Relchsverband  der  deutschen  Industrie.  317

der  Gründung  und  der  Aufgaben  des  Kriegsausschusses  im  „Tag“  vom
26.  Dezember  1914  schrieb  ich  bereits  damals  angesichts  dieser  jungen
Einigkeit  der  deutschen  Industrie:  „Der  Gedanke  drängt  sich  ohne  weiteres
auf,  daß  dieser  Zustand  über  die  Kriegszeiten  binaue  aufrecht  erhalten
  bleiben  muß,  daß  auch  in  der  späteren  Friedenszeit  ein  deutscher
IZndustrierat  ale  körperschaftliche  Gesamtvertretung  der  deutschen
Zndustrie  an  der  Seite  des  Landwirtschaftrates,  des  Handelstages  und
des  Handwerkeskammertags  zu  stehen  haben  wird.“

Tatsächlich  hat  sich  dann  im  weiteren  Verlauf  des  Krieges  die  Bildung
eines  solchen  deutschen  Industrierates  vollzogen,  und  zwar  in  einer  gemeinsamen
  Sitzung  des  Zentralverbandes  deutscher  Industrieller  und
des  Bundee  der  Industriellcn,  die  am  25.  Oktober  1916  abgehalten  wurde.
Die  gemeinsamen  Satzungen  waren  unter  Mitwirkung  des  Vereins  zur
Wahrung  der  Interessen  der  chemischen  IZndustrie  Deutschlands  entworfen
worden.  Einstweilen  blieb  natürlich  der  Kriegeausschuß  der  deutschen
Industrie  ale  solcher  in  Tätigkeit,  um  bis  Ende  des  Krieges  seine  wichtige
Mission  weiter  durchzuführen.  AUnter  der  Flagge  des  deutschen  Industrierate
  traten  die  vereinigten  industriellen  Körperschaften  öffentlich  nur
einmal,  und  zwar  am  22.  Februar  1918,  zusammen,  in  der  Hauptsache,
um  die  Bildung  eines  preußischen  Zndustrieausschusse#  zu  vollziehen,
der  bei  der  damals  in  Fragc  stehenden  Umgestaltung  des  Preußischen
Herrenhauses  mitzuwirken  berufen  sein  sollte.  Später  wurde  für  die
organisatorische  Verschmelzung  der  großen  industriellen  Verbände  die
Form  eines  Reichsverbandee  der  deutschen  Industrie  gewählt.

Die  Gründung  des  Kriegeaueschusses  der  deutschen  Industrie  war
nicht  der  einzige  Versuch  einer  Organisation  der  wirtschaftlichen  Mobilmachung
  im  industriellen  Leben,  wobei  leider  nur  zum  Teil  eine  wirkliche
Förderung  des  Grundgedankene,  zum  Teil  eine  Zersplitterumg  der  Kräfte
zu  verzeichnen  war.  Kriegsausschüsse  von  mehr  örtlicher  oder  provinzieller
Bedeutung  —  wie  sie  beispielsweise  in  Schlesien  und  in  Süddeutschland
ins  Leben  gerufen  wurden  —  suchten  und  fanden  Fühlung  mit  dem
Kriegeausschuß  in  der  Reichehauptstadt.  Ebenso  Kriegeausschüsse  der
Organisationen  einzelner  Industriezweige,  unter  denen  zuerst  der  Kriegeausschuß
  für  das  deutsche  Papierfach  auf  dem  Plane  erschien.  Ferner
gründete  auch  der  Hansabund  eine  Kriegezentrale  zur  Förderung  der
Interessen  von  Handel,  Gewerbe  und  Handwerk  während  des  Krieges.
Eine  Anzahl  der  größten  Handelskammern  betätigte  sich  für  die  Kriegezeit
vornehmlich  auf  dem  Felde  des  weiterhin  zu  erwähnenden  internationalen
Nachrichtendienstes.

Zu  den  großen  Hauptorganisationen  gesellte  sich  dann  schließlich
noch  eine  lange  weitere  Reihe  von  Sonderorganisationen  für  alle  er-