  lieber  an  das  Vieh  verfüttern,  als  es  zu  dem
vorgeschriebenen  Preie  verkaufen.  In  Rouen  gibt  es  auf  den  Tag  und  den  Kopf  nur  ein
Vlertel  Pfund  Brot,  in  Bordeaux  schläft  die  Bevölkerung  vor  der  Tür  der  Bäcker,  um  sehr
teuer  ein  Stück  schlechtes  Brot  zu  bezahlen,  das  sie  sehr  oft  nicht  vekommt  und  das  aus
Hafer  und  Bohnen  besteht.  .  .  Man  bildet  Ketten  für  Brot,  Fleisch,  Ol,  Seife  und
Lichte,  Milch,  Butter,  Holz,  Koble,  überall.  Sie  bilden  sich  von  3  Uhr,  von  1  Uhr  morgens,
von  Mitternacht  ab  und  wachsen  von  Stunde  zu  Stunde.  An  allen  Stellen  des  gesellschaftlichen
  Organiemue  wird  der  gleiche  Grundsatz  mit  derselben  Wirkung  angewendet.
Setzt  an  die  Stelle  des  inneren  natürlichen  und  lebendigen  Stachele
überall  den  äußeren  künstlichen  Zwang,  und  es  wird  nichte  anderes  zu
erlangen  sein  als  die  allgemeine  Atrophie.  Nehmt  den  Leuten  ihre  Erzeugnisse,
besser  noch,  zwingt  sie  durch  die  Furcht,  zu  produzieren,  konfisziert  ihre  Zeit,  lhre  Mühe
und  ihre  Person,  so  werdet  Ihr  die  Leistungen  von  Fellachen  erlangen,  also  eine  Leistung,
die  nicht  auereicht,  um  eine  dichte  Beoölkerung  zu  ernähren.“

In  allen  am  Kriege  beteiligten  Ländern  hatte  sich  im  Laufe  der
Kriegejahre  mehr  oder  weniger  erbebliche  Knappheit  und  Teuerung  an
Lebenemitteln  herausgestellt.  Die  durchgehende  Steigerung  der

19