Kriegeverkehresorgen.  297

die  Abschneidung  der  deutschen  Volkswirtschaft  vom  weltwirtschaftlichen
Getriebe  noch  keine  vollständige.  Annähernd  vollständig  würde  sie  erst
dann,  wenn  auch  die  Mittelmeerhäfen  unserer  beiden  Partner  im  Dreibund
  wirksam  blockiert  würden,  und  wenn  schließlich  die  Lage  ÖOsterreich-Ungarns
  an  seiner  Südgrenze  sich  so  gestalten  sollte,  daß  zu  allem  übrigen
auch  noch  der  Donauweg  versperrt  bleibt.  So  lange  nur  Genua  oder
Venedig,  Triest  oder  Fiume  oder  der  Donauweg  für  den  Weltverkehr
frei  bleiben,  oder  solange  wir  von  irgendeinem  größeren  Ostseehafen
aue  noch  einen  Verkehr  über  schwedisch-norwegische  Bahnen  und  neutrale
Schiffahrt  in  norwegischen  Häfen  aufrechterhalten  können,  bleiben  wir
wenigstens  in  der  notwendigsten  Fühlung  mit  dem  Weltmarkt,  wenn
freilich  auch  eine  außerordentliche  Häufung  der  Transportschwierigkeiten
und  eine  sehr  bedeutende  Verteuerung  der  Frachten  unvermeidbar  wäre.

Für  solche  Zufuhren,  die  wir  schlechtweg  nicht  entbehren  können,
muß  die  Frachtverteuerung  getragen  werden.  Was  zu  vermeiden  ist,
das  ist  eine  Widerstandsunfähigkeit  gegen  die  Uberwindung  der  Transportschwierigkeiten.
  Wir  haben  zu  bedenken,  daß  der  Mobilmachungefall
gewaltige  Anforderungen  an  das  rollende  Material  unserer  Eisenbahnen
stellt,  und  daß  diese  Anforderungen  zum  Teil  auch  während  der  weiteren
Kriegedauer  bestehen  bleiben.  Zede  Absperrung  der  Grenzen  für  den
Wirtschaftsverkehr  durch  den  Krieg  bringt  aber  zugleich  für  die  Verteilung
der  volkswirtschaftlichen  Güter  Transportschwierigkeiten  und  zum  Teil
bedeutende  Umwege  mit  sich.  Ic  größer  die  zu  erwartenden  Umwege
sind,  um  so  wichtiger  wird  es,  rechtzeitige  Vorsorge  dafür  zu  treffen,  daß
trotz  der  starken  Inanspruchnahme  der  Eisenbahnen  für  Heereezwecke
noch  rollendes  Material  genug  übrig  bleibt,  um  nach  vollzogener  Mobilmachung
  den  dringendsten  Ansprüchen  des  wirtschaftlichen  Güterverkehrs
gerecht  werden  zu  können.  Der  bestmögliche  Ausbau  unserer  Verkehrestraßen,
  insbesondere  auch  weitestgehende  Nutzung  der  Binnenschiffahrtswege,
  der  Ausbau  künstlicher  Verbindungen  zwischen  den
natürlichen  Schiffahrtestraßen  und  Fürsorge  für  ein  reichliches  Maß
rollenden  Materials  auf  unseren  Eisenbahnen  wird  unserer  Volkewirtschaft
im  Kriegefalle  schwere  Sorgen  leichter  tragen  helfen.“

Hier  war  einmal  angedeutet,  daß  wir  auch  auf  den  schwierigsten
und  tostspieligsten  Nebenwegen  jede  sich  im  Kriege  irgendwie  noch  bietende
Verkehrsgelegenheit  zur  Außenwelt  zu  nutzen  haben  würden,  dann  aber
und  vor  allen  Oingen  auch  gleichzeitig  auf  die  durch  den  Krieg  verursachten
Verkehrserschwerungen  im  Inlande  hingewiesen.

Man  wußte  im  voraus,  daß  der  kommende  Krieg  nach  mehreren
Fronten  für  Deutschland  den  Charakter  eines  „Eisenbabukrieges“
annehmen  würde.  Schon  der  alte  Moltke  hatte  im  Hinblick  auf  die  Mög-