320  Industrie,  Dandel  und  Vertebr

empfängt  bierzu  seine  Weisungen  vom  Kriegsamt  und  den  ihm  nachgeordneten  Departements
  und  Abteilungen  und  schöpft  Anregungen  aus  den  im  Kriegsamtebezirk  eingezogenen
Nachrichten.  Die  Durchführung  von  Anordnungen  durch  die  militärischen  Olenststellen
und  damlt  die  Ausũbung  der  Kommandogewalt  verbleiben  wie  bieher  den  stellbertretenden
Generalkommandos.  Zur  Erfuüllung  der  im  einzelnen  den  Kriegsamtstellen  zufallenden
Aufgaben  sind  also  engste  Verbindung  und  verständnisvolle  Arbeit  mit  den  stellvertretenden
Generalkommandos  unerläßliche  Vorbedingung.

Im  einzelnen  haben  sich  die  Kriegsamtstellen  mit  folgenden  Aufgaben  zu  befassen:

A.  Beschaffung  und  Verwendung  der  Arbeitskräfte  für  die  im  Kriegeinteresse  tätigen
staatlichen  und  privaten  Betriebe  (aus  dem  Heer  und  der  Marine  im  Benehmen  mit  der
alle  Ersatzfragen  bearbeltenden  Abteilung  der  zuständigen  General-  und  Stationekommandos,
  außerdem  Frauen,  Gefangene  und  andere  Aueländer,  Hllfodienstpfllchtige
und  Wehrpflichtige).

B.  Überwachung  und  Förderung  der  gesamten  kriegewirtschaftlichen  Produktion
des  Bezirke.

C.  Mitwirkung  bei  den  Fragen  der  Volkeernährung  für  die  kriegswirtschaftlich
tätige  Bevölkerung.

D.  Uberwachung  der  Zuführung  der  Nohstoffe  für  die  Kriegewirtschaft.

E.  Aue-v  und  Einfuhrfragen.

Zum  Leiter  des  Kricgsamtes  wurde  General  Gröner  bestellt,  der
während  des  Krieges  dauernd  an  verantwortungsvollen  organisatorischen
Stellen  gestanden  hatte  und  sich  in  der  Offentlichkeit,  namentlich  auch
auf  seiten  der  demokratischen  und  sozialdemokratischen  Linken,  cince
Vertrauens  erfreute,  wie  es  einem  Vertreter  der  hohen  militärischen
Macht  auf  dieser  Seite  nur  selten  zuteil  wird.  Als  Leiter  der  Eisenbahnabteilung
  im  Großen  Generalstab  war  er  mit  dem  Dienstrang  eines  Oberstleutnante
  in  den  Krieg  eingetreten,  am  5.  September  1914  zum  Obersten
und  bereite  im  Zuli  1915  außer  der  Reihe  zum  Generalmasor  befördert
worden.  Seiner  Tätigkeit  ale  Chef  des  Feldeisenbahnwesene  wurde  oben
gedacht.  Als  er  das  Kriegeamt  übernahm,  wurden  ihm  reichliche  Vorschußlorbeeren
  zuteil,  u.  a.  in  der  „Frankfurter  Zeitung“,  der  er  nicht  nur
als  Süddeutscher,  sondern  auch  nach  gewissen  politischen  Grundanschauungen
  verhältniomäßig  nahestand.  Nach  dem  deutschen  Zusammenbruch
  in  der  November  ·  Revolution  lauteten  die  Urteile  über  die  Ourchfübrung
  des  sogenannten  Hind  von  demokratischer
und  sozialdemokratischer  Seite  erheblich  anders.  Nach  der  im  November
1918  bewirkten  Zerrüttung  der  deutschen  Finanzen  konnte  man  vielfach
in  den  Parlamenten  hören,  daß,  wie  Dr.  Südekum  ee  beispielsweise
im  neuen  Preußenparlament  auebrücte  „die  Unsinnigkeit  und  Übertreibung

  des  sogenannten  Hindenburg-Prog  die  Reichs-  und  Staatsfinanzen
  erschüttert  babe“.  Die  sesenannten  „Unsinnigkeiten  und  Ubertreibungen
  des  Hind  “  waren  aber  keineswege  in  diesem

Programm  an  sich  begründet.  Sie  wohnten  dem  Hindenburg-  und  Ludendorff-Programm
  nicht  ohne  weiteres  inne,  sondern  wurden,  soweit  man  von