Oas  Relchswirtschaftsamt.  325

schlechterung  der  Qualität,  6.  Transportvergeudung,  7.  riesige  Bureaumieten
  mit  steigender  Wohnungenot,  8.  geringere  Leistungen  im  Vergleich
zu  der  Tätigkeit  bei  Privatt  h  g  9.  hohe  Nebenkosten  mit
viel  Papier-  und  Portovergeudung,  10.  Unproduttive  Beschãftigung
vom  Heereedienst  befreiter  Personen,  11.  Protektionswirtschaft,  12.  Verteuerung
  und  Mangel.

Aus  den  Einzelbegründungen  dieser  Anklagen  mag  erwähnt  werden,
was  der  Hansa-Bund  über  Bureaukratiemus  der  Kriegsgesellschaften
  ausführte:

„Produzenten  und  Konsumenten  sind  nach  Aueschaltung  der  frelen  Wirtschaft  auf
Bezlehungen  mit  den  Kriegegesellschaften  angewlesen.  Durch  Hin-  und  Herverweisen,
durch  unnstigen  und  langsamen  Briefwechsel,  durch  die  Schwierigkeiten  persönlicher
Aussprachen  entstehen  Zeitverluste  von  Wochen  und  Monaten.  Ole  wichtigste  Sache  wird
durch  formelle  Schwierigkeiten  geschädigt,  auf  der  anderen  Seite  wird  recht  viel  unnstige
Arbelt  geleistet.  Die  unternehmungsfreudigen  und  verdienstvollen  Vertreter  dee  deutschen
Handels  und  der  deutschen  Industrie  werden  aber  durch  recht  kleinliche  Nebensächlichkeiten
so  verärgert,  daß  sie  vlelfach  ihre  Dienste  ganz  zurückziehen.

Daß  diese  Kritik  keine  übertriebene  ist,  können  wir  durch  Bewelse  aus  unserer  eigenen
Materlalsammlung  belegen.  Die  Bewilligung  für  Frelgabe  in  der  Wirkwarenindustrie
erfordert  folgenden  langwierigen  Weg:

.  Der  Papiergarnspinner  muß  elne  Lieferungserklärung  abgeben.

.  Diese  Lieferungeerklärung  muß  mit  dem  Auftrag  des  Abnehmers  an  den  Kriege-Wlrk-

  und  Strickverband,  Berlin,  zur  Befürwortung  gesandt  werden.

Hleser  Verband  gibt  den  Antrag  an  den  Kriegsausschuß  für  Textilersatzstoffe  weiter.

Dieser  Ausschuß  sendet  den  Antrag  zur  Stellungnahme  an  die  Reichsbekleidungestelle.



Nach  Rückerhalt  sendet  der  Ausschuß  denselben  zur  Genehmigung  an  die  Kriegerohstoff-Abteilung.



Dle  K.-R.-A.  sendet  solchen  zurück  an  den  Kriegsausschuß.

Der  Krlegsausschuß  übergibt  solchen  der  Splnnerelausgleichskasse.

Die  Spinnerelauegleichskasse  fordert  den  Antragsteller  auf,  den  dafür  fälligen

Beitrag  zu  Übersenden,  und  zwar  an  ihr  Bankhaus.

Das  Bankhaus  benachrichtigt  die  Spinnerelausglelchskasse  von  dem  Eingang  des

Betrages,  welche  dem  Kriegeausschuß  davon  Mitteilung  macht.

.  Der  Kriegsausschuß  für  Textilersatzstoffe  sendet  nun  endlich  den  Verarbeitungeerlaubniescheln.


Erst  jetzt  darf  der  Spinner  mit  der  Anfertigung  des  Garnes  beginnen.  Natürlich

bleibt  bei  jeder  der  Instanzen  der  Antrag  liegen,  und  es  sind  mindestene  vier  ble  sechs  Wochen

vergangen.  Dann  stellt  sich  sehr  oft  heraus,  daß  der  Spinner  inzwischen  den  Auftrag

nicht  ausfübren  kann,  oder,  daß  der  Abnehmer  dee  langen  Wartene  müde  geworden  ist

und  auf  die  Ware  verzichtet.“

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Ferner  wurde  bezüglich  der  Transportvergeudung  dargelegt:

„Dle  zentrale  Bewirtschaftung  bringt  es  mit  sich,  daß  Stoffe  von  der  Erzeugung
nach  der  Fabrlkation,  von  dleser  zu  andern  Fabrikanten  und  schließlich  zu  den  Verbrauchern
viel  mehr  herumtransportiert  werden,  ale  bei  der  Vertellung  auf  viele  Privatunternehmungen.
  In  der  Zeit  der  größten  Kohlen-  und  Waggonnot  sind  auf  diese  Weise  Hundert-