Manmaßige  Verteilung  der  Nohstoffbestände.  311

gegründet,  die  ihrer  ganzen  Aufgabe  gemäß  keinerlei  Erwerbsinteressen
verfolgen  durften,  sondern  nur  sozusagen  ein  Ordnungeinteresse,  und  die
dementsprechend  ihr  ganzes  Industriegebiet  auf  Verteilung  der  von  ihnen
gesammelten  bzw.  beaufsichtigten  Rohstoffe  zu  berücksichtigen  batten,
gleichviel  ob  die  einzelnen  Firmen  der  betreffenden  Kriegs-Rohstoffgesellschaft
  angeschlossen  waren  oder  nicht.  So  entstanden  nach  und  nach
in  beträchtlicher  Anzahl  mit  der  Kriegs-Robstoffabteilung  des  Kriegeministeriume
  zusammenhängende  „Kriege-Rohstoffgesellschaften“
oder  Rohstoff-,Abrechnungestellen“  mit  einem  sehr  ausgedehnten,  im
einzelnen  recht  verschiedenartigen  Wirkungskreis.

Die  für  die  Kriegezwecke  notwendige  Umordnung  der  Industrie
sollte

.  durch  möglichste  Einschränkung  des  Friedensbedarfe,  der  auf  Ersatzmittel  dingewiesen
  wurde,

durch  Rückgewinnung  von  Altmaterialien,

.durch  Erprobung  und  Verwendung  von  Ersatzmitteln  und  die  Gewinnung  von
Nebenprodukten,

durch  Erzeugung  künstlicher  Rohstoffe  unter  Ausnutzung  der  neuesten  techulschen
und  chemischen  Erfindungen,

im  Anschluß  bieran  durch  Errichtung  und  nötigenfalls  finanzielle  Unterstützung
neuer  Fabriken  und  durch  Vergrößerung  bestehender  Anlagen,

durch  Auferlegung  der  Verpflichtung  an  die  Interessenten,  keinen  Handel  mit
Rohstoffen  zu  treiben  und  letztere  nur  im  eigenen  Betriebe  zu  verarbeiten,
durch  Förderung  aller  Einfuhrmöglichkelten  und

durch  Ermittelung,  Zufuhr  und  Dertellung  der  im  besetzten  Feindeeland  erlangbaren
  Bestände

auf  die  Vermehrung  der  Vorratemengen  binwirken.

Eine  vom  Kriegeministerium  im  März  1915  gegebene  Übersicht
über  die  bie  dahin  tätigen  Rohstoffgesellschaften  und  Abrechnungestellen
zählte  die  folgenden  auf:

Kammwoll  A.  G.,  Kriegewollbedarf  A.  G.,  Kriegschemikalien
A.  G.,  Kriegemetall  A.  G.,  Deutsche  Rohhaut  A.  G.,  Kriegeleder
A.  G.,  Leinengarn-Abrechnungsstelle,  Flache-Abrechnungestelle,
Zute-Abrechnungestelle,  Kautschuk-Abrechnungsstelle,  Baumwoll-Abrechnungestelle,
  Roßhaar-Abrechnungestelle,  sämtlich  in  Berlin.

Um  einen  weiteren  Einblick  in  das  Arbeitsgebiet  der  Unterorgane
der  Kriegs-Rohstoffabteilung  zu  geben,  seien  die  Abrechnungestellen
angeführt,  die  bei  der  Deutschen  Bank  für  verschiedene  Kriegerohstoffe
eingerichtet  wurden.  Es  waren  zunächst  solche  für  Kautschuk,  Olmühlen,
Seifen-  und  Stearinfabriken,  Lack-  und  Farbenfabriken,  Harz,  Schmieröl,
Ole  und  Fette.

Die  Aufgaben  der  zahlreichen  Krieges-Nohstoffgesellschaften  waren
keine  gleichmäßigen.  Teile  beschränkten  sie  sich  darauf,  im  feindlichen

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