Nohstoffversorgung.  309

die  Industrie  ist  unvorbereitet  vom  Kriege  betroffen  worden  und  hat
außergewöhnliche  Vorräte  nicht  angesammelt.  Die  Zufuhr  kann  teilweise
oder  ganz  gesperrt  werden.  Der  Heeresbedarf  steigert  den  Berbrauch
von  einzelnen  Metallen,  Textilien,  Chemikalien,  inebesondere  Sprengrohstoffen,
  in  unverhältnismäßigem  Umfang;  schon  nach  wenigen  Monaten
kann  empfindlicher  Mangel  unentbehrlicher  Stoffe  eintreten.  Abdilfe
oder  zum  mindesten  Ausdehnung  der  Versorgungszeit  kann  geschaffen
werden  durch  Regelung  der  inländischen  Wirtschaft,  inebesondere  des
privatindustriellen  Berbrauches,  durch  Käufe  im  Ausland  und  durch
Requisition  in  okkupierten  Gebieten.“

Die  Zentralisierung  der  Aufgabe  in  einer  geschlossenen  Verwaltungestelle
  erschien  aus  folgenden  Gründen  zweckmäßig:

Bei  den  außergewöhnlichen  Anforderungen  des  Heeresbedarfs  an
einzelnen  Rohstoffen  war  anzunehmen,  daß  die  Deckung  durch  das
Land  nur  auf  beschränkte  Zeit  gesichert  war.  Von  ihr,  insbesondere
in  Sprengstoffen,  hing  zum  Teil  das  Ergebnie  des  Feldzuges  unmittelbar
ab.  Somit  ergab  sich  die  Notwendigkeit,  in  die  Gesamtwirtschaft  der  Rohstoffe
  regelnd  einzugreifen.  Um  die  Deckung  zu  verlängern,  mußte  das
Verbältnis  des  Privatverbrauches  zum  Heeresbedarf  von  Grund  aus
neu  eingestellt  werden.  Es  war  erforderlich,  jede  Vergeudung  zu  verhindern.
  Es  entstand  ferner  die  Aufgabe,  die  vorhandenen  Nohstoffe
so  aufzuteilen,  daß  möglichst  alle  mit  Heeresaufträgen  zu  versehenden
Werke  ihre  Verpflichtungen  erfüllen  konnten;  es  war  endlich  nötig,  eine
gerechte  und  wirksame  Aufteilung  der  aus  den  besetzten  feindlichen  Gebieten
  zu  erwartenden  Nohstoffe  herbeizuführen  und  gleichzeitig  die
Zndustrien  zur  privaten  Einfuhr  von  schwer  erlangbaren  Wirtschaftegütern
  anzuspornen.

Die  Frage  der  Einfuhr  und  Aufteilung  der  aus  dem  feindlichen
Auslande  beschlagnahmten  Nohstoffe  konnte  nur  einheitlich  geregelt
werden,  auch  die  Vornahme  statistischer  Erhebungen,  welche  in  kürzester
Zeit  ein  angenähertes  Bild  der  Oeckung  schaffen  sollten,  erforderte  eine
eigene  Organisation.

Ferner  kam  die  Erwägung  in  Betracht,  daß  die  meisten  NRohstoffe
verschiedenartigen  Verwendungezwecken  dienen.  Metalle  werden
gleichzeitig  erfordert  für  die  Bedürfnisse  des  Verkehrs,  der  Waffenindustrie,
  selbst  der  Verpflegung  in  Form  von  Behältern.  Textilstoffe
dienen  der  Sprengstoffindustrie,  der  Bekleidung,  Unterkunft.  Dancben
bestehen  die  Bedürfnisse  der  Privatindustric,  die  im  Interesse  der  Leistungefähigkeit
  des  Landes  nicht  völlig  lahmgelegt  werden  darf.

Als  Aufgabe  der  Abteilung  wurde  bezeichnet  die  Regelung  der  Wirtschaft
  in  solchen  Rohstoffen,  die  der  Landesverteidigung  dienen  und  die