314  Industrie,  Handel  und  Dertehr.

die  kriegswirtschaftlichen  Zwecke.  Zu  derselben  Zeit,  in  der  Walter
Rathenau  im  Preußischen  Kriegsministerium  die  Schaffung  der  Rohstoffabteilung
  anregte,  berieten  die  führenden  Geister  der  großen  industriellen
Vereinigungen  Deutschlands  über  einen  Zusammenschluß  der  gesamten
deutschen  Industrie  für  die  Aufgaben  der  Kriegswirtschaft.  Im  A#ugenblick
  der  Mobilmachung  war  es  diesen  privaten  Körperschaften  klar  geworden,
  daß  versäumte  wirtschaftliche  Kriegsvorsorge  durch  nachträgliche
wirtschaftliche  Kriegsfürsorge  nach  Möglichkeit  ersetzt  werden  müsse.
Diese  ebenso  umfangreiche  wie  schwierige  Aufgabe  wurde  in  zentralisierender
  Weise  in  die  Hand  genommen  durch  den  am  8.  August  1914
gegründeten  Kriegsausschuß  der  deutschen  Industrie.

Zu  seiner  Schaffung  fanden  sich  die  beiden  industriellen  Hauptverbände
  Deutschlands,  der  Zentralverband  deutscher  Industrieller  und
der  Bund  der  Industriellen,  zusammen.  Alle  wirtschaftspolitischen  Gegensätze
  friedlicher  Zeitläufe  wurden  beiseite  gestellt,  um  die  gesamten  organisatorischen
  Kräfte  der  deutschen  Industrie  für  die  Kriegsaufgaben  restlos
zu  vereinigen.  Die  Gründung  des  Kriegeausschusses  enthielt  schon  in
sich  eine  Art  Protest  gegen  die  mangelnde  kriegewirtschaftliche  Borsorge
der  Regierung.  Diese  unauegesprochene  Kritik  wurde  von  dem  für  die
Unterlassung  kriegswirtschaftlicher  Vorsorge  verantwortlichen  Staatesekretär
  Dr.  Delbrück  deutlich  genug  empfunden,  ließ  er  doch  den  Führern
der  neuen  Zentralorganisation  die  Bitte  unterbreiten,  bei  der  begründenden
Versammlung  nicht  übergangen  zu  werden.  So  wurde  denn  an  der
Gründ  lung  am  8.  August  1914  der  Herr  Staatesekretär
des.  Fnnern  mit  einigen  Herren  seines  Ressorts  und  Bevollmächtigten
dee  Bundesrates  formell  beteiligt.  Tatsache  aber  bleibt,  daß  die  Initiative
zur  Gründung  des  Kriegeausschusses  allein  der  Privatindustrie  zuzuschreiben
  ist.  Als  Aufgaben  der  wirtschaftlichen  Mobilmachung  sah  der
Kriegsausschuß  der  deutschen  Industrie  für  sein  Teil  die  folgenden:

Ein  planmäßiges  Zusammenwirken  der  bereite  vorhandenen  industriellen
  Organisationen  für  eine  kraftvolle  Arbeiteteilung  und  die
zweckmäßigste  Verwendung  der  vorhandenen  nationalen  wirtschaftlichen
Kräfte  herbeizuführen,  nicht  allein  für  unsere  Landesverteidigung  an  den
Erenzen,  sondern  auch  für  BVersorgung  des  inneren  Bedarfes
während  der  Dauer  des  Kriegee.

Eine  spstematische  Verteilung  und  Unterbringung  der  Angestellten
und  Arbeiter  sowohl  in  der  Landwirtschaft  wie  in  der  Industrie  zu  sichern.

Die  Unterstützung  und  Beschäftigung  der  infolge  des  Kriegee  notleidenden
  Zweige  der  Industrie  durch  die  außergewöhnlich  in  Anspruch
genommenen  Zndustrien,  die  Überweisung  von  Teilen  des  Erzeugungeprozesses
  und  dergleichen  zu  vermitteln.