296  Industrie,  Handel  und  Verkehr.

die  in  all  ihren  weiten  Berzweigungen  zusammen  die  meisten  Arbeitskräfte
  beschäftigte:  die  Bekleidungsindustrie,  heute  in  der  Hauptsache  nur
entwickeln  auf  Grund  überseeischer  Zufuhr  von  Baumwolle  und  Wolle.
Auch  die  große  Metall-  und  Maschinenindustric  ist  vielfach  gestützt  auf  die
Zufuhr  fremdländischer  Erze.

Mitten  im  Getriebe  des  Weltverkehrs  stehend,  ist  die  Zndustrie  in
ihrer  Gesamtheit  von  diesem  Weltverkehr  so  abbängig,  daß  es  schier  unmöglich
  erscheint,  sie  aus  ihm  herauszuheben.  Auf  die  Dauer  ist  es  tatsächlich
  ein  Ding  der  Unmöglichkeit,  auch  die  deutsche  Industrie  etwa
unabhängig  machen  zu  wollen  von  der  Weltwirtschaft  und  dem  Weltverkehr;
  aber  selbst  nur  eine  vorübergehende  Abschneidung  möchte  unerträglich
  erscheinen.  Wie  Deutschland  sie  gleichwohl  während  des  Krieges
ertragen  und  überwunden  hat,  das  gehört  zu  jenen  Erscheinungen,  die
größte  Bewunderung  einflößen.  Deutscher  Organisationsgeist  und
deutsches  Anpassungsvermögen,  die  durch  den  Krieg  ungeheuer  gesteigerte
Willenskraft  und  inebesondere  auch  das  in  Deutschland  zur  höchsten  Vollendung
  entwickelte  Zusammenarbeiten  von  Wirtschaft  und  Wissenschaft
haben  Hindernisse  zu  überwinden  vermocht,  die  man  als  schlechtweg
unüberwindlich  zu  betrachten  geneigt  sein  konnte.  Das  ist  gelungen,
obwohl  nur  in  sehr  geringem  Umfange  auch  auf  industriellem  Gebiet
wirtschaftliche  Kriegsvorsorge  getroffen  war.  Wohl  hatte  sich  dieses  und
jenes  große  industriclte  Unternehmen  mit  Rohstoffen  überseeischer  Herkunft
gewohnheitsgemäß  reichlich  gedeckt;  aber  eine  planmäßige  Versorgung
mit  den  notwendigsten,  von  fremdem  Boden  bezogenen  Rob-  und  Hilfestoffen
  der  Zndustrie  hatte  ebensowenig  stattgefunden  wie  eine  planmäßige
Einlagerung  der  notwendigen  Nahrungemittel.  Auch  bier  also  hieß  cs
haushalten  und  auf  die  Bercitstellung  von  Ersatzmitteln  bedacht  sein.

Von  dem  Umfang  der  Schwierigkeiten,  vor  die  unsere  Industrie
im  Kriegsfalle  durch  das  Stocken  der  Verbindungen  mit  dem  Weltmarkt
gestellt  werden  würde,  konnte  man  sich  schon  vor  dem  Kriege  ein  um  so
deutlichercs  Bild  machen,  je  mehr  Fortschritte  die  Einkreisungepolitik
zu  verzeichucn  hatte.  Über  die  äußeren  Kriegsverkehrssorgen,  die
hieraus  erwuchsen,  und  die  Aufgaben,  die  dadurch  den  berufenen  Leitern
unseres  Berkehrswesen-s  gestellt  waren,  habe  ich  mich  seinerzeit  in  der
mehrfach  erwähnten  Abhandlung  „Volkswirtschaftliche  Kriegevorsorge“,
sowic  auch  schon  bei  früherer  Gelegenheit  wiederholentlich  cingebend
geäußert  und  neben  den  großen  Schwierigkeiten  doch  stete  auch  die  Möglichkeiten
  betont,  die  une  für  die  Aufrechterbaltung  der  allerdringendsten
Verkebrsbezichungen  bleiben  könnten.  So  schrieb  ich  in  den  „Bierteljahrebeften
  für  Cruppenführung  und  Heercskunde“:

„Selbst  im  Falle  eincs  ausgedehnten  Dreifrontenkrieges  ist  jedoch