302  Industrie,  Handel  und  Verkehr.

lich  weitverzweigtes  Netz  untereinander  in  Verbindung  gebrachter,  zu  wechselseitiger
Ergänzung  befähigter,  überall  die  natürlichen  Wasserkräfte  nutzender  Krafterzeugungestellen
  kleineren  Kalibers  —  ein  Netz,  dem  ja  gegenwärtig  ohnehin  vorgearbeitet  wird
durch  die  landauf,  landab  entstehenden  Überlandzentralen  kleinerer  und  größerer
Verbände,  inobesondere  der  preußischen  Kreise.  Hier  wäre  das  Zerstörungswerk  ja  doch
unendlich  viel  schwerer  durchzuführen,  und  es  wäre  beim  Gelingen  an  einem  einzelnen
Punkte  um  so  weniger  wirksam,  se  mehr  die  allseitige  Berbindung  eben  wechselseitige
Ergänzungemöglichkeiten  schafft.

Bliebe  das  Zerschneiden  der  Leitungsdrähte.  Hier  aber  führen  auch  Erwägungen
anderer  Art  zu  der  Frage,  ob  es  auf  die  Dauer  angängig  ist,  alle  die  vielen  Überland--zentralen
  mit  oberirdischer  Leitung  arbeiten  zu  lassen.  Die  von  ihr  aus  auch  in
Friedenszeiten  drohenden  Gefahren  wachsen  täglich,  beispieleweise  mit  der  Ausdehnung
der  Luftschliffahrt.  Es  wird  die  Zeit  kommen,  in  der  man  ohnehin  den  Ruf  nach  unterirdischer
  Verlegung  der  elektrischen  Starkstromleitungen  wird  erheben  müssen,  und  manche
spaäteren  Umbaukosten  werden  sich  ersparen  lassen,  wenn  er  rechtzeitig  ertönt  und  Gebör
findet.

Wir  können  nicht  heute  und  nicht  morgen  übergehen  zur  allgemeinen  elektrischen
Großbahn;  aber  viele  Vorteile  machen  den  Wunsch  immer  wieder  rege,  die  Durchführung
elektrischen  Betriebes  auf  unseren  Eisenbabnen  in  solchen  Formen  zu  ermöglichen,  daß
dle  obenan  stehenden  Interessen  der  Reichssicherheit  unter  allen  Umständen  nach  menschlichem
  Ermessen  gewahrt  erscheinen.“

Tatsächlich  war  während  des  Krieges  der  militärische  Widerstand
gegen  die  Durchführung  des  elektrischen  Betriebes  auf  den  Eisenbahnen
gefallen.  Aus  halbamtlichen  Verlautbarungen  wurde  ersichtlich,  daß
bei  verändertem  Stande  der  Technik  in  Zukunft  die  alten  Bedenken
keine  Geltung  mehr  haben  würden.  Es  mag  in  diesem  Zusammenhang
beiläufig  erwähnt  werden,  daß  auch  die  fiekalischerseits  gehegten  Bedenken
in  dem  Augenblick  binfällig  wurden,  in  dem  wir  unser  bestes  Lokomotiomaterial
  nach  dem  Waffenstillstande  der  Entente  ausliefern  mußten,
so  daß  für  die  Zukunft  der  Durchführung  des  elektrischen  Eisenbahnbetriebes
  nichts  im  Wege  stehen  dürfte.

Während  des  Kriegsverlaufs  haben  sich  die  Schwierigkeiten
und  die  Unkosten  des  Eisenbabnbetriebes  außerordentlich  gesteigert.
  Es  fehlte  an  Zeit  und  an  Personal,  um  die  notwendigen  Reparaturen
  vorzunehmen,  wodurch  sich  das  Betriebsmaterial  mehr  und  mehr
verschlechterte.  Fernerhin  wurde  das  rollende  Material  der  deutschen
Eisenbahnen  mit  zunehmenden  Waffenerfolgen  des  deutschen  Heeres
auf  immer  weitere  Strecken  hin  benötigt,  insbesondere  im  Osten  und  nach
Abschluß  des  Bündnisses  mit  Bulgarien  auch  in  Südosteuropa.  Oie  Verteuerung
  der  Kohlen  und  der  Personalunkosten  bedingten  zugleich  eine
entsprechende  Selbstkostenverteuerung  der  Eisenbahnen  für  den  Frachtund
  Personenverkehr,  so  daß  sich  im  Laufe  der  Zeit  die  Staatsbahn--verwaltungen
  veranlaßt  sahen,  sehr  bedeutende  Tariferhöhungen  vorzunehmen.
