304  Zudustrie,  Handel  und  Bertkehr.

erschöpft.  Insbesondere  war  dem  Ausbau  der  Wasserstraßen  wohl
theoretisch,  aber  nicht  praktisch  das  volle  Maß  der  Fürsorge  zuteil  geworden.
Wenn  nach  fünfvierteljähriger  Kriegsdauer  gemeldet  werden  konnte,
daß  die  Schiffbarmachung  der  Mosel  beschlossene  Sache  sei  und  Metz
ein  großer  Industriehafen  an  der  Mosel  werden  solle,  so  war  das  in  vielen
Beziehungen  sehr  bemerkenswert:  Es  tat  vor  allen  Dingen  dar,  wic
sicher  Lothringen  in  deutschem  Besitz  sei  und  wie  wenig  Metz  zu  fürchten
habe.  Es  zeigte  aber  weiterhin  auch,  daß  der  Krieg  klarere  Anschauungen
über  die  Bedeutung  der  schiffbaren  Wasserstraßen  verbreitet,  alte  Bedenken
  der  Konkurrenzeifersucht  abgeschwächt  und  den  Gedanken  genährt  habe,
daß  auf  dem  Gebiete  der  Binnenschiffahrt  noch  gewaltige  Aufgaben
der  Verkehrspolitik  zu  lösen  seien.

Ganz  besonders  ist  dabei  nicht  nur  der  Verbindung  aller  norddeutschen
Ströme  untereinander  zu  gedenken,  sondern  vorzüglich  der  hoben  Bedeutung
  einer  möglichst  vollständigen  Verbindung  zwischen  den  zum
Verkehrsgebiet  der  Nord-  und  Ostsee  gehörenden  Strömen  und  der  zum
Verkehrögebiet  des  Mittelmeeres  zu  rechnenden  Donau.

Zu  der  Zeit,  da  sich  die  Kriegslage  für  Deutschland  und  die  verbündeten
  Mittelmächte  besonders  günstig  gestaltete,  konnte  für  die  Zukunft
ein  bedeutender  Ausbau  des  mitteleuropäischen  Wasserstraßennetzes  mit
einem  erheblichen  Grade  von  Zuversicht  ins  Auge  gefaßt  werden.

Was  die  norddeutschen  Ströme  anbetrifft,  so  versprachen  unter
ihnen  auch  die  östlichen  einen  wesentlich  gesteigerten  Verkehrswert  zu
gewinnen.  In  ihrem  Berhältnis  zum  Kriege  hatten  sie  ja  eine  ganz  eigene
Rolle  gespielt.  An  der  Weichsel  und  am  Ajemen  lagen  Rußlands  Hauptfestungen;
  die  Rutzbarmachung  dieser  Ströme  als  Verkehrsstraßen  aber
war  von  Rußland  nicht  technisch  gefördert,  sondern  vielmehr  absichtlich
zurückgestellt  worden  hinter  der  ihnen  zugewiesenen  Aufgabe,  vordringenden
feindlichen  Heeren  große  Verkebrshindernisse  in  den  Weg  zu  stellen.

Nach  der  Befreiung  der  westlichen  Randgebiete  Rußlands  schienen
die  strategischen,  politischen  und  wirtschaftlichen  Schranken  beseitigt,
die  sich  einer  planmäßigen  Verkehrsnutzung  des  Memelstromes  und  einer
einheitlichen  Regulierung  der  Weichsel  in  den  Weg  stellten.  Es  hatte  allen
Anschein,  daß  die  letztere  nunmehr  zu  einem  lebhaften  Gemeinschaftsinteresse
  Osterreichs  und  Deutschlande  werden  sollte,  ebenso  wie  die  Herstellung
  der  Verbindungen  zwischen  dem  norddeutschen  Stromsystem
und  der  Donau  zum  Gemeinschaftsinteresse  Deutschlands,  Osterreich-Ungarns,
  Bulgariens  und  mittelbar  auch  der  Türkei  zu  werden  versprach.


Solche  durch  den  Kriegsausgang  leider  wieder  verschleierten  Ausblicke
  konnten  jedoch  nicht  darüber  hinwegtäuschen,  daß  in  Deutschland