Eisenbahnen,  Wasserstraßen.  299

Abgeordnetenhause  als  weitaus  regster  und  wirkungsvollster  Fürsprecher
der  großen  Kanalvorlage  aufgetreten  ist  und  der  dann  später,  mit  der
Leitung  des  Preußischen  Eisenbahnministeriums  betraut,  in  weitestgehendem
  Umfange  Fürsorge  getroffen  hat  für  eine  Verengerung  der
Maschen  des  deutschen  Eisenbahnnetzes  und  namentlich  auch  für  wesentliche
  Vermehrung  des  rollenden  Materiale.  Die  staatlichen  Aufwendungen
nach  dieser  Richtung  erreichten  unter  seiner  Ministerschaft  bie  dahin  ungekannte
  Höhen.  Ohne  diese  von  seinen  Nachfolgern  fortgeführte  Fürsorge
für  umfangreiche  Auffüllung  des  rollenden  Materials  unserer  Eisenbahnen
wie  ihrer  gesamten  Leistungsfähigkeit  wäre  die  Zeit  der  Mobilmachung
und  die  Folgezeit  von  der  deutschen  Industrie  und  dem  gesamten  deutschen
Wirtschaftsleben  ungleich  schwerer  zu  ertragen  gewesen.

Für  die  wirtschaftliche  Umsicht,  die  in  der  Eisenbahnabteilung  des
Großen  Generalstabes  herrschte,  ist  als  sprechendes  Beispiel  die  Tatsache
anzuführen,  daß  sich  im  Mobilmachungefahrplan  nicht  nur  die  ganzen
Truppenbewegungen  berücksichtigt  fanden,  sondern  auch  besondere
Milchzüge  für  die  Versorgung  der  Großstädte  mit  frischer  Milch  selbst
in  der  Zeit  völliger  Stockung  des  sonstigen  Güterverkehre.  Ee  gereicht  den
zuständigen  Stellen  zum  besonderen  Ruhm,  daß  auch  in  den  Tagen  heftigster
  Inanspruchnahme  der  Eisenbahnen  durch  die  Mobilmachung  nur
ein  einziges  Mal  die  Milchversorgung  der  Reichshauptstadt  stockte  und  daß
auf  diesen  Ausfallstag  einige  Tage  zuvor  ausdrücklich  öffentlich  hingewiesen
worden  war.  Er  trat  nicht  ein  wegen  Bersagens  der  Eisenbabnen,  sondern
lediglich,  weil  der  fragliche  Tag  der  Hauptstellungstag  der  Pferde  war
und  aus  diesem  Grunde  auf  dem  Lande  die  Gespanne  für  die  Milchzufuhr
  zu  den  Bahnhöfen  fedblten.

Der  Eisenbahngüterverkehr  im  allgemeinen  freilich  konnte  in  der
ersten  Mobilmachungszeit  schlechterdinge  nicht  aufrechterhalten  werden.
Aur  in  den  allerdringendsten  Fällen  war  es  möglich,  Güterwagen  für  die
Beförderung  solcher  Waren  und  Nohstoffe  bereitzustellen,  die  zur  direkten
und  indirekten  Anfertigung  von  Kriegsmaterial  erforderlich  sind.  Am
20.  Mobilmachungstage  aber  konnte  dann  auf  den  großen  Stappenlinien
wieder  je  ein  Personenschnellzug  in  jeder  Richtung  verkehren;  und  entsprechend
  wurde  auch  der  Güterverkehr  in  erweitertem  Umfange  ebenfalle
zugelassen.  Namentlich  fanden  dabei  solche  Stückgüter  Berücksichtigung,
deren  Transport  entweder  im  Interesse  der  Volksernährung  oder  der
Heeresversorgung  notwendig  war.  Nur  nach  den  westlich  des  Rheins
und  den  an  der  östlichen  Grenze  gelegenen  Stationen  konnte  der  Güterverkehr
  einstweilen  nicht  stattfinden.

Bedurfte  es  in  den  ersten  Tagen  nach  Wiederaufnahme  des  Verkehrs
aber  noch  besonderer  Zulassungescheine,  um  die  Eisenbahn  eben  nur  mit