Schwlerigkeiten  und  Unkosten  bes  Eisenbahnbetriebe.  303

Die  Schwierigkeiten  auf  dem  Gebiet  der  Personalbedarfedeckung
kamen  u.  a.  darin  zum  Auedruck,  daß  nach  und  nach  gegen  100  000  weibliche
  Kräfte  an  Stelle  von  Männern  in  den  Eisenbahndienst  eingestellt
werden  mußten.

Mit  der  Dauer  des  Krieges,  die  zur  wahllosen  Heranziehung  oft  wenig
geeigneter  Hilfskräfte  veranlaßte  und  im  ganzen  wirtschaftlichen  Leben
die  moralischen  Anschauungen  und  Eigentumebegriffe  herabdrückte,
bäuften  sich  ferner  im  gesamten  Verkehrswesen,  insbesondere  im  Güterund
  Passagiergutverkehr  der  Eisenbahnen,  ebenso  auch  im  Paketverkehr
der  Post,  die  Diebstähle.  Für  verlorene  Güter  waren  im  Jahre  1913
seitene  der  preußischen  Staatsbahnen  6  Millionen  Mark  an  Vergütung
zu  leisten  gewesen.  Zm  Jahre  1914  sank  der  Betrag  auf  4  Millionen,
um  in  den  Zahren  1915,  1916  und  1917  wieder  auf  8,  18  und  schließlich
sogar  49  Millionen  Mark  zu  steigen!

Die  Mangelhaftigkeit  des  lange  nicht  ausgebesserten  Materials  und
der  menschlichen  Betriebekräfte  führte  außerdem  zu  einer  steigenden  Zahl
von  Eisenbahnunfällen.  —

Fast  in  gleichem  Umfange  wie  die  Eisenbahn  mußte  während  der
ersten  Mobilmachungszeit  die  Post,  vor  allen  Dingen  der  Telegraph,
in  den  Dienst  der  Heeresverwaltung  treten.  Die  Übermittlung  der  militärischen
  Nachrichten  nahm  den  Telegraphenverkehr  nahezu  vollständig
in  Anspruch,  so  daß  selbst  dringende  Privattelegramme  innerhalb  Deutschlande
  zu  gewissen  Zeiten  eine  mehrtägige  Beförderungefrist  erforderten.
Es  kam  hinzu,  daß  aus  Sicherheitsrücksichten  der  Telegramm-  und  Fernsprechverkehr
  einer  strengen  Überwachung  unterzogen  werden  mußte.
Der  Postverkehr  mit  dem  feindlichen  Auslande  wurde  vollständig  aufgeboben,
  der  Postverkehr  nach  dem  neutralen  Ausland  wesentlich  eingeschränkt
  und  einer  Zensur  unterworfen.  Auch  der  briefliche  Verkehr
nach  gewissen  Grenzbezirken  unterlag  der  Zenfur,  und  der  private  Postpaketverkehr
  konnte  erst  Schritt  für  Schritt  mit  der  Wiederaufnahme
des  Güterverkehre  durchgeführt  werden.

Wie  schon  gesagt,  hatte  späterhin  auch  die  Post  unter  großen  Personalerschwernissen
  und  unter  ständig  zunehmenden  Veruntreuungen  zu  leiden.
Auch  für  sie  ging  die  Belastung  durch  Entschädigung  für  verloren  gegangene
Wertpakete  (unversicherte  Pakete  wagte  das  Publikum  schließlich  kaum
noch  zu  versenden)  in  eine  von  Monat  zu  Monat  steigende  Millionen--summe.
  Auch  die  Post  war  gleich  der  Eisenbahn  durch  die  allgemeine
Entwertung  des  Geldes  gezwungen,  ihre  Tarife  in  der  letzten  Kriegezeit
annähernd  auf  das  Doppelte  zu  steigern.

So  groß  auch  der  Umfang  der  verkehrspolitisch  getroffenen  Fürsorge
war  —  die  verkehretechnischen  Mittel  der  Kriegführung  waren  nicht