300  Industrie,  Handel  und  Verkehr.

den  bezeichneten,  notwendigsten  Transporten  zu  belasten,  so  wurde  gegen
Ende  August  1914  —  unter  Aufrechterhaltung  der  Sperre  des  linksrheinischen
  Gebietes  und  des  Gebietes  östlich  der  Weichsel  —  der  Eisen--bahngüterverkehr
  allgemein  in  vollem  Umfange  aufgenommen,  so  daß
es  der  Zulassungsscheinc  nicht  mehr  bedurfte.  Die  Anträge  auf  Wagengestellung
  waren  nunmehr  auch  wieder  an  die  im  Frieden  zuständigen
Stellen,  nicht,  wie  bie  dahin,  an  die  militärischen  Eisenbahnk  nturen
zu  richten.  Auch  der  Verkehr  mit  Osterreich-  ungarn  und  dem  neutralen
Auslande  war  von  neuem  in  Gang  gebracht.  Vom  6.  September  1914
ab  wurde  der  Eilgutverkehr,  vom  7.  September  ab  der  allgemeine  Eisenbahnprivatgutverkehr
  wieder  ausgenommen.  Zur  gleichen  Zeit  konnte
ein  Teil  der  linksrheinischen  Gebiete  und  der  Gebiete  östlich  der  Weichsel
für  den  Eisenbabngüterverkehr  gleichfalle  freigegeben  werden.

Spätere  Truppenverschiebungen  ließen  allerdings  zeitweilig  erneute
Verkehreschwierigkeiten  für  Privatgüter  eintreten,  zunächst  insbesondere
zu  der  Zeit,  da  die  Uberflutung  erheblicher  Teile  der  Provinz  Ostpreußen
mit  russischen  Heercemassen  umfassende  militärische  Maßnahmen  erforderlich
  machte.

Für  solche  Rohstoffe,  deren  Bedeutung  sich  während  des  Krieges
erhöhte,  wurden  auch  Frachtvergünstigungen  genehmigt,  deegleichen  für
gewisse  Auslandsgüter.

Bei  aller  Anerkennung  der  von  den  Eisenbahnen  in  der  Mobilmachungszeit
  und  der  weiteren  Kriegszeit  aufgebrachten  Leistungen
darf  immerbin  dic  Frage  offen  bleiben,  ob  es  nicht  möglich  gewesen  wärc,
in  der  Verkehre-Mobilmachungszeit  fortschrittlichere  Bahnen  zu  beschreiten,
  als  es  geschehen  war.  Die  weit  entwickelte  Technik  unseres
Eisenbahnwesens  hätte  es  auch  nach  fachmännischem  Urteil  wohl  zulässig
erscheinen  lassen,  das  Verkehrstempo  für  die  Truppentraneporte  einigermaßen
  zu  beschleunigen.  Es  hätte  fernerhin  —  wovon  noch  die  Rede
sein  wird  —  auch  an  eine  planmäßige  Mobilmachung  dee  Verkehrs
auf  den  Wasserstraßen  gedacht  werden  können,  und  endlich  kann
mindestens  fraglich  erscheinen,  ob  nicht  schon  vor  dem  Kriege  die  Zeit
gekommen  war,  die  Widerstände  gegen  Einführung  des  elektrischen
Betriebes  auf  den  Eisenbahnen  fallen  zu  lassen.  Über  diesen  letzteren
Punkt  hatte  ich  —  auch  unter  weitestgehender  Berücksichtigung  der  militärischen
  nicht  nur,  sondern  auch  der  fiskalischen  Gegenerwägungen  —
noch  kurze  Zeit  vor  Kriegsausbruch  im  „Tag"  vom  5.  und  6.  Juni  1914
in  einer  Abhandlung  „Die  Eisenbahnen  und  der  Krieg“  geschrieben:

„Auch  volke-,  ja,  weltwirtschaftlich  kommen  außerordentlich  welttragende  Erwägungen
in  Frage:  die  Verantwortung  vor  unseren  Kindeskindern,  baushälterlsch  umzugehen  mit
dem  Schat  der  deutschen  Kohlenlager  und  ihnen  diesen  in  solchem  Umfange  zu  binterlassen,