Kriegewucher,  Kriegeschieber,  Kriegsgewinnler.  321

ihnen  sprechen  will,  in  der  Praxis  erst  bineingetragen  durch  das  unter
General  Gröner  stehende  Kriegsamt,  dessen  Parole  es  war,  um  jeden
Preis,  aber  ganz  wörtlich  „um  jeden  Preis“,  Rüstungematerial  zu
schaffen.

Hatee  schon  in  der  ersten  Kriegszeit  das  Kriegeministerium  oft  eine
sehr  unglückliche  Hand  gehabt,  indem  es  trotz  aller  theoretischen  Ablehnung
des  Kriegswuchers  und  der  Kriegsschieber  und  trotz  aller  Mahnungen
des  Kriegeausschusses  der  deutschen  Industrie  und  der  sonstigen  ihm
zur  Vermittlung  reeller  Belieferung  zur  Verfügung  stehenden  Organisationen
  den  größten  Schiebern  die  weiteste  Bewegungsfreiheit  gab,  so
verdarb  die  Um-jeden-Preis-Politik  des  Kriegeamtes  nun  vollende  die
Wirtschaftlichkeit  im  Sostem  der  Kriegsversorgung.  Man  wählte  den
bequemsten  Weg,  die  Arbeiter,  die  Lieferanten,  die  Großindustriellen
bei  guter  Laune  zu  erhalten,  indem  man  Löhne  und  Preise  unbesehen
anschwellen  ließ.  Erst  zu  spät  suchte  Gröner  gegen  die  übertriebenen  Lohnsteigerungen
  Front  zu  machen.  Während  gegenüber  der  Landwirtschaft
auch  noch  in  diesem  Stadium  der  Kriegewirtschaft  kaum  ernstlich  produktionefördernde
  Politik  getrieben,  vielmehr  das  System  der  Hoöchstpreise
  weitgehend  verallgemeinert  wurde,  war  auf  industriellem  Gebiet
von  irgendwelchen  Höchstsätzen  für  Löhne  und  Lieferungen  keine  Rede.
Aur  bei  den  mehr  oder  weniger  in  die  Hauswirtschaft  eingreifenden
Sammlungen  von  A#ltmaterial  wurde  an  Preisen  festgehalten,  die  in  gar
keinem  Verhältnie  standen  zu  den  Ersatzmitteln,  die  für  die  abzuliefernde
Ware  beschafft  werden  mußten;  im  großen  aber  herrschte  ungefähr  das
Prinzip,  daß  die  vom  Leistungsunfähigsten  verlangten  Preise  zu  Normpreisen
  für  die  gesamte  Rüstungeindustrie  gemacht  wurden!  Unternehmen,
die  bis  dahin  in  vorsichtigster  Weise  gewirtschaftet  und  große  Abschreibungen
gemacht  hatten,  wurden  bisweilen  Preise  von  einer  exorbitanten  Höhe
geradezu  aufgedrängt,  bis  sich  nachher,  wenn  diese  Unternehmen  phantastische
  Gewinne  verzeichnen  konnten,  ein  großer  Lärm  über  die  Wuchergewinne
  erhob,  womit  man  sich  aber  fälschlich  an  einzelne  Unternehmungen,
nicht  an  das  verfehlte  System  des  Kriegsamtes  im  ganzen  hielt  (Daimlerwerke
  .

Diese  Art  der  Kriegewirtschaft  hatte  zur  Folge,  daß  die  Entwertung
des  Geldes  rapide  zunahm,  daß  das  Kriegegewinnlertum  jeder  Art
immer  üppiger  ine  Kraut  schoß,  und  daß  eine  immer  tiefere  Kluft  sich  auftat
zwischen  jenen,  die  draußen  an  der  Front  bei  einer  nach  Pfennigen  zählenden
  Löhnung  ihr  Leben  für  das  Baterland  einsetzten,  und  denen,
die  daheim  ihre  materiellen  Ansprüche  immer  höber  zu  schrauben  vermochten.
  Es  war  unauebleiblich,  daß  hierdurch  auch  starke  Anreize  zur
Drückebergerei  geschaffen  wurden,  und  daß  es  immer  schwerer  bielt,

Dir.  Wirischastatries  und  Nriegswinschaft.  21